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Spurensuche im Zeichen der Glocke

Gottesdienst in Hartenrod Spurensuche im Zeichen der Glocke

Die evangelische Kirchengemeinde Hartenrod feierte am 2. Adventssonntag während des Gottesdienstes die Weihe ihrer kleinen bronzenen Glocke vor 60 Jahren.

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Ellen Bamberger berichtet während eines Gottesdienstes, wie die kleine Bronzeglocke aus Kloxin im heutigen Polen ihren Weg nach Hartenrod fand.

Quelle: Adrianna Michel

Hartenrod. „Manchmal, in den Nächten, wenn die Kraniche nach Norden auf ihre Rastplätze im Oderbruch ziehen, dann schicke ich meine Gedanken mit ihnen auf die Reise. Dort oben in den Weiten Pommerns, in der fruchtbaren Region Weizacker, liegt meine Heimat: Kloxin im Landkreis Pyritz, nahe des Plöne-Sees, südlich von Stettin, das heute zu Polen gehört“, mit diesen Worten erzählte Ellen Bamberger die Geschichte der Hartenroder Glocke, die vor 60 Jahren als „Leihglocke“ in die evangelische Kirche in Hartenrod kam.

Ellen Bamberger, die mit ihrem Sohn Gerald, das Schicksal der 268-Kilogramm schweren Glocke recherchierte, nahm die Sicht der Glocke während ihrer bewegenden Erinnerungen ein. Auf diese Weise erfuhren die Hartenroder Gemeindemitglieder viel Neues über die kleinste ihrer drei Glocken.

Die „Glockenbeauftragte“ berichtete auf sehr ergreifende und poetische Weise, unter anderem wie die Kirchengemeinde am 2. Adventssonntag im Jahr 1951 ihre neue Glocke aus dem heutigen Polen mit einem großen Festgottesdienst feierte. Nach 470 Jahren hatte die aus Kloxin stammende Glocke in Hartenrod eine neue Heimat gefunden. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden, die ihre während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmten Glocken nach Kriegsende zurückbekamen, blieb die Hartenroder Glocke verschollen, sodass der Kirchenvorstand sich um Ersatz kümmerte.

„Wir freuen uns über unsere Glocke, die eine vielfältige Sprache spricht. Sie ruft nicht nur zum Gebet, sondern teilt uns auch mit, wenn jemand verstorben ist“, sagte Pfarrer Karlhans Nüßlein in seiner Predigt.

Während der Zeremonie sahen die Gläubigen unter anderem Bilder der Kirche in Kloxin. Im Zuge der Recherchen kam ein guter Kontakt zum Pfarrer der Kloxiner Kirchengemeinde zustande. Pfarrer Nüßlein stellte eine Tasche mit Buchpräsenten zusammen, die dem polnischen Pfarrer über die Kontaktperson weitergeleitet werden sollen.

Da der Hartenroder Pfarrer sich eine ökumenische Partnerschaft zwischen den Gemeinden gut vorstellen kann, sprach er eine Einladung an die Polen aus.

Ein Höhepunkt war, als die kleine Glocke für einige Minuten ihren vollen Klang präsentierte. Damit die Gemeindemitglieder diesen besonderen Gottesdienst in Erinnerung behalten, konnten sie ein kleines Metallglöckchen mitnehmen.

von Adrianna Michel

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