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Selbstkritisch, aber auch selbstbewusst

FDP Marburg-Biedenkopf Selbstkritisch, aber auch selbstbewusst

Jörg Behlen, frisch bestätigter Vorsitzender des Kreisverbandes der FDP, macht Mut: Die bundesweit prekäre Situation für die FDP schaffe auch den Raum, mit sachlichen Argumenten Wähler zurückzugewinnen.

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Jörg Behlen (Mitte) litt unter einem Bienenstich, freute sich aber mit Christian Fischer (links) und Manuel Fenner über ihre jeweilige Wiederwahl.

Quelle: Götz Schaub

Biedenkopf. Spätestens die Kommunalwahl 2011 hat deutlich aufgezeigt, wie sehr die Berliner Politik der Liberalen Einfluss auf die Gesamtexistenz der FDP nahm. „Unsere Ergebnisse waren noch nie so schlecht im Landkreis und auch in Marburg“, gab Jörg Behlen während der Kreismitgliederversammlung der FDP Marburg-Biedenkopf am Samstagnachmittag im Parkhotel in Biedenkopf unumwunden zu.

Das Kommunalwahlergebnis  habe man deshalb auch zum Anlass genommen, sich zu hinterfragen: „Wo haben wir als Person und Team versagt? Haben wir falsche Schwerpunkte gesetzt?“ – „Wir haben viel Hohn und Spott geerntet und es gehörte schon Mut und Überzeugung dazu, weiterhin unsere Themen anzusprechen“, sagte Behlen.

Obgleich die FDP nicht mehr zur regierenden Koalition im Kreistag gehört (Behlen: „Die Entscheidung, die Koalition zu verlassen, war absolut richtig!“), bekomme die FDP sehr oft aus allen Lagern Anerkennung und Zustimmung signalisiert, weil sie die richtigen Argumente anbringe. „Weil wir gute Argumente bringen, kommen wir bei der Kreistagsberichterstattung der Presse auch immer sehr gut vor, obwohl wir nur zwei von 81 Mitgliedern sind“, so der Vorsitzende. „Wir bekommen Applaus aus Reihen der SPD und Zustimmung aus Reihen der CDU. Nur bleibt es schwierig, unsere Themen auch durchzubekommen, weil die Koalition dazu neigt, alles was nicht von ihr ist, auch wenn es gut ist, zu verhindern, es sei denn, es gibt schon einen gewissen öffentlichen Druck.“

Behlen versprach, dass die FDP im Kreistag und sicher auch in den Parlamenten im Kreis in denen sie vertreten ist, weiter daran arbeiten werde, durch Sachargumente zu überzeugen. Um dies zu können, bedürfe es auch einer gesunden Streitkultur innerhalb der Partei. „Bei uns darf jeder seine Meinung sagen und um Mehrheiten kämpfen. Es ist richtig, dass die Zustimmung für Anträge nicht an Personen geknüpft wird“, führte Behlen aus und ergänzte: „Lieber scheitere ich als Vorsitzender mit einem schlechten Antrag, als ihn durchgewunken zu bekommen, nur weil ich Kreisvorsitzender bin.“ Positionen dürften nicht ausgenutzt werden, eigene Politik an der Partei vorbei zu betreiben.  „Ich akzeptiere auch Niederlagen durch demokratische Mehrheitsentscheidungen“, so Behlen, der anschließend vom Plenum mit 28 Ja-Stimmen bei nur zwei Nein-Stimmen im Amt des Vorsitzenden bestätigt wurde. Als Beispiel nannte Behlen Karl Zissel aus Wetter, der für viele das Aushängeschild, das Gesicht und der Sprecher der FDP im Kreis sei. „Karl Zissel hatte bis zu seiner Erkrankung viele Positionen inne, hat aber nie nach seinen persönlichen Vorteil gesucht, sondern sich immer in den Dienst der Partei gestellt“, sagte Behlen. Und wie ernst es Zissel damit ist, zeigt seine Ablehnung der Ehrenmitgliedschaft. Zissel, der auch in Biedenkopf zugegen war, machte deutlich, dass er „einfaches Mitglied“ der FDP bleiben möchte. Auch Winand Koch aus Stadtallendorf machte den Liberalen Mut: „Unser Image ist derzeit schlecht, aber unsere Programmatik ist gut.“ Wenn es nun gelinge, die Sachpolitik wieder in den Mittelpunkt zu rücken, werde man auch wieder bessere Zeiten erleben.

Wie lebendig und demokratisch es innerhalb des Kreisverbandes zugeht, zeigten die anschließenden Diskussionen zu drei Anträgen, die in der Tat sehr kontrovers diskutiert wurden, ohne dass sich irgendjemand ausgegrenzt oder beleidigt fühlte. Und es gab am Samstag auch einen Parteieintritt: Tobias Koch, Sohn von Winand Koch, verstärkt nun die Liberalen.

von Götz Schaub

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