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Steine sind aus "Marburger Rücken"

Grenzgang Biedenkopf Steine sind aus "Marburger Rücken"

Diplomgeologin Dr. Christiane David nahm die historischen Biedenkopfer Grenzsteine aus dem Jahre 1777 unter die "geologische Lupe".

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Dr. Christiane David zeigte, assistiert von Hans-Georg Wagner, auf einer geologischen Karte von Preußen die Vorkommen der Sandsteine im Marburger Land. Herausgeber der Karte war die Königlich-Preußische Geologische Landesanstalt.Foto: Klaus Peter

Biedenkopf . Auf Einladung des Grenzgangsvereins Biedenkopf referrierte Diplomgeologin Dr. Christiane David aus Marburg im Hütter Treff zehn Tage vor dem Beginn des Grenzgangs über die Herkunft von sechs historischen Biedenkopfer Grenzsteinen aus dem Jahre 1777.

Wie Karl Heinz Schneider von Grenzgangsverein der OP berichtete, habe der Orkan „Kyrill“ auch sechs historische Grenzsteine aus dem Jahre 1777 erheblich beschädigt. Um die Herkunft der Grenzsteine festzustellen, habe man David Bruchstücke der Steine zugeschickt.

Hans-Georg Wagner vom Grenzgangsverein berichtete, dass erste Kontakte zu David bereits 2008 geknüpft worden seien. Ziel sei es gewesen, bis zum Grenzgang 2012 die Herkunft der Steine feststellen zu lassen.

Unter dem Motto „Die Biedenkopfer Grenzsteine - Herkunft der Sandsteine“ berichtete die Geologin dass in den Jahren 1777 bis 1780 insgesamt 275 Grenzsteine für die Absteinung der Gemarkungsgrenze von Biedenkopf benötigt wurden. Dabei seien verschiedene Kriterien an die Anforderungen des Gesteins gestellt worden. Dieses sollte verwitterungsbeständig und frei von Rissen und Spalten sein, um eine jahrelange Haltbarkeit zu gewährleisten. Des Weiteren musste sich das Gestein gut zu Quadern behauen lassen und steinmetztechnisch zu bearbeiten sein. Auch sollte das Vorkommen dieser Steine möglichst nahe der Stadt Biedenkopf liegen, um einen aufwändigen Transport zu vermeiden. Aus einer Karte aus dem Jahre 1825 geht hervor, dass bereits damals in mehreren Steinbrüchen im Marburger Land der sogenannte „Marburger Bausandstein“ abgebaut wurde, der über 95 Prozent Quarzanteile enthält.

David erläuterte die Zusammenfassung der petrografischen Untersuchung, aus der hervorging, dass es sich bei vier der sechs Sandsteinproben um eine Detfurth-Formation handelt. Es seien sehr gut gerundete Sandkörner (Mittel- bis Grobsandfraktion) in sehr guter Sortierung, wobei die Zementation nur schwach entwickelt sei. Die zwei übrigen Sandsteinproben stammen aus der Hardegsen-Formation. Diese bestehen ebenfalls aus sehr gut gerundeten Sandkörnern (Fein- bis Mittelsandfraktion), mäßig sortiert und sehr gut zementiert.

Diese beiden Sandstein-Varietäten seien am nördlichen Marburger Rücken abgebaut worden. Die Detfurth-Sandsteine stammten mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Steinbruch am „Weißen Stein“ oder aus dem heute verfüllten Steinbruch an der Trinitatiskirche in Wehrda. Die Sandsteine der Hardegsen-Formation, so Dr. David, wurden in den großen Steinbrüchen am „Gebrannten Berg“ zwischen Marburg und Wehrda gebrochen. Der Sandstein für die neu gesetzten Grenzsteine stamme vom „Weimarschen Kopf“ bei Niederweimar.

Steinmetz Thomas Blöcher vertrat die Auffassung, dass diese Grenzsteine vor annähernd 250 Jahren nicht von Steinmetzen, sondern vermutlich von Bauern bearbeitet worden seien. Zu dem damaligen Zeitpunkt hätte es nach seinem Wissen noch keine Steinmetze im Großraum Marburg gegeben. Im Übrigen seien Grenzsteine auch für Steinmetze nicht sehr interessant gewesen. Vom Holzschnitzen zum Steinmeißeln sei der Weg relativ kurz und diese Arbeiten seien unter Aufsicht vermutlich durch Bauern ausgeführt worden.

von Klaus Peter

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