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Streifzüge durch Reinfried Pohls Leben

Rezension: Pohl-Biografie Streifzüge durch Reinfried Pohls Leben

In einer vom Manager Magazin erstellten Liste landet er auf Platz 33 der reichsten Deutschen: Reinfried Pohl ist „Der Doktor, der Kämpfer, der Sieger“: So zumindest bezeichnet ihn der Publizist Hugo Müller-Vogg in einer neuen Biografie.

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Marburg. Pohl polarisiert. Das wird auch in einem neuen Buch über den Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) deutlich. Das Werk, das Streifzüge aus der Lebensgeschichte des 85-jährigen Familienunternehmers aufzeigt, trägt den provokanten - weil mit verbalen Lorbeeren geschmückten - Titel: „Der Doktor, der Kämpfer, der Sieger“. Doktor ist Reinfried Pohl auf jeden Fall. Der Jurist promovierte in Marburg am Fachbereich Rechtswissenschaften - seiner Fakultät ist er bis heute als Mäzen verbunden geblieben. Reinfried Pohl ist auch ein Kämpfer - der 85-Jährige hat sich bis heute nicht in den Ruhestand verabschiedet.

Er setzte und setzt sich als Geschäftsmann, als politisch denkender Mensch, als Familienoberhaupt durch. Und er kämpft gegen seine Leiden - der modernen Medizin, seinen Ärzten am Marburger Uni-Klinikum ist er ebenfalls zutiefst verbunden. Über Pohl als den Sieger kann man streiten: Setzt man die Messlatte philosophisch oder ökonomisch an? Der Autor der Biografie, der ehemalige FAZ-Herausgeber und Kolumnist der BILD, Hugo Müller-Vogg, setzt erwartungsgemäß einen Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte von Pohl. Wie bereits in seinem Pohl-Buch „Ich habe Finanzgeschichte geschrieben“ beschreibt der Autor die Unternehmensphilosophie des DVAG-Gründers. Wer in der Biografie auch nach Schwächen oder Schattenseiten des Unternehmers sucht, wird keinen Erfolg haben: Müller-Vogg versteht es, jede Eigenschaft, jeden Schritt als positives Merkmal darzustellen.

Ein Beispiel: Die Tatsache, dass Pohls Reden in ihrer Grundstruktur alle gleich sind, sei Strategie - eine erfolgreiche natürlich. Müller-Vogg greift in seinem Kapitel über Pohl als Mäzen auch das Thema Spenden auf. Der OP-Leser wird nichts Neues darin finden: Die Vier-Millionen-Euro-Spende an die Stadt Marburg, verbunden mit dem Wunsch einen Schrägaufzug zum Schloss zu bauen, machte die Oberhessische Presse erstmals öffentlich.

„grüne Fundamentalisten“

Dass Pohls Großspende zu einem politischen Streit in Marburg führte, kommentiert der Biograf mit folgenden Worten: „Ein anderer Mäzen hätte die Stadt vielleicht aufgefordert, das Geld einfach zurückzugeben. Reinfried Pohl will sich von grünen Fundamentalisten und der in Marburg DKP-lastigen Linkspartei nicht vorschreiben lassen, ob er mit seinem eigenen Geld der Stadt etwas Gutes tut oder nicht.“ Er sei damit einverstanden, dass zunächst ein Viertel der Spende für wohltätige Zwecke verwendet werde. „Die Stadtverwaltung bemäntelt dieses kommunalpolitische Possen- und Trauerspiel mit dem Hinweis auf ‚rechtliche Hindernisse‘ im Haushaltsrecht.“ Im OP-Interview hatte Pohl selbst erklärt, dass ihn der Umgang mit seiner Spende gekränkt hatte - auch dies zitiert der Biograf.

Pohl ist nicht nur Mäzen, sondern auch Sponsor: So auch von Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher. Die beiden sind längst Duz-Freunde, treffen sich regelmäßig. „Die Zeit vergeht, die Freundschaft bleibt“, schrieb Schumi dem väterlichen Freund auf einem Foto, auf dem beide je eine Zigarre halten. Das Bild ist eine der Abbildungen im Buch, aber auch im DVAG-Museum (im Congresszentrum) in Marburg zu sehen.

Die Familie Pohl möchte den Unfall ihres Freundes nicht öffentlich kommentieren - auch das ist eine Eigenschaft, die der Biograf für typisch Pohl erklärt. So sehr Reinfried Pohl vor Selbstbewusstsein strotzt, Persönliches hält er aus dem Rampenlicht heraus. Er gilt eher als medienscheu, Interviews gibt er nur selten. Von daher ist die Biografie für diejenigen von Interesse, die „aus erster Hand“ mehr über die Persönlichkeit und bewegende Vergangenheit des Marburgers erfahren wollen.

„Reinfried Pohl - Der Doktor, der Kämpfer, der Sieger“, Biografie von Hugo Müller-Vogg, Hoffmann und Campe, 291 Seirten, 18 Euro.

von Anna Ntemiris

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