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Unterwegs mit Schuhcreme und Schnaps

Buchenauer Bellmänner Unterwegs mit Schuhcreme und Schnaps

Im Dautphetaler Ortsteil Buchenau wird es schon am Silvestermorgen laut: Mit Gebrüll und Böllerschüssen ziehen die „Bellmänner“ umher, erschrecken Jung und Alt. Andere ­bitten um Spenden.

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Auf ihrem Beutezug durch den Ort bemalen die „Bellmänner“ 
die Wangen der Passanten mit schwarzer Schuhcreme.

Quelle: Heiko Krause

Buchenau. Schaurige Gestalten treiben sich am letzten Tag des Jahres vom Vormittag bis zur hereinbrechenden Dunkelheit in den Straßen herum. Verkleidete Mitglieder der Burschenschaften Damm und Muth. Traditionell ziehen sie an Silvester, Jung und Alt zu erschrecken.

Die Burschen der Gesellschaft Muth treffen sich am Sonntag um 9 Uhr auf der Schutzhütte „Borg“ und ziehen von dort aus verkleidet los. Die Burschenschaft Damm trifft sich um 9.30 Uhr im Ortskern in der Gaststätte „Zum Alten Rathaus“.

Kleiderordnung? „Zerlumpt“ steht auf dem Terminzettel der Burschen, und das sieht bei jedem der Bellmänner anders aus. Während einige seit Jahren alte Röcke, Trachten und Kittel von der Großmutter oder gar Urgroßmutter tragen, verstecken andere ihre Gesichter hinter schaurigen Masken oder ­
Tüchern, tragen bunte­ Perücken und Hüte. Sie schwärzen die Wangen der Passanten mit Schuhcreme.

Brauch geht auf Bettler zurück

Neben den zerlumpten „Bellmännern“ ziehen die Korbträger durch den Ort, klingeln an den Haustüren und bitten um ­eine kleine Spende. Neben traditionellen Gaben wie Eier, Speck und Bier, die in Weidekörben gesammelt werden, geben einige Bürger auch kleine Geldbeträge. Die Körbe sind bis zum Einbruch der Dämmerung erfahrungsgemäß gut gefüllt. Dann geht es für die Muth-Burschen zurück auf die Schutzhütte, die Burschenschaft Damm versammelt sich zum Eierbacken. In der Gaststätte „Zum Alten Rathaus“ werden Eier, Speck und weitere Gaben verarbeitet.

Die beiden Burschenschaften erinnern mit ihrem Treiben an frühere Zeiten und erhalten ­einen Jahrhunderte alten Brauch. Als „Bellmänner“ wurden Bettler und Landstreicher bezeichnet, die meist in den ländlichen Regionen von Ort zu Ort zogen und bei den ansässigen Bauern um etwas zu Essen baten. In Buchenau ist daraus ein Silvesterbrauch entstanden, der seit Jahrhunderten gepflegt wird.

Überraschung für Ortsfremde

Während die meisten Buchenauer diese Tradition kennen, und den „Bellmännern“ bereitwillig ihre Haustüren öffnen, kommt es besonders an der Bundesstraße 62 in Buchenau immer wieder zu überraschenden Reaktionen der Kraftfahrer, denn wer diesen Brauch nicht kennt, wird sich wohl bei einer Begegnung mit den „Bellmännern“ wundern. Die Vorstände der beiden Burschenschaften um Lukas Prior (Muth) und Lucas Pracht (Damm) bitten daher vorab um Verständnis der Verkehrsteilnehmer.

Während die Burschenschaft Muth ihre Route hinter der Lahn beginnt und zuerst die „Elmshäuser Straße“ und „In der Au“ abgeht, starten die Damm-Burschen im Ortskern. Von der Gaststätte „Zum Alten Rathaus“ aus zieht ein Teil weiter in das Neubaugebiet, die andere Gruppe über die „Alte Landstraße“, „Vor dem Stöffel“ und durch die „Bachstraße“. An der B  62 sammeln sich die Burschen wieder, gehen „Vor dem Bundeberg“ entlang und durch die „Seelbachstraße“ und über die „Diakonissenstraße“ bis zur Sparkasse.

Die Burschenschaft Muth geht ebenfalls an der B 62 entlang, die „Rothenbergstraße“ hinauf, inklusive Seitenstraßen, bis zur Feuerwehr Buchenau. Über die „Bachstraße“ und die „Alte Landstraße“ geht es zurück zum Ortskern und zur Schutzhütte „Borg“. Die Tour endet wieder bei der Gaststätte. Kleine Abweichungen bei den Routen sind möglich.

von Carolin Acker

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