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Hinterland Teldafax-Gläubiger warten seit Jahren auf Geld
Landkreis Hinterland Teldafax-Gläubiger warten seit Jahren auf Geld
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18:57 05.11.2013
Mit günstigen Telefongesprächen wurde Teldafax groß – doch dann war das Marburger Unternehmen insolvent. Die Gläubiger warten bis heute auf ihr Geld. Archivfoto Quelle: Uli Deck
Marburg

Die Geschichte der insolventen Teldafax AG ist verwirrend - schon wegen des Namens. Das 1995 in Wetter gegründete Telekommunikationsunternehmen musste 2001 Insolvenz anmelden. Den Markennamen übernahm allerdings ein 2002 gegründeter Konzern, der unter anderem Energieversorgung für Privatkunden anbot. Der Troisdorfer Konzern ist nicht der Rechtsnachfolger des Marburger Unternehmens. „Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe“, betont ein Mitarbeiter der Sozietät Brinkmann und Partner, die mit der Insolvenzverwaltung der „Teldafax AG (alt)“ betraut ist. Folglich geht es in der Gläubigerversammlung, die am Mittwoch am Amtsgericht stattfindet, ausschließlich um die Gläubiger des 2001 pleite gegangenen Marburger Unternehmens.

Der Name Teldafax brachte allerdings auch dem jüngeren Troisdorfer Unternehmen kein Glück. 2011 war die neue Teldafax-Gruppe nämlich ebenfalls zahlungsunfähig. Die zweitgrößte Insolvenz der deutschen Wirtschaftsgeschichte sorgte bundesweit für Schlagzeilen.

Doch zurück zum Marburger Unternehmen Teldafax: Nach der Liberalisierung des deutschen Telefonmarktes war das Unternehmen mit hunderten Mitarbeitern einer der wichtigsten Anbieter von Call-by-Call-Gesprächen, Servicerufnummern und Internetanschlüssen. Doch wegen hoher Schulden sperrte die Deutsche Telekom den Zugang zur Billig-Vorwahl 01030. Daraufhin musste Teldafax wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden.

Erster Insolvenzverwalter geht selbst pleite

Seinem ersten Insolvenzverwalter brachte Teldafax dann offensichtlich ebenfalls kein Glück. Zwar gelang dem Fachanwalt zunächst ein juristischer Erfolg: Er gewann ein Verfahren gegen die Deutsche Telekom, in dem es laut dem Magazin Indat-Report um 22,3 Millionen Euro ging. Retten konnte er Teldafax indessen nicht.

Später sorgte der Fachanwalt dann für negative Schlagzeilen, weil Aktionäre über die hohen Honorarforderungen des Insolvenzverwalters verärgert waren. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ beliefen sie sich auf fünf Millionen Euro. Anfang 2011 musste der Insolvenzverwalter schließlich selbst Insolvenz anmelden - ein ebenso seltener wie kurioser Vorgang.

2011 bestellte das Marburger Amtsgericht daher den Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Jan Markus Plathner (Sozietät Brinkmann und Partner) zum neuen Insolvenzverwalter. Plathner muss nun auch prüfen, ob im bisherigen Insolvenzverfahren alles mit rechten Dingen zugegangen ist - und gegen wen die Gläubiger eventuell noch Forderungen stellen könnten. Denn einige Gläubiger stellen sich die Frage, was aus dem Vermögen der Teldafax AG - einschließlich der von der Telekom erstrittenen rund 22 Millionen - geworden ist.

Gegen den früheren Insolvenzverwalter ermittelt auch die Gießener Staatsanwaltschaft - allerdings konnte ein Sprecher nichts sagen, ob es dabei auch um Teldafax geht. Das Verfahren ist zudem noch nicht abgeschlossen - es ist also auch nicht klar, ob der ehemalige Verwalter sich etwas hat zuschulden kommen lassen.

Sollte dieser - wie vermutet - 15,75 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse entnommen haben, dann müssten sich auch die Mitglieder des Gläubigerausschusses fragen lassen, ob sie den Insolvenzverwalter sorgfältig kontrolliert haben. Über diese Frage will Rechtsanwalt Plathner die Gläubiger am Mittwoch im Amtsgericht informieren. Anschließend soll die Versammlung beschließen, ob sie gegen Mitglieder des Gläubigerausschusses Ansprüche geltend macht. Der Streitwert wird auf 18 Millionen Euro beziffert.

Lange Verfahrensdauer lässt Interesse sinken

Rund 500 Gläubiger haben nach Angaben von Brinkmann und Partner Forderungen gegen die alte Teldafax AG. Es handelt sich vor allem um Zulieferer des Unternehmens, deren Rechnungen nicht bezahlt wurden - darunter auch kleine Unternehmen aus der Region. Allerdings wird wohl nur ein kleiner Teil der Gläubiger zu der nichtöffentlichen Versammlung nach Marburg kommen. „Das Gläubigerinteresse hat aufgrund der langen Verfahrensdauer abgenommen“, sagt ein Mitarbeiter der Sozietät.

Ein Gläubiger, der nicht genannt werden will, rechnet damit, dass am Ende höchstens ein Bruchteil seiner Forderungen erfüllt werden wird. Trotzdem findet er es aus Prinzip wichtig, dass überprüft wird, ob die Gläubiger noch Ansprüche geltend machen können. Deshalb ist er gespannt, was die Prüfung von Rechtsanwalt Plathner ergeben hat: „Es wäre schon ein starkes Stück, wenn da mehrere gemeinsam die Augen zugedrückt hätten“, so der Gläubiger.

von Stefan Dietrich

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