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Hinterland Mädchen unter das T-Shirt gefasst?
Landkreis Hinterland Mädchen unter das T-Shirt gefasst?
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00:18 22.08.2018
Das Amtsgericht in Biedenkopf. Quelle: Archivbild
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Biedenkopf

Laut Anklage soll ein damals 17-Jähriger eine Bekannte hinter dem Bürgerhaus zunächst an Bauch und Schulter berührt und dann versucht haben, die damals 16-Jährige zu küssen. Auch an ihre Brüste soll der junge Mann ihr gefasst haben. Das Mädchen habe den 17-Jährigen weggeschubst und gesagt, dass sie das nicht möchte, führte die Staatsanwältin aus.

Jugendgerichtshelfer Wolfgang Mengel berichtete, der Angeklagte habe ihm in einem Erziehungsgespräch „glaubhaft versichert, dass er die ihm vorgeworfene Tat nicht begangenen habe“. Das beteuerte der Angeklagte auch vor Gericht. „Wir sind nicht zusammen rausgegangen. Ich habe sie nicht angefasst“, erklärte er. Aber: „Sie stand schon länger auf mich. Sie hat die ganze Zeit mit mir bei Whatsapp geschrieben, aber ich hatte damals eine Freundin und wollte nichts von ihr.“ Ein Jahr lang habe das Mädchen für ihn geschwärmt, „doch es lief nie etwas. Ich wollte nicht.“

Kein Interesse an einer Strafverfolgung

Das mutmaßliche Opfer hielt allerdings an dem Tatvorwurf fest. „Ich wollte mich mit ihm unterhalten und einen älteren Streit klären, bei dem er mich beleidigt hat“, sagte sie. Sie seien nach draußen gegangen, hätten geredet, und plötzlich „kam seine Hand unter mein T-Shirt“. Sie habe ihn dann zurückgestoßen und habe ihren Vater angerufen, damit er sie abholt.

Dieser berichtete als Zeuge, dass er seine Tochter in dieser Nacht „absolut aufgelöst“ vorgefunden habe. „Sie sagte nur: ,Er hat mich angefasst‘“, sagte der Vater aus. Er sagte aber auch: „Es war eine Erfahrung, die Scheiße für sie war, sie hat aber alles gut verarbeitet, und jetzt ist alles wieder gut.“ Interesse an einer weiteren Strafverfolgung habe die Familie nicht.

Dies veranlasste Richterin Melanie Bönsch auch dazu, das Verfahren einzustellen. „Ob es so war oder nicht, können wir ohne weitere Zeugen nicht beurteilen.“ Es bestehe die Möglichkeit, dass an dem Tatvorwurf etwas dran sei – oder eben auch nicht. „Eigentlich wollen alle Beteiligten ja ihren Frieden mit der Sache schließen“, sagte Richterin Bönsch. Dem Angeklagten rief sie ins Gedächtnis: „Sie merken, es kann ganz schnell passieren, dass man in einen solchen Verdacht gerät.“

von Christian Röder

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