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Studie sieht weitere Konzentration

Krankenhäuser in Not Studie sieht weitere Konzentration

18 Millionen mal müssen die Bundesbürger pro Jahr ins Krankenhaus - doch vielen Kliniken droht aus finanziellen Gründen das Aus. Verschlechtert sich die Versorgung der Patienten?

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Am Universitätsklinikum auf den Lahnbergen fordern jetzt auch die Wissenschaftler und Ärzte den Rückkauf durch das Land Hessen.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Frau aus dem Schwarzwald war wütend. Das örtliche Krankenhaus in Schramberg sollte geschlossen werden - die Klinik in der rund 25 Kilometer entfernt gelegenen Kreisstadt Rottweil dagegen ausgebaut werden. „Viele sagen, da sterben sie lieber auf der Strecke“, polterte die Einwohnerin in einem Interview los.

Doch wie bereits zuvor in anderen Orten half auch hier alles nichts. Landauf, landab gibt es Proteste und Bürgerinitiativen, wenn wieder einmal einem Krankenhaus das Aus droht. Doch ein Ende der Auslese ist nicht in Sicht: Die kleine Klinik in der Nähe, zu der man mit fast allem gehen kann, hat kaum noch eine Zukunft.

Steigende Löhne, schlechte Auslastung, hohe Kosten wegen eines breiten Angebots, ein geringes Einzugsgebiet - das ist für viele kommunale Kliniken ein tödlicher Mix. Oft suchen sie ihr Heil in möglichst vielen Operationen. Von dem Anstieg bei den Behandlungen von 13 Prozent zwischen 2006 und 2010 sind laut Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) nur 40 Prozent durch die Alterung der Gesellschaft erklärbar. „Man muss immer mehr aufpassen, dass man nicht unters Messer kommt“, hieß es zuletzt sogar beim Verband der gesetzlichen Krankenkassen.

Die Autoren der neuen Studie haben einen nüchternen ökonomischen Blick. Sie fordern, kranke Kliniken nicht zu päppeln - sondern aufzugeben und das Geld in Häuser mit modernen Strukturen und speziellen Angeboten umzuleiten. Spezialisierung heißt das Zauberwort.

Immer mehr Kliniken würden privatisiert. „Denkbar ist, dass sich schließlich fünf große überregionale Klinikverbünde herauskristallisieren mit insgesamt rund 60 Prozent Marktanteil.“

Die Forscher schlagen nun vor, die Finanzierung auf eine neue Grundlage zu stellen und den Kliniken Behandlungsrechte zu geben, mit denen sie auch handeln können. Im Fall des Schwarzwaldstädtchens Schramberg ist die Geschichte vielleicht noch nicht zu Ende. Denn angesichts eines geplanten neuen Klinikums im Nachbarkreis fürchten die Leute dort, dass auch das Krankenhaus in Rottweil nicht mehr lange überlebt.

Ärzte am UKGM fordern vom Land den Rückkauf

Wenige Tage vor der Entscheidung über die Übernahme des UKGM-Eigners Rhön-Klinikum durch den Medizinkonzern Fresenius wächst der Druck auf das Land Hessen, den Rückfall des UKGM zum Land einzuleiten. Ärzte und Wissenschaftler fordern in einer Resolution des selbstständigen Personalrats (der für die Landesangestellten zuständig ist), „einen Rückkauf des UKGM durch das Land oder eine Veränderung der Gesellschaftsform“ und begründen dies unter anderem damit, dass“ an der Lehre als essentieller Bestandteil der universitären Medizin“ am UKGM nur „eingeschränktes Interesse“ bestehe. Dies führe unter anderem dazu, dass sich junge Ärzte nur noch selten für eine akademische Laufbahn in Marburg gewinnen lassen.

„Wir sind nicht mehr bereit, unsere universitären Aufgaben den privatrechtlichen Interessen unterzuordnen“, heißt es an anderer Stelle.

Personalratsvorsitzender Dr. Franz-Josef Schmitz ergänzte im Gespräch mit der OP, die Ärzte könnten auch ihrer medizinischen Pflicht nicht in ausreichendem Umfange nachkommen, wenn die anderen Berufsgruppen im Klinikum, etwa in der Pflege, nicht mehr ausreichend Zeit für die Patienten aufbringen können. „Wir sind ein Betrieb“, sagte Schmitz.

Der Personalrat am UKGM-Standort Marburg lädt daher zu einer „gemeinsamen Mittagspause“ am Donnerstag, 21. Juni, von 12.30 bis 13 Uhr vor der Mensa Lahnberge ein. Dabei sollen Ärzte, Bürger und Patienten gemeinsam ihre Forderungen nach einem Rückkauf des UKGM deutlich machen. Nur so sei der Versorgungsauftrag zu gewährleisten, heißt es in einer Erklärung der Ärzte.

von Basil Wegener und Till Conrad

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