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Hinterland Stadt will keine falschen Signale setzen
Landkreis Hinterland Stadt will keine falschen Signale setzen
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06:16 01.04.2012
In Bauerbach bei Tagesmutter Jeanette Heide spielen Anna und Heidi mit der Holzeisenbahn. Auch in Gladenbach wird ein Teil des Betreuungsbedarfs mit Tagesmüttern gedeckt. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
Gladenbach

Etwas verwundert hat womöglich der eine oder andere Stadtverordnete auf die Tagesordnung der jüngsten Parlamentssitzung geblickt, denn dort gab’s eine Vorlage, die vorsah, etwas nicht zu tun. Die Stadtverordnetenversammlung stimmt dem Neubau an der evangelischen Kindertagesstätte Regenbogen zwecks Einrichtung einer U-3-Krippengruppe nicht zu, hieß es in der Magistratsvorlage sinngemäß.

Auslöser für die Initiative des Magistrats war der Grundsatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung vom Januar 2011: Mithilfe baulicher Veränderungen und Erweiterungen am katholischen Kindergarten in Gladenbach, sowie den evangelischen Kindergärten in Mornshausen und in der Kernstadt sollte der gesetzlichen Vorgabe Genüge getan werden: Bis 2013 sollen für durchschnittlich 35 Prozent der unter dreijährigen Kinder Betreuungsplätze zur Verfügung stehen.

Der Anbau am katholischen Kindergarten wurde als erstes auf den Weg gebracht. Die Arbeiten werden in diesem Jahr abgeschlossen. Ortstermine der Stadtpolitiker brachten zutage, was aus Mornshausen schon seit Jahren signalisiert wurde. In dem Hort gibt es nicht nur Anfragen zur U-3-Kinderbetreuung, das Gebäude ist auch sanierungsbedürftig, die Einrichtung entspricht nicht den Standards einer modernen Kindertagesstätte. Also beschloss das Parlament in der vergangenen Woche die Sanierung und Modernisierung des Kindergartens - auch mit dem Ziel, eine altersgemischte Gruppe in eine U-3-Krippengruppe umzuwandeln. Möglich macht dies eine aktuell deutlich günstigere Kostenkalkulation als die vor einem Jahr. Gleichwohl steht die Investition in den Mornshäuser Hort noch auf tönernen Füßen. Denn der Beschluss wird nur wirksam, wenn die Kosten nach der Ausschreibung nicht höher liegen als im vorläufigen Finanzierungsplan kalkuliert. Ansonsten muss neu beraten und beschlossen werden. Zum Beschluss, nicht in die bauliche Erweiterung des evangelischen Kindergartens zu investieren, kam es nicht. Bereits im Bau- und Planungsausschuss und dann auch im Parlament zog Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim die Magistratsvorlage zurück.

Das hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Petri bereits im Fachausschuss empfohlen. Es sei nicht förderlich für den Zuzug junger Familien, wenn man signalisiere, in der Kernstadt keine U-3-Krippenplatze mehr zu schaffen und dass die Krippen-Kinder bis nach Runzhausen gebracht werden müssen, sagte er und erinnerte daran, dass am Blankenstein ein neues Baugebiet erschlossen werden soll.

Die Entwicklung im ehemals kommunalen Runzhäuser Hort, der unter Trägerschaft des Kinderzentrums Weißer Stein steht, macht es möglich, dass die Stadt die im Grundsatzbeschluss fixierte Absicht eines Anbaus an die evangelische Kindertagesstätte in Gladenbach auf Eis legen kann: In Runzhausen werden in diesem Jahr die räumlichen Voraussetzungen für weitere zehn Krippen-Plätze geschaffen. Die Stadt hat dort keinerlei Investitionskosten. Die evangelische Kirchengemeinde Gladenbach hatte im Juni vergangenen Jahres beantragt, mit einem Neubau die Grundlage für zehn weitere Krippenplätze zu schaffen. Auslöser dafür waren entsprechende Anfragen von Eltern und eine lange Warteliste. Für den Hort in der Wilhelmstraße gab’s in der jüngsten Parlamentssitzung dennoch eine gute Nachricht: Der Magistrat hat der Einrichtung einer zweiten Nachmittagsgruppe und der Erhöhung des Sollstellenplans zugestimmt. Wirksam wird dies zum neuen Kindergartenjahr. Die zusätzliche befristete Stelle ist mit 12,5 Wochenstunden fixiert. Die Stadt trägt 85 Prozent der zusätzlichen Kosten.

Um den Stadtverordneten die jüngsten Entscheidungen zu erleichtern wurde ihnen der aktualisierte Kinderkrippen-Bedarfsplan der Stadt sowie die Kindergartenprognose vorgelegt. Im Bedarfsplan heißt es unter anderem, dass der Versorgungsrad an U-3-Plätzen im August nächsten Jahres bei 42 Prozent liegen würde, wenn man auch den Neubau am evangelischen Hort in der Kernstadt realisieren würde.

Überkapazitäten, wie es sie bereits in einigen Kommunen gebe, könne sich die Stadt nicht leisten, hatte Bürgermeister Knierim bereits im Bauausschuss gewarnt. Mit all den laufenden und geplanten Um- und Anbauten läge man im nächsten Jahr bei einem Versorgungsgrad von 33,8 Prozent, 35 Prozent sind gefordert.

Diese kleine Versorgunglücke könnte durch die geplante Erhöhung der Tagespflege-Plätze seitens des Landkreises geschlossen werden. Zurzeit gibt es in Gladenbach 47 Krippen-Plätze, zum Kindergartenjahr 2013/2014 sollen 65 Plätze zur Verfügung stehen. Laut Kindergartenprognose wird es zum 1. August 2013 in der Stadt 191 U-3-Kinder geben, im August vergangenen Jahres waren es noch 205. Die Zahl der U-3-Kinder ist demzufolge genauso rückläufig wie die Zahl der Kinder ab dem dritten Lebensjahr.

von Hartmut Berge