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Hinterland Anhaltspunkte für politische Motive
Landkreis Hinterland Anhaltspunkte für politische Motive
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19:42 03.04.2017
Polizei und Staatsanwaltschaft sind keine Sachbeschädigungen oder Übergriffe im Umfeld der AfD-Veranstaltung vom vergangenen Freitag in Gladenbach bekannt. Quelle: Nadine Weigel
Biedenkopf

In der Nacht von Freitag auf Samstag warfen Unbekannte in Biedenkopf mit Farbe gefüllte Flaschen auf ­eine Hausfassade. „Dabei sind mehrere Scheiben zu Bruch gegangen und die Fassade wurde ­beschmiert“, berichtet Nicolai Wolf, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Marburg. Im Haus lebt ein AfD-Funktionär.

In ­unmittelbarer Nachbarschaft zu dessen Haus sei außerdem ein Trafogebäude mit dem Schriftzug „AfD angreifen“ versehen worden. Dieser Schriftzug und der Tatzeitpunkt nach der Veranstaltung der AfD in Gladenbach könnten Anhaltspunkte für eine politisch motivierte Straftat sein, sagt Wolf. Deshalb ermittele das Kommissariat Staatsschutz der Kriminalpolizei Marburg. In Angelburg wurde in der gleichen Nacht mehrere Scheiben am Auto eines weiteren AfD-Funktionärs eingeschlagen.

Dittmann löscht Kommentar

Auf der Facebook-Seite des AfD-Kreisverbands Marburg-Biedenkopf behauptete Katrin Dittmann, es seien „mindestens noch weitere drei Autos in Gladenbach kaputt geschlagen“ worden. Darüber hat die Staatsanwaltschaft keine Erkenntnisse, sagte Wolf. Auch der Polizei liegen keine Anzeigen zu Sachbeschädigungen in Gladenbach im Umfeld der Wahlkampfveranstaltung am Freitag vor, sagte Polizeipressesprecher Jürgen Schlick.

Dittmann, die für die AfD im Kreistag sitzt, habe die Informationen für ihren Kommentar wiederum aus einem Nutzer-Kommentar auf der Facebook-Seite der Oberhessischen Presse bezogen. Diesen hat die OP, nachdem sich herausstellte, dass es sich dabei um ­eine Falschmeldung des Nutzers handelte, umgehend gelöscht.

Dittmann sei nicht von einer Falschmeldung ausgegangen. Diese Erkenntnis mache darauf aufmerksam, dass man vorsichtig mit solchen Quellen sein müsse, sah Dittmann ein. „Manchmal trifft man da ­falsche Entscheidungen“, sagte sie. Sie denke darüber nach, den Kommentar zu löschen. Kurz nach dem Telefonat mit der OP war der Kommentar entfernt.

Die Landrätin, der Erste Kreisbeigeordnete und der Kreistagsvorsitzende fordern indes Respekt im Umgang mit politisch Andersdenkenden. „Keine politische Überzeugung rechtfertigt es, Gewalt gegen andere anzuwenden“, heißt es in einer Pressemitteilung dazu.

von Philipp Lauer