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Streit um Standesamt-Schließung

Ortsbeirat-Sitzung Streit um Standesamt-Schließung

Das Standesamt im Dorfzentrum "Jeegels Hoob" in Hartenrod soll zwar erhalten bleiben, aber laut Bürgermeister Markus Schäfer nur bei Trauungen besetzt sein.

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Selbst die weiteste Anreise zum Standesamt in Hartenrod soll sich zukünftig noch lohnen. Bürgermeister Markus Schäfer plant, die Verwaltungsaußenstelle für Trauungen beizubehalten.Archivfoto

Hartenrod. Im Mittelpunkt der Ortsbeiratssitzung in Hartenrod, die der stellvertretende Ortsvorsteher Arndt Räuber leitete, stand die geplante Verlegung des Standesamtes im Dorfzentrum „Jeegels Hoob“. Das Thema wurde von Bürgermeister Markus Schäfer, dem Ersten Beigeordneten Dieter Domke sowie 15 Bürgern, darunter auch Bad Endbacher Kommunalpolitiker, sehr emotional diskutiert. Ein Zuhörer sprach gar von einer katastrophalen Sitzung, voller Spannung und Zoff.

Es sei ein ständiges Gegeneinander gewesen - „einer Sitzung unwürdig“, berichtet er. Der Bürgermeister habe sich schulmeisterlich verhalten und gar einem Gemeindevorstandsmitglied das Wort verweigert.

Grund der hitzigen Diskussion ist eine E-Mail an die Gemeindevorstandsmitglieder in der Bürgermeister Schäfer darüber informiert hatte, dass es sinnvoll sei, das Standesamt im „Jeegels Hoob“ in Hartenrod zu belassen, aber es nur noch gelegentlich, hauptsächlich bei Trauungen zu besetzen.

Bisher war das Amt an Werktagen vier Stunden durch Verwaltungsangestellte besetzt. Der Bürgermeister führte weiter aus, dass ein Gemeindevertreterbeschluss vor Jahren gefasst worden sei, das Standesamt in das Dorfzentrum „Jeegels Hoob“ zu integrieren. Über diesen Beschluss wolle und könne er sich nicht hinwegsetzen.

Da er aber für das Personalwesen der Verwaltung zuständig sei, obliege es ihm, zu entscheiden, wie und zu welchen Zeitpunkten das Standesamt besetzt werde. Da dort die technischen Voraussetzungen fehlen würden, könnten keine Personalausweise mehr vor Ort erstellt werden. Auch seien die bisherigen Arbeitsplätze der Standesbeamtinnen dort nur mehr schlecht als recht ausgelastet gewesen. Durchschnittlich seien dort täglich lediglich drei Beurkundungen erfolgt. Der Nutzen für die Hartenroder Bürger sei also überschaubar, denn das Standesamt werde im Leben eines Bürgers nur drei- bis viermal benötigt.

Während der Gemeindevertreter-Sitzung am Montagabend stellte Schäfer bereits klar, dass es keinen Sinn macht, eine Doppelstruktur aufrechtzuerhalten. Vielfach beschränke sich die Aufgabe der Standesbeamtinnen darauf, Windelsäcke und Müllkarten auszugeben. „Das ist kein Bürgerservice“, stellte Schäfer klar. Er will durch die Veränderung der Verwaltungsstruktur weitere Aufgaben an die Standesbeamtinnen delegieren. „Unterm Strich macht die vorhandene Struktur keinen Sinn mehr“, sagte Schäfer am Montagabend.

Gleichwohl biete der „Jeegels Hoob“ die einzige räumliche Möglichkeit in der Großgemeinde, in der ein Standesamt vorhanden sei und gleichzeitig eine Hochzeitsfeier stattfinden könne. Dies sollte man auch belassen. Weiter führte Schäfer aus, dass es in der Großgemeinde keine Verwaltungsaußenstelle mehr in den Ortsteile gebe, außer dem Standesamt in Hartenrod.

Hermann Bamberger, Vorsitzender des Kultur- und Fördervereins „Jeegels Hoob“, der der Sitzung als Zuhörer beiwohnte ergriff das Wort und vertrat die Meinung, dass eine dauerhafte Anlaufstelle in „Jeegels Hoob“ für die Ortsteile Hartenrod und Schlierbach dringend notwendig und die Empörung unter der Bürgerschaft groß sei, wenn sich daran etwas verändere.

Bamberger hatte bereits vor der Sitzung des Gremiums für den Fall des Abzugs der Standesbeamtin Konsequenzen angekündigt. Der Förderverein, der sich engagiert einbringt und das Dorfzentrum mit zahlreichen Veranstaltungen mit Leben füllt und der gleichzeitig die Verpflichtungen rund um den „Jeegels Hoob“ nicht vernachlässigt, denkt darüber nach, seinen Einsatz zurückzufahren (die OP berichtete).

Nach intensiven und emotional geführten Diskussionen, an denen sich auch Zuhörer beteiligten, beschloss der Ortsbeirat einstimmig, eine schriftliche Bitte an den Bürgermeister zu richten, die Personalsituation des Standesamtes in Hartenrod nochmals zu überdenken und möglichst dort einen Ansprechpartner der Verwaltung zu belassen.

Am Montag, 19. November, ist ein Gesprächstermin mit dem Vorstand des Kultur- und Fördervereins „Jeegels Hoob“ und Bürgermeister Schäfer geplant.

von Klaus Peter und Silke Pfeifer-Sternke

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