Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Schwere Geburt, aber es geht weiter

Geburtshilfe Biedenkopf Schwere Geburt, aber es geht weiter

Das Biedenkopfer Parlament, der Kreistag und viele Hinterländer Bürger waren sich einig, dass die Geburtshilfestation im DRK-Krankenhaus erhalten werden muss. Die Chancen stehen seit Freitag wieder viel besser.

Voriger Artikel
Stellenabbau am UKGM geht weiter
Nächster Artikel
Bereitschaftsdienst rückt in Warteposition

Ein neugeborenes Baby im Kreißsaal. Dieses Bild wird es auch künftig im Biedenkopfer DRK-Krankenhaus geben. Für ein Jahr ist der Fortbestand der Geburtshilfestation gesichert, eine langfristige Lösung wird angestrebt.Archivfoto

Quelle: Patrick Pleul

Biedenkopf. Nach OP-Informationen bringen das Uniklinikum (UKGM) und das DRK für das kommende Jahr 170000 Euro auf, fraglich sind noch 30000 Euro, die die Belegärzte oder ein Förderverein beisteuern sollen. In diesem Verein wollen sich Land und Kreis engagieren, für den dauerhaften Erhalt der Geburtshilfestation seien auch Bürger und Unternehmen des Hinterlandes gefordert.

Landrat Robert Fischbach dankte den Teilnehmern des Runden Tisches für die Lösung, die erst einmal ein Jahr Zeit bringe, um in Ruhe mit allen Beteiligten eine längerfristige Lösung anzustreben. Alle Beteiligten seien an die Grenzen des finanziell Machbaren gegangen.

Willi Welsch, der Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbands Biedenkopf, äußerte sich erleichtert über die gefundene Lösung. „Ich habe mich noch nie so unwohl gefühlt wie in dieser Situation“, bekannte er gegenüber der OP. Es stehe für das DRK an erster Stelle, die Menschen zu versorgen. Aber es gebe auch betriebswirtschaftliche Eckpunkte, die beachtet werden müssten. „Die haben wir heute gefunden, ohne in eine Schieflage zu geraten.“

Der Runde Tisch stand unter Zeitdruck, weil die Kosten, unter anderem für Versicherungsprämien so extrem steigen, dass DRK und den Belegärzten des Krankenhauses eine Fortführung allein aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich erschien. Den jetzt erzielten Zeitgewinn sahen alle Beteiligten als Erfolg an.

Dr. Gunther Weiß (UKGM) betonte, dass, vorbehaltlich der Zustimmung der Gremien, sich das UKGM an der Lösung beteiligen werde: „Durch unseren Beitrag stärken wir die vorhandene Kooperation und helfen dabei, Zeit zu gewinnen, um eine Lösung für die Geburtshilfe in Biedenkopf zu finden.“

Für die Belegärzte äußerte sich Dr. Manfred Hofmann zufrieden: „Ich bin froh über diese Tendenz einer Lösung. Es müssen aber weitere Gespräche geführt werden.“ Die Zusammenarbeit mit dem UKGM werde auch weiterhin eine qualitativ hochwertige Geburtshilfe in Biedenkopf ermöglichen.

„Wollen das Jahr nutzen, um uns neu aufzustellen“

Das Belegarztsystem sei attraktiv und die sich abzeichnende Lösung für ein Jahr böte Entwicklungschancen, sagte DRK-Vorsitzender Willi Welsch: „Wir wollen das Jahr nutzen, um uns mit allen Leistungserbringern neu aufzustellen.“

Stellvertretend für die Bürgermeister der Region bedankte sich Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig für die Arbeit der Beteiligten. Er sagte: „Ich verbinde damit die Hoffnung, dass dieses Jahr genutzt wird, sonst befürchte ich, dass wir in einem Jahr wieder am gleichen Punkt sind“, und ergänzte: „Wir wollen das unsrige dazu beitragen, eine langfristige Lösung zu finden.“

Wenn alle Gremien dem Kompromiss zustimmen, könne das DRK-Krankenhaus die Kündi­gung der 13 Hebammen zurücknehmen, wegen derer am Dienstag ein erster Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Gießen angesetzt ist. Eine entsprechende Absichtserklärung gab Welsch am Freitag vorbehaltlich der Zustimmung seiner Gremien ab.

Wunsch des Parlaments wird schnell „erhört“

„Mit Freude nimmt die Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnis, wie engagiert die Bürger für den Erhalt ,ihres Kreißsaales‘ kämpfen“, heißt es in der Resolution, die das Biedenkopfer Parlament am Donnerstagabend beschlossen hatte. Und auf diesen Punkt ging wenige Stunden später auch der hessische Finanzminister ein: „Wir haben uns für ein Jahr Zeit erkauft, um eine tragfähige Lösung für die Zukunft der Geburtshilfe in Biedenkopf zu finden“, sagte Dr. Thomas Schäfer.

Ein wichtiger Baustein für eine langfristige Lösung ist jetzt die Gründung eines Fördervereins, der mit den dort zu sammelnden Spenden ebenfalls zum Erhalt der Geburtshilfe in Biedenkopf beitragen soll.

Auch das ist ein Ergebnis des runden Tisches. Dr. Schäfer verwies in diesem Zusammenhang auf die mehr als 8000 Unterschriften von Hinterländer Bürgern, die sich in den vergangenen Wochen für die Fortführung stark gemacht hatten.

„Indem die Menschen das DRK-Krankenhaus aufsuchen, stärken sie auch die Region, denn schließlich wird die Geburtshilfe vor Ort letztlich auch an der Zahl der Geburten gemessen“, so Schäfer, der sich zusammen mit Landrat Fischbach darum kümmern will, dass diesem Förderverein Geld zufließt.

Die Menschen vor Ort wollen in die Entscheidung eingebunden werden und sie haben die Gelegenheit, das auch zu zeigen, indem sie den Förderverein unterstützen, so die Botschaft aus der Verhandlungsrunde.

von Michael Agricola und Klaus Peter

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr