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Tunnelwanderung im Fackelschein

Geschichtswanderung Tunnelwanderung im Fackelschein

Der Kulturverein „Jeegels Hoob“ zeichnet vom "Tor des Hinterlands" den Weg zum wirtschaftlichen Aufschwung der Gemeinde Hartenrod vor 110 Jahren nach.

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Das „Tor zum Hinterland“ ist offen: Die Eisenbahnüberführung, im Volksmund auch Viadukt genannt, ist abgebaut, aber die Stützmauern stehen noch. Das „Tor zum Hinterland“ ist Ausgangspunkt einer Wanderung in die Geschichte Hartenrods, die der Kultur- und F

Quelle: Klaus Peter

Hartenrod. Eine kurzweilige, wenn auch schweißtreibende Veranstaltung verspricht der Hartenröder Wandertag zu werden, den der Kultur- und Förderverein „Jeegels Hoob“ an diesem Samstag organisiert. Kräftemäßig gesehen, geht es vom „Tor des Hinterlandes“, dem Eisenbahnviadukt Richtung Eisemroth, aus durch den 708 Meter langen Tunnel, der durch Fackeln erleuchtet wird, in den Lahn-Dill-Kreis. Dort, in der Oberndorfer Gemarkung, geht es zurück über den „Hollerborn“ bis zum „Weisen Stein“, wo eine kleine Überraschung auf die Wanderer wartet. Danach geht es weiter auf dem untersten „Watzebergweg“ zur Schutzhütte. Diese wird von der IG Frankreich betreut, deren Mitglieder die Verköstigung der Wanderer mit Speisen und Getränken übernehmen. Als Gegenleistung kündigen Karl-Otto und Hermann Bamberger eine Überraschung für die „Frankreicher“ an.

Die Bambergers betreuen die Veranstaltung, Karl-Otto Bamberger übernimmt die Führung und auch den kulturellen Part. In gewohnt kurzweiliger Art wird er den Teilnehmern einige historische Höhepunkte und Anekdoten vor Augen führen, die in dem Zeitraum von 1900 bis zum Ersten Weltkrieg die „neue Zeit“ in Hartenrod einläuteten.

Am Ausgangsportal des „Tors zum Hinterland“ im Lahn-Dill-Kreis wird der fundierte Kenner der Ortsgeschichte an wichtige Stationen und Errungenschaften erinnern, die das Dorf nach der Jahrhundertwende in die moderne Zeit mit Eisenbahn, Elektrizität, Wasserversorgung und Industrie führte.

So wird Karl-Otto Bamberger daran erinnern, dass die heutigen Bad Endbacher Ortsteile noch vor rund 110 Jahren arme Gemeinden waren. Der Grund dafür war, dass sich in der Zeit von 1832 bis 1900 die Bevölkerungszahl mehr als verdoppelte. Doch dann kam überraschend die Bahn und mit ihr der Aufschwung. Sie brachte der Gemeinde Geld als Gegenleistung für den Landverkauf und Arbeit für die Bevölkerung.

Der Geldfluss ließ auch die Raiffeisen-Genossenschaft entstehen, die das Kapital verzinste und zu günstigen Konditionen verlieh. Es entstanden Firmen wie der 1902 eröffnete Steinbruch, der Schotter für den Bahnstreckenbau lieferte und Steinmetze formten die Steine - Diabas aus der Umgebung und Sandsteine aus dem Marburger Land - , die zum Bau des Tunnels und des Viadukts benötigt wurden. „Da sieht einer aus wie der andere“, sagt Bamberger. Er habe mal gezählt: Im 708 Meter langen Tunnel seien in jeder Rundung 60 gehauene Steine eingebaut. Das ergebe insgesamt 160000 Steine zuzüglich der 34000, die im Viadukt verbaut seien, jedenfalls die, die von Außen sichtbar sind, schränkt Bamberger ein. Zusammengenommen könnte man mit diesen Steinen eine ein Meter hohe Mauer aufstellen, die bis Marburg reiche.

Bambergers Berichte wird Jürgen Daum vom Amt für Bodenmanagement in Marburg mit neuen Erkenntnissen über die Siedlungsgeschichte im oberen Salzbödetal ergänzen.

Der 5. Hartenroder Wandertag findet am Samstag, 1. September, statt. Treffpunkt ist um 13.30 Uhr am Eisenbahnviadukt in Richtung Eisemroth.

von Gianfranco Fain

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