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Spannende Einblicke in die Geschichte

Ahnenforscher Spannende Einblicke in die Geschichte

Die Hinterländer Genealogen bescherten den Besuchern ihrer Ausstellung im Dorfgemeinschaftshaus Oberdieten Einblicke in ihre Arbeit.

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Die Ahnentafel der Familie Burgk zeigt, wie umfangreich die Ahnenforschung ist.

Quelle: Sascha Valentin

Oberdieten. Die Ahnenforscher zeigten, wie Stammbäume entworfen, historische Quellen studiert und Archive durchforstet werden. Die Besucher konnten in alten Aufzeichnungen stöbern und versuchen, die Schrift zu entziffern - eine der Grundvoraussetzungen für einen Genealogen.

Die Jubilare hatten auch Stammbücher und -bäume ausgelegt, um den interessierten Besuchern zu zeigen, wie komplex diese werden können. Besonders eindrucksvoll verdeutlichte dies die Ahnentafel der Familie Burgk, die eine komplette Präsentationswand mit mehreren Ebenen füllte. Dasselbe galt für einen Stammbaum, dessen Äste die Blätter auf gleich mehreren Tischen bedeckten.

Ebenso demonstrierten die Genealogen den Einsatz von Computerprogrammen, die es ihnen erlauben, bei solch riesigen Datenmengen besser den Überblick zu behalten. Mit ihnen können komplette Ahnentafeln erstellt, mit Dokumenten verknüpft und dadurch besser recherchiert werden.

Neben der Ausstellung ihrer Arbeitsmittel hatten die Hinterländer Geschichtsforscher auch Referenten eingeladen, die zu spannenden Familienthemen sprachen. Professor Siegfried Becker (Foto) widmete sich dem Thema Ehescheidungen in der frühen Neuzeit, wobei er mit einem verbreiteten Irrglauben aufräumte. Der Zusatz „… bis dass der Tod euch scheidet“ bei der Trauung sei nämlich noch gar nicht so alt, wie mancher vermuten mag. Er kam erst im späten 19. Jahrhundert auf. Selbst im 16. und 17. Jahrhundert gab es durchaus Anträge auf Ehescheidungen. Dies belegen viele Einträge in Kirchenbüchern. Allerdings war eine Scheidung nur bei triftigen Gründen möglich, erklärte Becker. Zum Beispiel bei der Erkrankung eines Partners mit Lepra oder wenn eine Ehefrau verlassen wurde.

Mit einer Scheidung sei jedoch auch eine soziale Komponente verknüpft gewesen, führte Becker aus. Denn die Frauen brauchten zur damaligen Zeit jemanden, der sie versorgt und wenn sie nicht wieder heirateten, kamen sie mitunter bei der Verwandtschaft unter, die sich um sie kümmerte.

Ein Beispiel für die Arbeit von Geschichtsforschern lieferte auch Professor Otto Volk in seinem Vortrag. Ihm sei irgendwann einmal aufgefallen, dass es zwar eine Fülle an Informationen über den Ersten Weltkrieg gibt, aber nur wenige Belege dafür, wie die Menschen diesen Krieg erlebten. Von dieser Frage angetrieben, sei er auf die Idee gekommen, die Feldpostbriefe der Soldaten sowie die Kriegszeitungen zu studieren.

Eine besonders ergiebige Quelle war die vom Gladenbacher Dekan Lehr von 1914 bis 1919 wöchentlich herausgegebene Kriegszeitung, in der auch viele Feldbriefe abgedruckt waren. Fast 600 Briefe von 400 Soldaten konnte er so auswerten, berichtete Volk - darunter 160 Originalbriefe, die über den Nachlass Lehrs ins Kirchenarchiv in Darmstadt übergingen.

Der Stoff für weitere Recherchen werde den Hinterländer Genealogen nicht ausgehen, stellte Siegfried Becker fest. Denn die Familienforschung im Hinterland halte noch viele spannende Geschichten bereit.

Anneliese Westmeier dankte als Sprecherin der Genealogen jenen Mitstreitern, die dem Arbeitskreises seit dessen Gründung vor 20 Jahren die Treue halten und sich der Ahnenforschung verschrieben haben. Von ihnen ehrte sie Friedhelm Grebe, Jürgen Becker, Hans-Günter Möntnich und Werner Engel als besonders treue Gefährten.

von Sascha Valentin

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