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Hinterland Erneut Rummel um den Rummelplatz
Landkreis Hinterland Erneut Rummel um den Rummelplatz
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00:17 14.06.2018
Wieder gibt es Zoff um den Autoscooter-Betrieb in Gladenbach während des jährlichen Kirschenmarkts. Quelle: Archivbild
Gladenbach

Als Generalpächter Konrad Ruppert am gestrigen Sonntag auf dem Gladenbacher Marktplatz weilte, um wie jedes Jahr die Standplätze der Fahrgeschäfte für den Rummel des Kirschenmarkts 2018 auszumessen, war sein Betätigungsfeld etwas eingeschränkt. Den Platz, auf dem traditionell der Autoscooter platziert war, nahmen gestern die Stände des  Sponsorenlaufes ein. Das dürfte Ruppert allerdings nicht weiter gestört haben, ist der Standplatz doch seit Jahren derselbe, die Ausmaße ebenso lang bekannt.

Zudem fand Ende 2017 ein Probeaufbau statt, den neben dem Schwager des Generalpächters, Sascha Kalbfleisch aus Bad Wildungen, mit seinem 2-Säulen-Autoscooter auch der Schausteller Herbert Kreuser aus dem Gladenbacher Stadtteil Diedenshausen mit seinen 2- und 8-Säulen-Autoscootern wahrnahm. Drei weitere Bewerber sagten den Probeaufbau ab.  Diese Auflage der Stadt wurde in Schaustellerkreisen als einmalig bezeichnet und mit Verwunderung aufgenommenen.
Bürgermeister Peter Kremer begründete den Probeaufbau damit, die Stadt habe festgestellt, dass die Schausteller es bei den Angaben in den Bewerbungen nicht so genau nähmen, diese zu ihren Gunsten beschönigten.
Auch deshalb und wegen der gerichtlichen Entscheidungen verfeinerte die Stadt das Bewertungsverfahren kontinuierlich. In dem für 2018 unterlag Kreuser mit seinen beiden Autoscootern gegen den von Kalbfleisch jeweils mit 77:81 Punkten. Ausschlaggebend bei den 2-Säulen-Scootern waren die Punkte in den Sparten „Attraktivität/Gestaltung der Außenfassade“ und „Bewährt und bekannt“.

Anwalt: Ablehnung wegen persönlicher Animositäten

Nun greift Kreuser die Auswahlentscheidung der Stadt über seinen Rechtsanwalt Erich Hünlein an. Das Auswahlverfahren habe nur zum Ziel gehabt, Kreuser vom Kirschenmarkt, der am 28. Juni beginnt, auszuschließen, schreibt Hünlein in der Klageschrift. An seinen Mandanten würden höhere Anforderungen gestellt als gegenüber anderen Bewerbern und die Ablehnung beruhe allein auf sachfremden Gründen und persönlichen Animositäten. Konkret geht es wie im Widerspruch der Auswahlentscheidung auch um die Bewertung des Zustands der Fahrgeschäfte. Die Angaben Kalbfleischs bezeichnet Hünlein im Gespräch als „gnadenlos übertrieben“ und zum Teil auch als belegbar „nicht stimmend“, zum Beispiel hinsichtlich der Beleuchtung.

Auch dürfe es seinem Mandanten unter dem Punkt „Bewährt und bekannt“ nicht zum Nachteil gereichen, dass er den gerichtlich erfochtenen Standplatz für den Kirschenmarkt 2016 nicht nutzte. Damals baute Kreuser sein Fahrgeschäft nicht vor dem Nautilust auf, weil der dortige Parkplatz seiner Ansicht nach nichts mit dem Rummelgelände zu tun hat, während  dort der Autoscooter von Kalbfleisch stehen blieb.

Dass es immer nur um diesen einen Standplatz für den Autoscooter gehe, beweise auch der Probeaufbau, der sonst an dem Platz keinen Sinn ergebe. Auch stelle der Probeaufbau eine unzumutbare „Beschwernis“ für Schausteller aus entfernteren Regionen dar und sei deshalb unzulässig. Der Streitwert ist auf 25 000 Euro beziffert.

Auf Anfrage der OP erklärt Hauptamtsleiterin Bianka Möller-Balzer, dass die Stadt Gladenbach die vom Verwaltungsgericht gesetzte Frist einhält und in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund heute eine Stellungnahme sowie alle angeforderten Akten in Gießen einreichen wird.

von Gianfranco Fain