Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Sendeturm Angelburg fällt Spardiktat zum Opfer

DVB-T-Empfang Sendeturm Angelburg fällt Spardiktat zum Opfer

Am 24. April nehmen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ZDF und HR den Sendeturm Angelburg außer Betrieb. Rund 5 000 Haushalte sind davon betroffen und könnten keinen DVB-T-Empfang mehr haben.

Voriger Artikel
Marburger Innovation geht in die ganze Welt
Nächster Artikel
Lebensgefahr am Aartalsee

Der Fernsehturm Angelburg, der auch das Hinterland versorgt, wird am 24. April abgeschaltet.

Quelle: Thorsten Richter

Angelburg. Der Funkturm deckt ein Einzugsgebiet von 567 Quadratkilometern ab – das sind 2,7 Prozent der Fläche Hessens. Laut HR-Pressesprecher Christian Bender sind 3.400 Haushalte davon betroffen, auf der Internetseite des HR ist von rund 5.000 Haushalten die Rede.

Während bei der Umstellung des digitalen Antennenfernsehens auf neue Standards in andere Sendetürme investiert wurde, steht der Fernsehturm Angelburg aus finanziellen Gründen vor dem Aus. 15 Prozent müssten eingespart werden, sagt Bender.  Die betroffenen Haushalte müssen ab dem Frühjahr auf Kabel oder Satellit umsteigen. Eine Umstellung  wäre zu teuer gewesen. Es sei eine völlig andere Technik, zum Teil müssten auch die Stahlkonstruktionen ausgetauscht werden.

Hessische Sender rüsten auf DVB-T2 um

Über das Investitionsvolumen der Umstellung auf DVB-T2 schweigt sich Bender aus, weil der HR Partner mit im Boot hat und deshalb keine Angaben über die Kooperations- und Nutzungsverträge machen kann.
Das bisherige Versorgungsgebiet des Senders Angelburg wird zum Teil durch die Sender Großer Feldberg und Rimberg abgedeckt.

Als die Privatsender in den 1980-Jahren Einzug in die deutschen Wohnzimmer hielten, wurden über die Hausantenne drei Programme empfangen: ARD, ZDF und HR. Das funktioniert mit dem 171 Meter hohen Sendeturm Angelburg noch heute so. Bis zum Abschalttermin können auch weiterhin Fernseh- oder Radioprogramm über eine Dach- oder eine Zimmerantenne empfangen werden.

Wer weder über Satellit, Kabel oder Internet fernsieht, kann sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen quasi aus der Luft fischen. Weil diese Technik nicht mehr zeitgemäß ist, werden die hessischen Sender auf das modernere und leistungsfähigere Signal DVB-T2 umgerüstet. Mit Ausnahme des Senders Angelburg. Auf eine Umrüstung wird verzichtet, da die betroffenen Haushalte zu wenige sind, damit die Verantwortlichen in den Sendeturm investieren.

Nach 50 Jahren kommt das Aus für Fernsehturm

Als Grund für die Abschaltung werden Einsparvorgaben bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten angegeben. Es besteht aus Sicht der Verantwortlichen noch die Möglichkeit, DVB-T2 HD-Signale über den Sender Großer Feldberg oder den Sender Rimberg zu empfangen.

Es bestehen aber zum Teil Zweifel daran, dass dies tatsächlich reibungslos funktioniert. Es ist nicht auszuschließen, dass Betroffene mit einer Zimmerantenne kein Signal mehr empfangen. Um Fernsehen zu können, müssten sie entweder einen Antennenbaum auf ihrem Dach nachrüsten oder alternativ können die Hörfunk- und Fernsehsignale auch via Satellit (DVB-S und DVB-S2) oder über Kabel (DVB-C) empfangen werden.

Wolfgang Meisinger aus Angelburg ist empört. Vor allem für ältere Menschen, Heime,­ ­Alleinerziehende, kirchliche ­Organisationen, Vereine, Jugendclubs, Schüler, Stunden, Gemeindezentren sei die Umstellung problematisch. Es gäbe sogar Firmen, die nur DVB-T benötigen, sagt der Angelburger. Er bemängelt auch, dass in vielen Häusern eigene Satellitenschüsseln oder gar Dachantennen nicht erlaubt seien.

Betroffene müssen eventuell neue Anlagen montieren

Meisinger kritisiert außerdem, dass alle Haushalte, Organisationen und Firmen inzwischen GEZ-Gebühren zahlen müssten und sollen jetzt in Mittelhessen „abgeschaltet werden“. Wollen Betroffene weiterhin via Antenne die Hörfunk- und Fernsehsignale empfangen, kann es in Teilen des Hinterlandes, Dillkreises und Wittgensteins eventuell notwendig werden, aufwendigere Empfangsanlagen zu montieren.

In den Hessischen Landtag eingebracht hatte das Thema  die heimische SPD-Abgeordnete Angelika Löber. Aus dem Sitzungsprotokoll geht hervor, dass es mit der Umstellung auf das digitale Antennenfernsehen gelungen ist, die Flächenversorgung weitgehend zu erhalten.

In Darmstadt und Kassel ist die Versorgung laut der Landesregierung verbessert worden durch die Inbetriebnahme neuer Sendestandorte. Jetzt sei dort der Empfang mit einer kleinen Zimmerantenne möglich. Die Region Nordhessen könne jetzt außerdem private Sender über DVB-T empfangen. Auch in der Rhön gibt es eine Veränderung: Die Sender des Bayrischen und des Hessischen Rundfunks werden zusammengelegt.

von Carsten Beckmann und Silke Pfeifer-Sternke

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr