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Schwester will Tabletten stehlen

Arbeitsgericht Schwester will Tabletten stehlen

Eine suchtkranke Mitarbeiterin des Uniklinikums versuchte durch Urkundenfälschung Medikamente für den privaten Gebrauch zu bekommen. Gegen die fristlose Kündigung durch die Klinik zog sie vor Gericht.

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Tabletten werden am Klinikum für die Behandlung von Patienten benötigt. Eine Krankenschwester stahl Medikamente für den Eigenverbrauch.

Quelle: Archivfoto

Gießen. Die Klägerin ist seit mehr als 20 Jahren am Universitätsklinikum am Standort Marburg beschäftigt. Anfang November bestellte die Fach-Krankenschwester dort wie üblich diverse Medikamente für ihre Station, darunter ein verschreibungspflichtiges Beruhigungsmittel. Dieses plante sie jedoch für den eigenen Gebrauch zu benutzen. Zu diesem Zweck fälschte sie die benötigte Unterschrift des Arztes, um das Mittel zu erhalten. Ihr rechtswidriges Verhalten fiel jedoch in der Station auf. In einem Mitarbeitergespräch mit der Klinikleitung gab sie ihre Tat zu, woraufhin die Klinik umgehend eine fristlose Kündigung aussprach.

Gegen diese zog die Mitarbeiterin Ende Dezember vor das Gießener Arbeitsgericht. Als Klagegrund benannte ihr Anwalt falsches Verhalten des Arbeitgebers. Die Frau habe ein „gewisses Suchtverhalten“, welches der Klinik schon längere Zeit bekannt gewesen sei. Aus diesem Grund habe es bereits mehrere betriebsärztliche Untersuchungen über den Sucht- und Gesundheitszustand der Krankenschwester gegeben. Das Verhalten der Frau habe sich in letzter Zeit gebessert, trotz der Krankheit habe sie die von ihr geforderten Leistungen stets erbringen können. Der aktuelle Vorfall stehe jedoch mit ihrer Suchterkrankung in Zusammenhang. Die Mitarbeiterin sei in ihrem Tätigkeitsbereich nur begrenzt einsetzbar gewesen und hätte nicht mit der Besorgung von Medikamenten betraut werden dürfen. Das Verhalten der Frau hätte somit vom Arbeitgeber vorsorglich verhindert werden können. Dies sollte in diesem Fall berücksichtigt werden, betonte die Klägerseite.

Von einer möglichen Tablettensucht der Mitarbeiterin habe der Arbeitgeber nichts gewusst, teilte die Vertreterin der Beklagtenseite vor Gericht mit. Dem Klinikum sei jedoch bekannt gewesen, dass die Schwester mehrfach durch Alkoholmissbrauch aufgefallen war und betrunken zur Arbeit erschienen sei. Aus diesem Grund seien bereits Betriebsarzt sowie Klinikleitung eingeschaltet und der Fall untersucht worden. Das Krankenhaus habe bereits mit ihr über einen Auflösungsvertrag gesprochen.

Nachdem schließlich die falsche Medikamentenbestellung aufgefallen war, folgte umgehend die fristlose Kündigung. Die Klägerin gab an, dass sie die Medikamente zum Schlafen benötige, wenn sie Bereitschaftsdienst habe. Dies sei absolut nicht tragbar, sagte die Beklagtenseite.

Es sei zudem höchst problematisch und eigentlich nicht möglich, Mitarbeiter mit einer Suchterkrankung in einer Klinik zu beschäftigen, betonte der vorsitzende Richter Hans-Gottlob Rühle. Die strafbaren Handlungen seien nicht mit einer Suchterkrankung zu entschuldigen, so der Richter.

Anstelle der fristlosen Kündigung schlug das Gericht den Parteien eine ordentliche Personen- und Krankheitsbedingte Kündigung der Mitarbeiterin vor. Beide Seiten einigten sich schnell und stimmten dem Vergleich zu.

Die Krankenschwester wird bis zur Wirksamkeit der Kündigung in einigen Monaten frei gestellt und nicht mehr im Klinikum arbeiten.

von Ina Tannert

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