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Steine der Kirche zeugen von Geschichte

Bottenhorn Steine der Kirche zeugen von Geschichte

Das Phänomen „Redender Steine“ nahmen rund 200 Besucher des Geschichtlichen Abends in der Bottenhorner Kirche wahr. Das geschichtsträchtige Gebäude steht seit 125 Jahren an Ort und Stelle.

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Seit 125 Jahren ragt die Kirche als Wahrzeichen über Bottenhorn. Anlässlich des Jubiläums berichteten Dekan a.D. Dieter Schwarz und seine Ehefrau Helma als „Redende Steine“ von der Kirchengeschichte.

Quelle: Helga Peter

Bottenhorn. „Wenn diese Steine reden könnten, was würden sie erzählen“, stellte Erich Filippi vom Kirchenvorstand in den Raum und erinnerte dabei gleichzeitig an die Vorfahren, die sich mit ihrer Leistung und Opferbereitschaft für den Bau und Erhalt der Kirche eingesetzt haben. Und plötzlich konnten die Steine reden: Der ehemalige Bottenhorner Pfarrer und spätere Dekan Dieter Schwarz und dessen Gattin Helma berichteten als „Lebendige Steine“ von der Geschichte der Kirche im Wandel der Zeit.

In einem Zwiegespräch berichteten Schwarz (Stein F 13) und seine Frau Helma (Stein G 13) über die Historie des Bottenhorner Gotteshauses. Als Zeitzeuge trat Pfarrer i.R. Siegfried Preis auf, der von den Erlebnissen eines Pfarrersohnes im Dritten Reich berichtete. Einen tiefen Einblick in die 125-jährige Geschichte der Bottenhorner Kirche erhielten die rund 200 Besucher anhand einer Powerpoint-Präsentation.

Die Bauzeit der Kirche aus im Jahre 1885 gebrochenen Steinen des Rachelshäuser Steinbruchs betrug drei Jahre. Das Gotteshaus mit seinen Grünsteinwänden und roten Sandsteinsimsen ragt über den Ort hinaus, und sechs Generationen sind darin ein- und ausgegangen. Als erstes Paar ließen sich dort Adam und Katharina Pitzer (Schneappe) trauen, deren Ururenkelin Pauline Lang am Geschichtlichen Abend mitwirke.

Die alte Bottenhorner Kirche, gelegen im Unterdorf in der Nähe der Alten Schule, ist am 26. September 1886 baupolizeilich geschlossen worden. Pläne zu einem Kirchenneubau existierten bereits 1872. 1873 hat das Königliche Konsistorium in Wiesbaden einer Erhebung einer Hauskollekte im gesamten Regierungsbezirk mit Ausnahme der Stadt Frankfurt zugestimmt.

Einen Beschluss über den Kirchenbau hat der Kirchen- und Ortsvorstand am 15. Januar 1884 gefasst. Die ersten Gewerke sind noch im Dezember des gleichen Jahres vergeben worden. Im März 1885 erfolgte die Aushebung sowie das Verfüllen der beachtlichen drei Meter tiefen Fundamente, und am 31. Mai 1885 (Trinitatis) die Grundsteinlegung unter Mitwirkung des Männergesangvereins 1884, bei der eine Pergamenturkunde in einer verlöteten Kupferkapsel beigegeben wurde.

Den Bau der Kirche begleitete der damalige Bottenhorner Pfarrer Georg Bernhard Engel. Darüber, wer sich damals an dem Baukalk bereicherte habe, mit dem gut und gerne zwei Kirchen hätten gebaut werden können, wollten die beiden „Bausteine“ nichts verraten.

1886 sind von Glasmaler Schulz (Marburg) fünf Chor- und zehn Seitenfenster angefertigt worden. Danach verzögerten sich die Bauarbeiten durch den säumigen Bauinspektor. Am 23. Oktober 1887 fand der Tag der Einweihung bei „schönstem Herbstwetter“ statt. 3000 Menschen sind gekommen, die haben nicht alle einen Platz in der Kirche gefunden. Aus Kostengründen wurde auf neue Glocken und eine Orgel verzichtet, statt der Orgel gab es ein Harmonium, das von einem Frauenverein aus Rödelheim stammte. Fortlaufende Sanierungen und Anschaffungen, wie Heizung und Orgel, sind in den Folgejahrzehnten vorgenommen worden. Eine große Sanierung hat 1977/78 insgesamt 146000 DM gekostet.

Pfarrerin Birgit Knöbelde Felice stellte mit sieben Vorkonfirmanden Interessantes zum Innenraum der Kirche aus der 125-jährigen Geschichte vor. Die Kirche hat 1919 ein Stahlglockengeläut erhalten. In ihr haben zwölf Pfarrer gewirkt, 2654 Kinder sind dort getauft und 1947 Menschen beerdigt worden. Über das 60-jährige Wirken des Bottenhorner Organisten Ernst Koch berichteten Tochter Margarethe Lang und Urenkelin Pauline Lang aus dessen Aufzeichnungen.

Pfarrer i.R. Siegfried Preis ging in sehr lebendiger Form seinen Erinnerungen als Pfarrerssohn in Bottenhorn nach, wo er 1929 geboren wurde und freute sich darüber, dass die Kirche als Bottenhorner Wahrzeichen alle Kriegsgeschehnisse unbeschadet überstanden habe. Er erinnerte sich an die Zeit des Dritten Reiches, in der sein Vater als Pfarrer Ariernachweise für Gemeindeglieder erstellen musste. Auch hat es im Pfarrhaus eine Hausdurchsuchung gegeben im Zusammenhang mit der Unterstützung der Bekennenden Kirche.

von Helga Peter

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