Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Taschendiebinnen zeigen Reue
Landkreis Hinterland Taschendiebinnen zeigen Reue
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 18.06.2018
Symbolbild: Ein Mann zieht einer Frau auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt den Geldbeutel aus der Tasche. Quelle: Frank Rumpenhorst
Anzeige
Marburg

Eine 33 und eine 34 Jahre alte Frau stahlen in Supermärkten und Discountern Kundinnen die Geldbörsen und hoben mit den ­erbeuteten EC-Karten Geld ab. Opfer waren vorwiegend Seniorinnen. Das sah das Marburger Amtsgericht als erwiesen an und verurteilte die beiden Frauen zusammen mit einem 38-jährigen Mann zu ­Bewährungsstrafen.

Angeklagt war das Trio, das zum Tatzeitpunkt in Dautphetal wohnte, wegen bandenmäßig begangenen gewerbsmäßigen Diebstahls und Computerbetrugs. Der Mann soll die Frauen jeweils zu den Märkten gefahren und im Auto gewartet haben. Zwölf Diebstähle fanden zwischen Februar und Juli­ 2017 im Hinterland, im Südkreis, Marburg, Stadtallendorf und in benachbarten Landkreisen statt.

Geheimzahlen in Geldbörsen gefunden

Laut Anklageschrift handelte­ es sich um „genau und sorgfältig ausgewählte Opfer, bei der Tatausführung war nichts dem Zufall überlassen“. Die Geldbörsen befanden sich häufig in der Handtasche, die im Einkaufswagen lag oder an einem Rollator hing. Bemerkt wurde der Verlust immer erst später an der Kasse. Da waren in zehn Fällen schon Abhebungen erfolgt, einmal mehr als 4.000 Euro. Die Geheimzahl fanden die Täter ebenfalls in den Geldbörsen. Der Gesamtschaden der Serie lag bei knapp 15.000 Euro.

Noch vor Beginn der Verhandlung gab es eine so genannte­ verfahrensvereinfachende Absprache. Den Angeklagten wurden milde Strafen für den Fall von Geständnissen zugesichert. Die Frauen räumten alle Vorwürfe ein. Der Mann betonte über seinen Verteidiger, zum Zeitpunkt der meisten Taten nicht in Deutschland gewesen zu sein, erst im Dezember sei er als Fahrer zu zwei Diebstählen und einer Abhebung von Geld dabei gewesen.

6.000 Euro als Schadenswiedergutmachung in bar

Das glaubte ihm das Gericht unter Vorsitz von Thomas Rohner. So blieb nur in diesen Fällen der Vorwurf der strafschärfenden Bandenbildung bestehen, wofür sich laut Gesetz drei Personen zu Straftaten verabredet haben müssen. Der Angeklagte erhielt ein Jahr und zwei Monate auf Bewährung, die Frauen jeweils zwei Jahre.

Rohner betonte, dass die Geständnisse eine mehrtägige Beweisaufnahme verhindert hätten. Zugute gehalten wurden den Angeklagten auch ihre Entschuldigungen, und dass sie insgesamt 6.000 Euro als Schadenswiedergutmachung in bar dabei hatten, und zum Teil auch direkt an die Zeuginnen auszahlten. „Das finde ich gut“, sagte eine, „aber man sollte vorher darüber nachdenken, was man tut, denn man kann gut leben, mit viel oder wenig Geld.“

Polizei hat Täter auf frischer Tat ertappt

Zu Lasten der Angeklagten ­bewertete das Gericht, dass die Opfer auch psychisch gelitten haben. Eine betonte, „es ist nicht nur der finanzielle Schaden, viel schlimmer ist, wenn man immer misstrauisch sein muss“.

Seit einem halben Jahr saßen­ die drei Täter in Untersuchungshaft. Auf sie aufmerksam geworden war die Polizei­ über das genutzte Auto sowie Überwachungsaufnahmen in den Märkten und Banken. Wie ein Kriminalbeamter berichtete, habe die Observierung ergeben, dass eine Vielzahl an Märkten aufgesucht wurde, wobei bei den Fahrten dahin auf Umwegen der nachfolgende Verkehr beobachtet wurde, um nicht entdeckt zu werden.

Er selbst habe am 6. Dezember einen Geldbörsendiebstahl in Wallau beobachtet, sagte der Polizist. Seine Kollegen hätten das Trio kurz darauf in Niederlaasphe bei einem weiteren Markt festgenommen. Die zuletzt entwendeten Papiere seien gut eingepackt, um Spuren zu verwischen, in einem Mülleimer gefunden worden. Alle anderen Frauen erhielten ihre Papiere nicht wieder, was zusätzliche Kosten verursachte.

von Heiko Krause

Anzeige