Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
Selbstjustiz schlägt fehl

Amtsgericht Selbstjustiz schlägt fehl

Eingestellt wurde gestern vor dem Amtsgericht Biedenkopf das Verfahren gegen einen heranwachsenden Hinterländer, der sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten musste.

Voriger Artikel
21-Jährige überzeugt in allen Bereichen
Nächster Artikel
Auf Rappstute führt Detlev Stein 10 Burschenreiter an

Am Biedenkopfer Amtsgericht wurde gestern ein Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Quelle: Gianfranco Fain

Biedenkopf. In einem Angelburger Ortsteil „knallte“ es in den frühen Morgenstunden des 28. Januars im wahrsten Sinne des Wortes. Ein 20-jähriger Hinterländer schoss aus nächster Nähe mit einer Gaspistole auf einen 42-Jährigen. Der konnte zwar noch ausweichen, erlitt durch das Tränengas aber Reizungen im Gesicht und in den Augen.

Vorausgegangen war ein Streit in einer nahegelegenen Kneipe. Ein Freund des jungen Mannes beklagte den Diebstahl seines Handys. Den Dieb hatten der Angeklagte und seine Clique schnell ausgemacht. Auf dem Heimweg beschlossen sie, ihm einen Besuch abzustatten, „um ihm ein bisschen Angst zu machen“ und das Gerät zurückzuholen. Dafür besorgte sich der junge Mann die Waffe von zu Hause, ohne dass er dafür eine Berechtigung besaß.

Als der Angeklagte und der Bestohlene an der Tür der Wohnung, in dem der Vater des Handy-Diebs lebte klingelten, wussten sie nicht, dass der Gesuchte dort nicht wohnte. „Sein Vater wollte uns nicht rein lassen“, sagte der 20-Jährige, der angab, zur Tatzeit erheblich betrunken gewesen zu sein.

Aus dem Affekt habe er die Waffe gezogen und auf den Mann geschossen, dabei aber nicht auf sein Gesicht gezielt. Er könne sein Verhalten überhaupt nicht begreifen, sagte der Angeklagte, der sich am folgenden Tag bei seinem Opfer entschuldigte und die Waffe bei der Polizei abgab.

Von einer Strafverfolgung sah der Geschädigte ab. Dass sein Sohn tatsächlich der Handy-Dieb war, stellte sich ebenfalls am Tag nach der Tat heraus. Der Bestohlene bekam es umgehend zurück.

Richter Mirko Schulte entschied auf Einstellung des Verfahrens gegen die Zahlung einer Geldbuße von 1600 Euro - was den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung entsprach. Das Geld geht an den „Treff“ Biedenkopf, die Diakonie und das Konto „gefährdete Jugend“ des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Die Höhe der Strafe entspricht einem Monatseinkommen des Angeklagten.

Schulte hielt dem Heranwachsenden zugute, dass er einsichtig sei und sein Leben ansonsten in geordneten Bahnen verlaufe. Zugleich appellierte er an den jungen Mann, verstärkt auf Selbstkontrolle zu achten - schließlich war er schon im Jahr 2008 als Jugendlicher unter Alkoholeinfluss durch Körperverletzung auffällig geworden.

von Björn-Uwe Klein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr