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Studenten schreiben an Volker Bouffier

UKGM Studenten schreiben an Volker Bouffier

Eugen Münch, der Gründer und Aufsichtsratsvorsitzende der Rhön-Klinikum AG, ist seit gestern um geschätzte 300 Millionen Euro reicher.

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Mit einem Brief an

Quelle: Pixelio

Marburg. Wie angekündigt verkaufte Münch gestern das Aktienpaket seiner Familie in Höhe von 12,45 Prozent des Stammkapitals an den Medizinkonzern Fresenius Helios. Der Deal kommt aber nur zustande, wenn es Fresenius gelingt, bis zum Mittwoch nächster Woche mehr als 90 Prozent der Aktien des Rhön-Konzerns unter seine Kontrolle zu bringen. Dafür bringt Fresenius etwa 3,1 Milliarden Euro auf.Ein weiterer Großaktionär will seine Rhön-Aktien an Fresenius übergeben: der schwedische Pensionsfonds Alecta, der gut 9 Prozent der Anteile gehalten hat. Damit hat Fresenius derzeit  etwa ein Viertel der Aktien.
Noch immer sind die Finanzmärkte aber skeptisch, ob die Mission gelingt und Fresenius tatsächlich mehr als 90 Prozent der Aktien in seinen Besitz bringen kann. Gestern lag die Rhön-Aktie nur bei 21,45 Euro – mehr als einen Euro unter dem Angebotspreis, den Fresenius den Aktionären gemacht hat.
Hinter den Kulissen wird offensichtlich bis zum Schluss gepokert. So sind die schweizerische Bank UBS und das schwedische Geldinstitut SEB jetzt zu Großaktionären aufgestiegen. UBS und SED kontrollierte gestern eigenen Angaben zufolge jeweils mehr als 15 Prozent der Aktien. Für wen und zu welchem Zweck die Banken Anteile einsammeln, darüber gibt es im Moment nur Spekulationen.

Der Rhön-Konzern ist (zu 95 Prozent) Eigner des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM). Die Belegschaft hat mit Stellenabbauplänen der Geschäftsführung zu kämpfen. Ein breites Bündnis setzt sich für die Rückführung des Klinikums in die Gemeinnützigkeit ein.
Neben den Beschäftigten, den Wissenschaftlern, den Ärzten und der Bevölkerung in den Landkreisen Marburg und Gießen haben sich nun auch die Medizinstudierenden der Fachbereiche in Gießen und Marburg eindeutig positioniert.
Wie Nathalie Schubert von der Marburger Medizin-Fachschaft gestern mitteilte, haben mehr als 400 Studierende in Marburg einen Offenen Brief an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier unterschrieben.  Sie fordern den Rückkauf des 2005 privatisierten Universitätsklinikums durch das Land Hessen. Diese Möglichkeit eröffnet sich, falls Fresenius den Rhön-Konzern übernimmt. „Noch können weitere Fehler vermieden werden, die durch die Privatisierung und die rein wirtschaftliche Ausrichtung des Unternehmens entstehen“, heißt es in diesem Schreiben.
Die Studierenden argumentieren:
- Die Universität lebt von motivierten Lehrern. „Gute Dozenten und Vorbilder verschwinden, die an anderen Universitäten eher die Möglichkeit haben, Lehre und Krankenversorgung zu verbinden.

-  Die praxis-orientierte Ausbildung ist essenziell.  „Wir wollen“, schreiben die Studierenden, „dass unsere Dozenten die Möglichkeit haben, sich ausreichend Zeit für den Unterricht am Krankenbett zu nehmen – und dabei nicht übermüdet sind.“

-  Das Klinikum ist wichtig für die Zukunft der Wissenschaft in Mittelhessen – und der Universitäten. Genauso wie die Lehre leide auch die Wissenschaft in Gießen und Marburg unter der Arbeitsverdichtung im Klinikum. „Bei diesen Bedingungen fällt es vielen Studierenden schwer, gerne in dieser Region zu sein – und zu bleiben.“
-  Die Reputation des Medizinstudiums hängt von der Qualität der Lehre ab. „Nicht zuletzt entscheidet der Ruf des Medizinstudiums darüber, ob neue Studierende in die Unistädte Gießen und Marburg kommen wollen oder nicht.“
Die Ärzteinitiative „Notruf 113“ lädt unter dem Eindruck der herannahenden Entscheidung im Übernahmepoker zwischen Rhön und Fresenius zu einer Diskussion unter dem Titel „Aktie Patient – Rhön-Uniklinikum: Kurs auf Gesundheit?“. Referent ist der Frankfurter Arzt und Autor Dr. Bernd Hontschik.  Es moderiert der Medizinethiker Dr. Friedrich Heubel. Die Veranstaltung findet am morgigen Mittwoch ab 19.30 Uhr im TTZ, Frankfurter Straße, statt.

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