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Hinterland Stadt soll Samstags-Busfahrt schenken
Landkreis Hinterland Stadt soll Samstags-Busfahrt schenken
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00:18 31.05.2015
Jan-Bernd Röllmann (Mitte) moderierte die Debatte mit Jan Schalauske (von links, Die Linke), Dirk Bamberger (CDU), Dr. Thomas Spies (SPD) und Dr. Elke Neuwohner (Grüne). Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

„Radikale Konzepte sind nicht per se unrealistisch“, sagte Jan Schalauske vor rund 60 geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik, die zur Wahl-Diskussion des Arbeitskreises für Kommunal- und Wirtschaftsfragen (AfK) in den Pharmaserv-Hörsaal am Behring-Standort gekommen waren. Der OB-Kandidat der Linken hatte zuvor erklärt, dass ihm bewusst sei, dass diese Veranstaltung für ihn ein Auswärtsspiel sei.

Auch wenn Schalauske mit seiner Forderung nach mehr Abgaben für Unternehmen keinen Beifall erhielt und die zum Teil unterschiedlichen Positionen nicht neu waren, erklärten Zuhörer beim anschließenden Umtrunk, dass sie die sachlich geführte Debatte und das persönliche Kennenlernen ausgesprochen interessant fanden. Jan-Bernd Röllmann, der als ehrenamtliches AfK-Vorstandsmitglied moderierte, ist hauptamtlich Stadtmarketing-Beauftragter der Stadt Marburg. Die Themen Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung und Gewerbe berührten mehrere Fragen, die er den vier Kandidaten stellte – der Parteilose Rainer Wiegand und Marius Beckmann (Die Partei) waren nicht eingeladen.

Elke Neuwohner (Grüne) erklärte, dass sie in Vorbereitung auf die Podiumsdiskussion ein wenig „gegoogelt“ habe und dann beim Stichwort Wirtschaftsförderung die Angaben der Stadt Marburg mit denen der Stadt Tübingens verglichen habe – die Stadt Tübingen ziehe sie im Übrigen immer als Vergleich heran, da dort mit Boris Palmer ein Grünen-OB regiert. Tübingen habe ein besseres Internetangebot, weil es ratsuchenden Gewerbetreibenden ein niedrigschwelligeren Zugang biete, sagte Neuwohner. „Die neue Webseite ist auf dem Weg“, sagte Röllmann und sprach an dieser Stelle für die Stadt Marburg.

CDU-Kandidat Dirk Bamberger erklärte ebenfalls, dass die städtische Wirtschaftsförderung als Anlauf- und Schnittstelle für Unternehmen verbessert beziehungsweise ausgebaut werden müsse. „Ob für die Gemüsefrau auf dem Wochenmarkt oder einen großen Pharmakonzern sollte es einen Ansprechpartner in der Verwaltung und nicht unterschiedliche Ansprechpartner geben“, so Bamberger. Spies betonte, dass die Stadt Marburg mit SPD-Mann Egon Vaupel an der Spitze bisher eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik betrieben habe. An Vaupels Politik werde er anknüpfen und auch die „vernünftige Kooperation“ mit anderen hessischen Städten wie etwa Gießen suchen, um die Region zu stärken.

Stadtmarketing: Auch Handel soll zahlen

Spies wies darauf hin, dass die öffentliche Hand das Stadtmarketing bereits mit hohen Mitteln unterstütze. Er fordere „alle“ auf, sich zu beteiligen. „Alle“ wären auch die Vertreter des Einzelhandels und der Wirtschaft. Auch Vaupel hat bisher stets darauf hingewiesen, dass bei der finanziellen Förderung auch verstärkt der Handel gefragt sei. Jan Schalauske erläuterte seine grundsätzliche Haltung: Wer die Wirtschaft in und einer Stadt fördern wolle, müsse zunächst Menschen „aus der Armut holen“. Denn nur wer Geld habe, könne es in der Region ausgeben.

Ein weiterer Vorschlag, um mehr Menschen und auch einkaufsfreudige Kunden in die Stadt zu ziehen, sei den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und ihn wenigstens an Freitagen und samstags kostenfrei anzubieten. So würde Marburg auch mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Noch vor einiger Zeit forderten die Linken, das Busfahren grundsätzlich kostenfrei anzubieten, so präsentierte Schalauske nun eine neue Idee. Der Wochenend-Vorschlag stieß bei Gewerbetreibenden auf Interesse, wie beim anschließenden Imbiss-Plausch zu hören war. Schon allein, wenn Marburg dadurch mehr Aufmerksamkeit erhalten würde, wäre das ein Gewinn, so ein Unternehmer.

Christian Großmann, Vorsitzender des „Werbekreises Nord“, erklärte am Donnerstag auf Anfrage der OP: „Das ist im ersten Moment ein sympathischer Vorschlag. Ich kann nicht beurteilen, ob das ein realistischer Gedanke ist. Aber man sollte den Vorschlag prüfen. Man könnte zwei bis drei Mal im Jahr dies umsetzen und dann schauen, ob und wie es sich finanzieren lässt.“ Er werde als Mitglied des Stadtmarketing-Vereins eine Prüfung vorschlagen.

von Anna Ntemiris