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Hinterland Spielhallen-Räuber muss 4 Jahre und 6 Monate hinter Gitter
Landkreis Hinterland Spielhallen-Räuber muss 4 Jahre und 6 Monate hinter Gitter
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22:41 22.02.2013
Vor der 1. Großen Strafkammer wurde am Freitag ein 37-jähriger Hinterländer in einem Indizienprozess zu vier Jahren und sechs ­Monaten Haft verurteilt. Quelle: Archivfoto
Marburg

Wegen eines Überfalls auf eine Spielhalle in Dautphe verurteilte die 1. Große Strafkammer am Landgericht Marburg unter Vorsitz von Richter Dr. Carsten Paul einen 37-Jährigen. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Hinterländer am 14. Juli 2012 gegen 5 Uhr mit einer Waffe etwa 1000 Euro erbeutet hat. Das Urteil wurde am Freitag nach insgesamt drei Verhandlungstagen gegen 20.20 Uhr verkündet.

Zuvor hatte Verteidiger Dino Lang aufgrund der fortgeschrittenen Stunde beantragt, das Verfahren zu vertagen. Die Staatsanwältin Kathrin Ortmüller war aber der Auffassung, dass alle Prozessbeteiligten „die Zähne zusammenbeißen können“ und erläuterte in ihrem ­Plädoyer, warum sie den Angeklagten in dem Indizienprozess für den Täter hält. Sie glaubt nicht an den Zufall, dass der Angeklagte die Spielhalle verlassen hat und zwei Minuten später ein Unbekannter die Spielhalle überfiel.

Verteidiger Lang sah indes kein ausreichendes Indiz dafür, dass sein Mandant die Tat begangen hat. Er forderte Freispruch.

Dass der Angeklagte auch der Täter ist, davon war die Kammer nach den Aussagen der Zeugen und den Vorträgen von zwei Sachverständigen überzeugt. Als Hauptindiz für die Täterschaft spreche laut Dr. Paul die Tatsache, dass auf den Überwachungskameras zu sehen war, wie der Angeklagte die Spielhalle verließ und die Tür absichtlich nicht ins Schloss fallen ließ. Zwei Minuten später filmte die Überwachungskamera einen maskierten Mann, der mit vorgehaltener Waffe die Mitarbeiterin zur Herausgabe des Kasseninhalts aufforderte. Eine Sachverständige hielt es nach Sichtung des Videomaterials und von Fotos für wahrscheinlich, dass der Täter in Größe und Statur mit dem Angeklagten übereinstimmt.

Gegen den Angeklagten sprach auch sein langes Vorstrafenregister. Die kriminelle Laufbahn des 37-Jährigen begann 1997. Es folgten Verurteilungen wegen Diebstahls, Drogenmissbrauchs, Drogenhandels, Fahrens ohne Führerschein und Betrugs.

Eine sachverständige Psychiaterin bescheinigte dem Angeklagten die Abhängigkeit von Opiaten und „dissoziales Verhalten mit depressiver Symptomatik“. Sie beschrieb den Angeklagten als nicht therapiemotiviert, da er dazu neige, Vorkommnisse zu bagatellisieren und die Tendenz zeige, Dinge wegzulassen. Bis zum letzten Verhandlungstag schwieg der Angeklagte zur Tat. Vor der Urteilsverkündung hatte er das letzte Wort und sagte: „Die Tat war ich nicht.“

Richter Paul begründete die Haftstrafe auch damit, dass die Mitarbeiterin der Spielhalle durch den Überfall gravierend betroffen ist. Auch handele es sich nicht um einen minderschweren Fall.

Auch Ortmüller sah keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten. Aus ihrer Sicht dokumentieren die Überwachungsvideos ein geplantes und zielstrebiges Handeln des Täters.

Die Kammer ordnete die Fortdauer der Untersuchungshaft an, bis das Urteil rechtskräftig ist.

von Silke Pfeifer-Sternke

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