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"Soziale Demokratin" sattelt um

Bürgermeisterwahl Breidenbach "Soziale Demokratin" sattelt um

Mit den Attributen "erfahren, kompetent und glaubwürdig" will Silke Tesch (parteilos) bei den Wählern punkten.

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Silke Tesch geht als parteilose Kandidatin ins Rennen um das Amt der Bürgermeisterin in Breidenbach.Privatfoto

Breidenbach. Seit 1945 leiten Sozialdemokraten die Geschicke der Hinterlandgemeinde Breidenbach. Wenn es nach dem Willen der Genossen geht, würde dies auch so weitergehen. Am Sonntag, 28. Oktober, entscheiden die Wähler, wer im Sessel des Rathaus-Chefs Platz nimmt: wieder ein SPD-Mann oder eine Parteilose. Siegt Silke Tesch wäre dies ein Novum in Breidenbachs politischer Geschichte.

Für den Sozialdemokrat Werner Reitz kam eine Kandidatur nach zwölf Jahren im Amt und einem Alter von 63 Jahren nicht mehr infrage. Und mit Silke Tesch geht eine Kandidatin ins Rennen, die eine Vergangenheit hat: als Sozialdemokratin und als Abweichlerin. Tesch ist im Februar 2012 aus der SPD ausgetreten, nachdem sie angekündigt hatte, zu kandidieren. Ihre Intention: Sie hatte bei der Kommunalwahl die meisten Stimmen erhalten, eigentlich stand sie nur auf Platz 7, ihr Kontrahent Christoph Felkl auf Platz 2.

Beflügelt von dem sensationellen Ergebnis wollte Tesch zunächst die Vertreterin des Bürgermeisters werden. Doch die Genossen entschieden anders: Sie wollten Christoph Felkl als Ersten Beigeordneten, aber der konnte das Amt gar nicht antreten, weil es einen Interessenskonflikt ab: Die Kanzlei, für die er arbeitet, hat die Gemeinde als Mandanten. Tesch machte sich erneut Hoffnung auf das prestigeträchtige Amt, doch die Sozialdemokraten wählten mit Monika Weigel eine andere. Offenbar hatte man der ehemaligen Landtagsabgeordneten Tesch nicht verziehen, dass sie 2008 mit drei anderen Genossen Andrea Ypsilanti die Gefolgschaft verweigerte.

2009 verabschiedete sich Silke Tesch zwar aus dem Landtag, blieb aber auf der politischen Bühne aktiv: Seit Juni 2011 ist sie Mitglied der Breidenbacher Gemeindevertretung.

Die 54-Jährige vertraut darauf, dass die Wähler ihr die Aufgabe als Bürgermeisterin zutrauen. Sie möchte eine Rathauschefin werden, die frei von Parteizwängen gute Arbeit leistet. Ihr Wahlprogramm ist kompakt und passt auf eine DIN-A4-Seite. Sie will sich für die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien einsetzen, den Erhalt und die Weiterentwicklung der Bildungslandschaft, die Belebung der Ortskerne, den Schutz der Lebensräume, die Stärkung der heimischen Wirtschaft und den Einsatz erneuerbarer Energien.

Auch die Wertschätzung von älteren Bürgern liegt ihr am Herzen, ebenso wie die Förderung und Anerkennung der vielen freiwilligen Angebote in Kirchen, Vereinen und Verbänden.

Die in Kleingladenbach lebende Tesch bezeichnet sich selbst als „soziale Demokratin“. Sie ist für jegliche Unterstützung - unabhängig von der Parteizugehörigkeit - dankbar. Auf ihrer Guthabenseite wähnt sie ihre langjährige politische Erfahrung - 2003 zog sie in den Landtag ein - und auf ein funktionierendes Netzwerk. Sie hat Kontakte nach Wiesbaden, Berlin und Brüssel, in die Wirtschaft und zu vielen Verbänden und Vereinen. Als Bürgermeisterin will sie am Fortschritt und an der Zukunftsfähigkeit der Breidenbacher Ortsteile arbeiten, ohne die Tradition aus den Augen zu verlieren.

Tesch hätte wohl lieber als Sozialdemokratin die Kandidatur angetreten, doch als die Entscheidung zu ihren Ungunsten fiel, handelte sie und gab öffentlich bekannt, kandidieren zu wollen. Dies blieb nicht ohne Folgen: Nach 7 Jahren Zugehörigkeit trat sie aus der SPD aus. Nun steht die eingefleischte Hinterländerin mit ihrem Namen für ihr Handeln ein.

von Silke Pfeifer-Sternke

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