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Trotz sexueller Nötigung keine Strafe

Freispruch Trotz sexueller Nötigung keine Strafe

Obwohl er sich geständig zeigte und das Marburger Amtsgericht ihn einer sexuellen Nötigung für schuldig befand, ist ein 29-jähriger Biedenkopfer ohne Strafe davon gekommen.

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Das Marburger Amtsgericht verhandelte über die sexuelle Nötigung eines 29-jährigen Biedenkopfers. Nach dessen Entschuldigung bei dem Opfer sah das Gericht von einer Strafe ab.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Das Gericht hatte die Verhandlung über sexuelle Nötigung am ersten Prozesstag ohne Urteil vertagt, um dem Angeklagten, der durch eine erheblich verminderte Intelligenz beeinträchtigt ist, Gelegenheit zu geben, sich bei dem Opfer zu entschuldigen (die OP berichtete).

Richterin Nadine Bernshausen hatte betont, dass dies dem Opfer oft mehr helfe, als eine Verurteilung.
Inzwischen hat der 29-Jährige nach Auskunft seines Anwalts die Frau persönlich getroffen und ihr einen Brief übergeben. Den Brief habe der Angeklagte vorformuliert abgeschrieben, da er selbst weder schreiben noch lesen könne.

Er berichtete, er habe der Frau gesagt, dass es ihm leid tue, was vorgefallen sei, und dass das nie wieder vorkommen werde. Dann habe er sie umarmt. „Ist in Ordnung, meinte sie“, nachdem er ihr auch einen Einkaufsgutschein und einen Strauß Blumen überreicht habe.

Staatsanwältin Annemarie Wied betonte in ihrem Plädoyer, dass das den Angeklagten eine große Überwindung gekostet habe. Es sei ihm offensichtlich sehr peinlich, was in der Nacht des 26. November 2009 geschehen sei. So habe er mit mehreren Personen mit viel Alkohol in seiner Wohnung in Biedenkopf gefeiert. Nachdem alle anderen gegangen seien, habe er mit der Frau zunächst in seinem Bett ferngesehen. Wie der Angeklagte eingeräumt hatte, lagen beide nackt im Bett, dann setzte er sich auf sie und ließ sexuelle Handlungen an sich durchführen.

Dadurch, dass sich die beiden so gut kannten und ein Vertrauensverhältnis bestanden habe, sei es für ihn sehr schwer gewesen, zu erkennen, dass sie dies dann nicht gewollt habe, betonte Wied. Es liege auch nur minimale Gewaltanwendung vor, gleichwohl sich die Frau durch den auf ihr sitzenden Angeklagten nicht wehren konnte. In jedem Fall handele es sich bei der Tat um einen minderschweren Fall. Hinzu komme, dass der Angeklagte nur vermindert schuldfähig sei.

So sei für den Fall einer Verurteilung nur eine niedrige Strafe zu erwarten, sodass von dieser abgesehen werden könne, da durch das Verhalten des Angeklagten ein Täter-Opfer-Ausgleich vorliege. Dem schloss sich das Gericht an. Bernshausen verwies darauf, dass die Frau durch die Verhandlung mehr belastet worden sei, als durch die Tat selbst. „Die Spannung zwischen allen Beteiligten ist nun aufgehoben“, betonte die Richterin.

von Heiko Krause

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