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Hinterland Spannender Rundgang durch den Hain
Landkreis Hinterland Spannender Rundgang durch den Hain
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18:47 30.10.2013
Gerold Körfer erläutert den Kindern die Abbildungen auf einer Lehrtafel.Fotos: Hartmut Berge
Gladenbach

Einen Menschenauflauf wie vor 50 Jahren bei der Einweihung von Gladenbachs erstem Waldlehrpfad gab es gestern Vormittag zwar nicht, gleichwohl war an der MGV Schutzhütte im Gladenbacher Hain ordentlich was los, als der neue Lehrpfad seiner Bestimmung übergeben wurde. Vertreter der Kreisverwaltung, des Vereins Lahn-Dill-Bergland, des Forstamtes Biedenkopf, der Stadt, von Kindergärten, Vereinen und Institutionen wohnten dem feierlichen Akt bei, den die Jagdhornbläsergruppe der Jägervereinigung Hinterland musikalisch begleitete.

2001 hatten die Jägervereinigung Hinterland, die Stadt Gladenbach und das damals noch existierende Forstamt Gladenbach einen neuen Lehrpfad aufgebaut. Fast alle Schautafeln wurden aber durch die Stürme „Kyrill“ (2007) und „Xynthia“ (2010) zerstört.

Bereits ein Jahr später schmiedete die Jägervereinigung Hinterland den Plan, den Waldlehrpfad neu zu errichten. Mit der Projektleitung wurde der zweite Vorsitzende Gerold Körfer beauftragt.

Der Vorsitzende der Jägervereinigung, Karl Leinbach, und Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim gingen gestern bei der Begrüßung auf das Projekt ein.

Im Juni 2011 fand gemeinsam mit dem Forstamt eine Bestandsaufnahme statt. Am Ende stand der Entschluss, die zerstörten Reste wegzuräumen und den Pfad neu aufzubauen. Hessen-Forst hatte seine Unterstützung angeboten, konnte sich aber finanziell nicht beteiligen. Gerold Körfer erstellte eine Projektbeschreibung und eine Kostenübersicht. Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf unterstützte das Projekt mit 1500 Euro, die Volksbank mit 200 Euro. Im vergangenen Jahr holte man den Verein Naturpark Lahn-Dill-Bergland mit ins Boot.

So entstand der Entschluss, über die Kur- und Freizeitgesellschaft Gladenbach (KFG) EU-Fördermittel zu beantragen. Der Projektleiter holte Angebote für Lehrtafeln und Trägergerüste ein und übergab sie an die KFG. Es folgte eine grafische Darstellung des Waldlehrpfades, die Körfer mit dem Vorstand der Jägervereinigung abstimmte.

So konnte die KFG vor einem Jahr den Antrag stellen, der positiv beschieden wurde: 3197 Euro flossen an EU-Mitteln in der Projekt.

Alleine die Lehrtafeln, die teilweise größer dimensioniert sind als die Vorgängertafeln, kosten 3379 Euro, dafür wird der EU-Zuschuss verwendet, die KFG ist mit rund 182 Euro an Eigenbeteiligung mit im Boot. Die Trägerelemente aus Edelstahl wurden von einem heimischen Hersteller bezogen, sie kosteten 2962 Euro. Zu deren Finanzierung wurden die Zuwendungen der Sparkasse und Volksbank verwendet, die übrigen rund 1262 Euro brachte die Jägervereinigung auf.

Informationen über die Tier- und Pflanzenwelt

Im September legte Gerold Körfer gemeinsam mit Harald Hofmann vom Forstamt Biedenkopf und dem zuständigen Revierleiter Martin Koch die Standorte für die 22 Stationen fest. Auf dem rund 1,4 Kilometer langen Pfad werden die Naturfreunde unter anderem über heimische Baumarten, Pflanzen und Tiere informiert.

Karl Leinbach brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sich der Lehrpfad in Projekte von Kindergärten und in manchen Biologieunterricht einbauen lässt. Um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, habe sich die Jägervereinigung verpflichtet, den Pfad sieben Jahre lang zu betreuen. „Schulklassen und Kindergärten und andere Gruppen sind herzlich zu Führungen eingeladen“, kündigt Karl Leinbach an. Bürgermeister Knierim hob unter anderem die Bedeutung des Lehrpfades für den Tourismus hervor. Alleine das Verdi-Bildungszentrum habe jährlich bis zu 35000 Übernachtungsgäste. Selbst mancher Erwachsene könne über der Lehrtafeln das eine oder andere für ihn Neue über die heimische Pflanzen- und Tierwelt erfahren.

Kindergartenkinder erlebenPremieren-Rundgang

Am anschließenden Rundgang beteiligten sich auch Kinder der katholischen Kindertagesstätte „Arche Noah“.

Gerold Körfer und Martin Koch gaben an den Tafeln fachkundige Erläuterungen. Für einen der Tafel-Standorte hat Revierförster Koch einen Baumstamm mit der Motorsäge so präpariert, das er sich bauklotzartig auseinandernehmen lässt. So sieht man deutlich den Aufbau eines Stammes, etwa die Jahresringe.

Der ein oder andere Gast der Einweihung gestern hat sich womöglich an den 23. April 1963 erinnert, als Gladenbachs erster und Hessens seinerzeit dritter Waldlehrpfad seiner Bestimmung übergeben wurde. Die OP berichtete damals von dem feierlichen Ereignis. 250 Gäste, unter ihnen hochrangige Vertreter des öffentlichen Lebens, wohnten dem Ereignis bei. Ein Fernsehteam drehte für die Hessenschau. Kultusminister a.D. Dr. Hennig hielt die Festansprache, und Oberforstrat Dr. Schleicher eröffnete den Pfad mit den Worten: „Der Jugend zur Lehre, den Alten zur Erbauung und dem Volke zum Wohle.“ Der inzwischen verstorbene Forstamtsleiter Herbert Hofmann und der Gladenbacher Lehrer, Biologe und Ornithologe Dieter Blume hatten den Lehrpfad initiiert und geplant. Landrat Dr. Siegfried Sorge brachte damals seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der Lehrpfad das Verständnis der Jugend für den Wald fördern möge.

Bis Mitte der 90er Jahre erkundeten Hunderte von Schülern den Lehrpfad, der auch bei Touristen und Kurgästen große Beachtung fand. 1995 wurden zahlreiche Hinweisschilder zerstört und seither nicht mehr erneuert.

Einer Initiative der Jägervereinigung Hinterland, des Hessischen Forstamtes Gladenbach und der Stadt war es zu verdanken, dass der Lehrpfad 2001 renoviert und neu gestaltet wurde.

von Hartmut Berge

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