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Treffen der Nationen in Lohras Mitte

Ort der Vielfalt Treffen der Nationen in Lohras Mitte

Für zwei junge Menschen ist das blaue Wohnhaus in Lohra ein Anlaufpunkt zum Wohlfühlen weitab ihrer der Heimat.

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Völkerverbindung auf dem Balkon (von links) Wolfgang Preißler, Javier Méndez, Gitana Preißler, Oraz Sceradaow und Lohras Bürgermeister Georg Gaul.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Lohra. Die Gemeinde Lohra schmückt sich mit dem Titel „Ort der Vierfalt“. doch wenn es in Lohra einen Ort gibt, in dem die Vielfalt gelebt wird, dann ist es das Haus Nummer 5 im Kehnaer Weg. Dort wohnt die Familie Preißler, genauer Wolfgang und Gitana Preißler nebst grauer Perserkatze Kelly. Kelly stammt aus Litauen, der ehemaligen Sowjetrepublik an der Ostsee, in dem auch die 39-jährige Gitana lebte, bis sie vor ein paar Jahren in der Dominikanischen Republik „Wolle“ Preißler besser kennen und auch lieben lernte und schließlich vom Böttnischen Meerbusen an den Salzböde-Strand fand.

Gitanas Anwesenheit führt dazu, dass sich das Haus der Preißlers mit Leben füllt, mit jungen, wissbegierigen Menschen, die sich von ihr in der deutschen oder englischen Sprache unterrichten lassen. So schaut mindestens zweimal wöchentlich Oraz Sceradaow bei der Lehrerin herein. Der 18-jährige Turkmene aus der Hauptstadt Asgabat ist noch bis November als Au-pair in Lohra beschäftigt und träumt davon, einmal in Deutschland zu studieren. Und dazu will er seine Sprachkenntnisse verbessern. Seine weitere Freizeit verbringt der Sohn eines Juristen bei dem zweimal wöchentlich stattfindenden Fußballtraining oder dem Besuch eines Fitnessstudios.Doch Gitana Preißlers Beruf ist nicht der einzige Grund für das Völkertreffen in Lohra. Wolfgang Preißler, der einem Globetrotter gleich viele Länder dieser Erde bereist hat, kümmert sich zurzeit um einen besonderen Besucher, der aus Übersee kommt. Javier Méndez, ebenfalls 18-jährig, ist nach der Teilnahme an einem Wettbewerb aus Estland direkt nach Lohra gekommen. Mächtig stolz und doch verschmitzt spricht der Schriftsetzer Preißler davon, dass er einen „künftigen Nobelpreisträger“ zu Besuch hat. Hat doch der junge Mexikaner bei der Physik- und Mathematik-Olympiade in Talinn unter mehr als 400 Mitbewerbern aus 80 Ländern den dritten Platz erreicht. Besser waren nur ein Ungar und ein Chinese.

Drei Wochen hält sich Méndez in Lohra auf, wird in dieser Zeit unter anderem Universitäten in Bremen und Leipzig anschauen, die ihm ein Studienangebot unterbreitet haben. Er bezeichnet denn auch seinen Erfolg bei der „Olympiade“ als „Türöffner für ein Studium in Europa“. Ein solches strebt der Sohn eines Ingenieurs an, weil es in seinem Heimatland nur wenige Möglichkeiten für ihn gebe.

In Mexiko entstand der Kontakt nach Lohra. Während eines Urlaubs in Acapulco lernte „Wolle“ Preißler Javiers Vater beim Billardspiel kennen, später die ganze Familie in Mexiko City. Vor sechs Jahren erfolgte der Gegenbesuch in Lohra, jetzt ist Javier erstmals allein auf Entdeckungstour. Eine Woche Urlaub hat sich Preißler genommen, um ihn zu begleiten und ihm die deutsche Kultur näherzubringen: zum Beispiel bei einen Kirmesbesuch in Cölbe, der Besichtigung von Schloss Neuschwanstein oder am Wochenende das Erlebnis bei „Rhein in Flammen“.

Bald reist Méndez dann zurück nach Mexiko, freut sich auf seinen vierjährigen Bruder, den er vermisst. Sonst würde er auch gleich hier bleiben, weil es ihm gut gefällt. Er mag deutsches Bier und besonders auch Fleischwurst. Wenn er davon ein Stück angeboten bekommt, dann „kann ich nicht nein sagen“.

von Gianfranco Fain

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