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Hinterland Torten, Spiele und mehr als 4 000 Bürsten
Landkreis Hinterland Torten, Spiele und mehr als 4 000 Bürsten
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19:46 16.04.2012
Den größten Messestand der diesjährigen Oberhessenschau hat – wie vor zwei Jahren auch schon – die Stadt Marburg. Dort kann unter anderem „Der heiße Draht“ gespielt werden, wie es die siebenjährige Emely tut. Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Während Nina Bastian, Junior-Chefin der Bäckerei Kraft aus Gladenbach, an ihrem vier Quadratmeter großen Stand insgesamt zehn verschiedene Sahnetorten präsentiert und damit die Leistungsfähigkeit des Bäckerbetriebs zeigt, stellt die Stadt Marburg an ihrem gut 500 Quadratmeter großen Messestand mehr als zehn Fachdienste und deren Dienstleistungen und Angebote vor.

Täglich sind etwa 20 Mitarbeiter zur Standbetreuung der Stadt Marburg eingeteilt, während bei der Bäckerei Kraft meist nur ein Mitarbeiter anwesend ist. Kann man bei der Stadt Marburg an verschiedenen Spielen und Aktionen teilnehmen, ist bei der Bäckerei Kraft das Anfassen der Ausstellungsstücke verboten. Der kleinste und der größte Messestand der Oberhessenschau könnten wohl kaum unterschiedlicher sein.

„Wir haben bereits im Jahr 2011 die erste Sitzung zur Standplanung gehabt. Danach haben die einzelnen Fachdienste ihre Flächen und Aktionen geplant“, berichtet Laura Pfingst, eine von drei Standleitern des Marburger Messestandes. Von der Jugendförderung, der Stadtbücherei und der Volkshochschule über den Fachdienst Stadtgrün, Umwelt und Natur, den Fachdienst Sport und den Fachdienst Städtische Bäder bis hin zur Stadtentwicklung, der Region Marburger Land, der GeWoBau, dem Bereich Tourismus und Marketing sowie den Partnerstädten reichen die dargestellten Dienstleistungen und Angebote. Diese werden durch ein umfangreiches Unterhaltungs- und Aktionsprogramm sowie verschiedene Spielangebote wie Tisch-Kicker und „Der heiße Draht“ ergänzt.

Ganz anders sieht das am Stand der Bäckerei Kraft aus: „Wir zeigen mit den ausgestellten Torten, wie vielfältig und zu welchen Anlässen diese gestaltet werden können“, erläutert Nina Bastian. Viele der Torten ziert ein Foto oder Bildmotiv, das der Gladenbacher Handwerksbetrieb selbst auf Esspapier druckt und damit die Kuchen verschönert. Seit 100 Jahren gibt es die Bäckerei mittlerweile schon, neun Filialen werden im Landkreis derzeit betrieben.

„Am besten angenommen wird unsere Buchtorte“, sagt die Junior-Chefin und zeigt auf einen Kuchen, der aussieht wie ein aufgeschlagenes Buch. Eine Seite ziert ein Foto, die andere ein Glückwunsch-Spruch.

Keine Glückwunsch-Sprüche dafür umso mehr Bürsten bilden die Grundlage des Standes von Lieselotte Liebert. Voller Leidenschaft verkauft die „Bürstenfrau“ aus Baden-Württemberg ihre Waren. „Wer zu mir kommt, muss Zeit mitbringen“, sagt sie und lacht. Denn Beratung sei das A und O. „Wir bemühen uns, den Kunden genau das zu verkaufen, was sie wollen und was sie brauchen“, betont Liebert. Fast ausschließlich deutsche Produkte, teilweise in mühevoller Handarbeit hergestellt, bietet sie an, weil sie Wert darauf lege, dass die Qualität stimmt „und weil sonst das Bürstenmacher-Handwerk in Deutschland ausstirbt“.

Auf die Frage, wie viele Bürsten sich in ihrem kleinen Holzhäuschen auf dem Freigelände der Oberhessenschau finden, antwortet Liebert: „Keine Ahnung, bei 4.000 habe ich aufgehört zu zählen. Und es kommen immer mehr dazu.“ Prinzessinnen-Bürsten hat sie ebenso in der Auslage wie Glatzenbürsten, Massagebürsten, Klosterbürsten, Autofelgenbürsten, Rasierpinsel, Staubwedel, Klobürsten, Tierbürsten und Schrankfeger. „Wenn mich ein Kunde fragt und ich das Gesuchte nicht habe, nehme ich es in mein Repertoire auf“, ergänzt sie.

Bundesweit ist Liebert unterwegs, auf den verschiedensten Märkten ist sie anzutreffen, eine Ladenadresse hat sie nicht mehr. „Das habe ich vor ein paar Jahren aufgegeben. Ich konzentriere mich lieber auf mein kleines Reich hier“, sagt sie und weist einmal um sich, bevor sie sich wieder auf ihre Kundschaft konzentriert und zeigt, wie man die Haare richtig bürstet.

„Die Oberhessenschau wartet wieder mit einer großartigen Branchenvielfalt auf“, hatte Messe-Organisator Andreas Kleine zur Eröffnung gesagt – der größte, der kleinste und der außergewöhnlichste Messestand scheinen das bestätigen zu wollen.

von Katharina Kaufmann