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Schwere Straftats-Vorwürfe stehen im Raum

Arbeitsgericht Schwere Straftats-Vorwürfe stehen im Raum

Schwere Vorwürfe erhebt der neue Inhaber der Marburger Rohstoffverwertung Johannes Völker gegen mehrere Familienmitglieder, die in dem Goßfeldener Betrieb beschäftigt waren. Am Freitag beschäftigte sich das Arbeitsgericht Gießen mit den Fällen.

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Drei Klagen gegen die Marburger Rohstoffverwertung Johannes Völker aus dem Lahntaler Ortsteil Goßfelden wurden am Freitag vor dem Gießener Arbeitsgericht verhandelt.

Quelle: Thorsten Richter

Gießen. Hunderte von Seiten Papier haben die Parteien vollgeschrieben, Dutzende Vorwürfe erhoben und dementiert - und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Die Verhandlung vor der Kammer des Arbeitsgerichtes Gießen am Freitag zu mehreren fristlosen und hilfsweise ordentlichen Kündigungen dreier Mitglieder der Familie Völker endete zumindest in zwei Fällen mit einem weiteren Kammertermin am 19. Oktober.

In einem Fall entschied das Gericht jedoch: Weil die neue Geschäftsführung der Marburger Rohstoffverwertung (MRV) Johannes Völker GmbH bereits zur Güteverhandlung zu der Überzeugung gelangt war, dass gegen eines der Familienmitglieder nichts vorliege, wurde die Rücknahme dieser Kündigung geprüft und der Klägerseite vorgeschlagen. Die lehnte das Angebot jedoch ab und beantragte bei Gericht, die Beklagte zu verurteilen, eine Abfindung in Höhe von rund 20.000 Euro zu zahlen. Das lehnte wiederum die Kammer unter dem Vorsitz von Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle ab. Begründung: Die Abfindungszahlung ist nicht zumutbar, weil die Beklagtenseite bereits im Gütetermin eingesehen habe, dass die Kündigung ein Fehler gewesen sei, und sie zurücknehmen wollte.

Ganz anders sah das bei den beiden weiteren Familienmitgliedern aus: Deren Kündigungen, die sie mehrfach ohne Angabe von Gründen erhalten hatten, wurden nun - wie im Gütetermin von Rühle gefordert detailliert untermauert.

So sollen nach Angaben der neuen Inhaber der MRV die beiden Familienmitglieder in großem Stile an Straftaten des ehemaligen Geschäftsführers beteiligt gewesen sein. Gewerbsmäßige Veruntreuung, Steuerhinterziehung, Schrottunterschlagung, Schwarzlieferungen, Mehrfach-Wiegungen, Manipulation der Geschäftsbücher und der Bilanz - das alles wird dem Ex-Geschäftsführer vorgeworfen. Die beiden Kläger sollen daran direkt beteiligt gewesen sein oder zumindest Beihilfe geleistet haben, so die Vorwürfe der Beklagtenseite, mit denen diese die fristlosen und hilfsweise ordentlichen Kündigungen von August und September 2011 begründete. Teilweise soll der ehemalige Geschäftsführer die Taten in polizeilichen und staatsanwaltlichen Vernehmungen gestanden haben, teilweise stützte die Beklagtenseite ihre Vorwürfe auf Zeugenaussagen von Mitarbeitern während der Ermittlungen.

An den Schwarzfahrten - dabei soll Schrott illegal vom Unternehmensgelände zu anderen Schrotthändlern in Süddeutschland transportiert und verkauft worden sein - sollen sogar Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Lahntal beteiligt gewesen seien, so der neue Inhaber der MRV in seinem Vortrag. Durch die Straftaten sei ihm ein Schaden von mindesten 1,3 Millionen Euro entstanden. „Die Gesellschaft ist systematisch ausgehöhlt worden“, betonte Erich Schmid, seit vergangenem Sommer Geschäftsführer der MRV.

Und nicht nur der MRV soll ein immenser Schaden entstanden sein: Auch andere Unternehmen, aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf beispielsweise die Eisengießerei Fritz Winter, seien nachhaltig geschädigt worden. Mindestens 500 Tonnen Schrott, der als Eigentum des Stadtallendorfer Unternehmens auf dem MRV-Gelände in Goßfelden gelagert war, sollen abtransportiert und verkauft worden sein. „Wir mussten der Firma Winter einen Schadensersatz von 225.000 Euro dafür zahlen“, erklärte Schmid.

Die Kläger gingen während der Verhandlung weiterhin davon aus, dass die Kündigungen unwirksam sind. Ein Grund für die Entlassungen sei nicht gegeben und verschiedene Fristen seien nicht eingehalten worden. Zudem wiesen die Kläger jegliche Vorwürfe von sich. „Die Feuerwehr Lahntal ist zwar hin und wieder für Transportfahrten eingesprungen, aber nicht bei irgendwelchen Schwarzfahrten“, erläuterte Rechtsanwältin Martina Lehne für ihre Mandanten. Es habe keine Veruntreuungen und keine Mehrfach-Wiegungen gegeben. Der Sachverhalt stelle sich aus Sicht der Kläger anders dar.

„Entscheidend ist am Schluss nicht, wer Recht hat, sondern ob die Vorwürfe ganz, teilweise oder gar nicht stimmen“, machte Arbeitsrichter Rühle den Parteien eindringlich deutlich. Das Gericht werde die Wahrheit auf jeden Fall herausfinden - „und wir müssen uns dazu nicht jeden einzelnen Vorwurf anschauen, wie es das Landgericht tut“, betonte er. Denn wenn auch nur ein Bruchteil der Anschuldigungen wahr sei, seien die Kündigungen gerechtfertigt.

Um dem nachzugehen, findet beim Kammertermin am 19. Oktober auch eine Beweisaufnahme mit Zeugen statt.

von Katharina Kaufmann

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