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Hinterland Bösser verkauft Autohäuser an Wahl-Group
Landkreis Hinterland Bösser verkauft Autohäuser an Wahl-Group
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19:00 21.12.2017
Blick auf das BMW-Autohaus Bösser in Cappel: Inhaber Otto Bösser hat seine Autohäuser in Marburg, Holzhausen und Treysa mit ­Wirkung zum 1. Januar an die Siegener Wahl-Group verkauft. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Gerüchte kursierten schon länger, doch nun steht es fest: Zum 1. Januar wird die Wahl-Gruppe die drei Autohäuser von Otto Bösser übernehmen. Das bestätigte Bösser auf Anfrage der OP.

„Ich befinde mich jetzt in meinem 67. Lebensjahr und habe keinen Nachfolger innerhalb der Familie“, sagt er zu den Gründen des Verkaufs. Eigentlich habe der BMW-Konzern schon vor fünf Jahren erwartet, dass der heimische Geschäftsmann einen Nachfolger präsentiere. Und auch jetzt sei er wieder auf eine Nachfolgeregelung angesprochen worden. Daher erfolge nun der Verkauf an die Wahl-Gruppe.

Nur Stammhaus in Holzhausen behält seinen Namen

„Es gab durchaus noch andere Interessenten“, sagt Bösser, und auch „das Werk“, wie er zum Konzern sagt, wolle bei einer solchen Entscheidung mitreden. Daher sei die Einigung mit der Wahl-Group relativ schnell erfolgt. Denn das Unternehmen mit Stammsitz in Siegen – nach eigenen Angaben ältester BMW-Händler der Welt – ist auch in Mittelhessen bereits mit einigen BMW-Häusern vertreten – so zum Beispiel in Gießen, Wetzlar, Dillenburg und Frankenberg. Hinzu kommen BMW-Häuser in Korbach, Betzdorf, Brilon und Siegen.

Otto Bösser versicherte, dass sich für die Kunden ebensowenig ändern werde, wie für die Mitarbeiter: Allen Mitarbeitern der drei Häuser – insgesamt rund 60, wie Bösser sagte – würden Übernahme-Angebote gemacht. Das sei ihm wichtig, so Otto Bösser. Er werde persönlich mit den Mitarbeitern sprechen, die während Versammlungen über den Verkauf zum 1. Januar informiert wurden. „Es kam nicht überraschend“, sagt der Holzhäuser, „auch innerhalb der Belegschaft gab es Gerüchte.“

Die Namen der Autohäuser würden sich ändern – Bösser Marburg werde zu BMW Marburg, Bösser Treysa zu BMW Schwalmstadt. Nur das Stammhaus in Holzhausen werde den Namen Bösser – und somit die Tradition des Hauses weitertragen. Otto Bösser hatte das Autohaus seinerzeit von seinem Vater Artur, der das Stammhaus in den 50er-Jahren in Holzhausen gründete, übernommen.

Bösser betont: „Das 
Unternehmen ist gesund“

1994 begann die Zeit der Expansion: Das Autohaus Bösser übernahm zunächst das Marburger BMW-Autohaus Renner, zwei Jahre später folgte ein Neubau im Gewerbegebiet Cappel, wo 2009 ein weiterer Neubau für die BMW-eigene Marke ­Mini entstand. 1997 expandierte die Autohaus Otto Bösser GmbH auch in die Schwalm – übernahm dort das Autohaus Belser in Treysa.

Gerüchten, dass Bösser seine Häuser verkaufe, weil er in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sei, erteilt der 66-Jährige eine Absage: „Das Unternehmen ist gesund“, versichert er.

Und das zeigen auch die Bilanzen: Demnach erzielte das Autohaus Bösser im vergangenen Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss nach Steuern in Höhe von 251.000 Euro – im Jahr zuvor hatte der Überschuss allerdings noch bei 384.000 Euro gelegen.

Wahl-Group übernahm schon Gnau

Die Bilanzsumme lag im vergangenen Geschäftsjahr mit 7,786 Millionen Euro um 672.000 Euro über dem Vorjahreswert – 2015 hatte die Bösser-Gruppe eine Bilanzsumme von 7,114 Millionen Euro erreicht.

Die Wahl-Group mit Stammsitz in Siegen vertritt die Marken BMW, Mini, Renault, Dacia, Skoda und Ford an 22 Standorten in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Sie gehört laut eigenen Angaben zu den 20 größten Autohandelsgruppen in Deutschland. Demnach zählt die Gruppe mehr als 800 Mitarbeiter und verkauft jährlich rund 10.500 Neu- und etwa 7500 Gebrauchtfahrzeuge.

Es ist nicht der erste Schritt, den die Gruppe nach Marburg macht: Zum 1. Juli 2014 hatte die Wahl-Group auch die Häuser der Gnau-Gruppe übernommen und war so zum nach eigenen Angaben zweitgrößten Renault-Händler Deutschlands geworden.

von Andreas Schmidt