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Nachwuchs schweißt virtuell

Pilotprojekt am C+P-Bildungszentrum Nachwuchs schweißt virtuell

Das C+P-Bildungszentrum in Wiesenbach nimmt an einem bundesweiten Projekt zum Einsatz digitaler Medien bei der Berufs­ausbildung teil – mit Schweißsimulatoren.

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Der virtuelle Schweißsimulator stellt den gesamten Schweißprozess dar und sammelt dabei ein ganzes Bündel an Daten – etwa über Haltung und Präzision des Trainierenden.

Quelle: Sascha Valentin

Wiesenbach. Initiiert wurde das Program vom Bundesbildungsministerium und dem Institut für Produktion und Logistik der Universität Bremen. Um Details zu erörtern, sind Vertreter der beteiligten Firmen und Institutionen in Breidenbach zu einem Workshop zusammengekommen. Dabei zeigte Projektkoordinator Benjamin Knoke zunächst die derzeitige Situation in der Schweißbranche auf.

Diese ist von einer enormen Arbeitsbelastung gekennzeichnet, erklärte er. So hätten Schweißer etwa überdurchschnittlich viele Krankheitstage im Jahr – im Schnitt 22 Stück. Das hänge 
vor allem mit der oft einseitigen Körperbelastung zusammen, 
die Beschwerden im Muskel- und Skelettbereich begünstige, so Knoke weiter. Gleichzeitig 
laste auf den Schweißern ein enormer Leistungsdruck. Denn Schweißnähte dienten als Verbindungsstücke teilweise hoch beanspruchter Bauteile. Deswegen würden an sie besonders hohe Anforderungen gestellt.

Jugendlichen fällt die Arbeit am Simulator leicht

Und noch eine Kennziffer ist typisch für den Beruf: Fast die Hälfte der deutschen Schweißer ist derzeit über 50 Jahre alt. Tatsächlich mangele es am Nachwuchs in der Schweißbranche, stellte Axel Bäcker von der IHK Lahn-Dill fest. Der Beruf sei bei jungen Menschen nicht sonderlich beliebt. Durch den Einsatz virtueller Schweißsimulatoren könnte sich das ändern, glaubt Bäcker. In der Ausbildung eingesetzt, könnten Simulatoren helfen, die Attraktivität des Berufs zu steigern.

Das bestätigte auch Bernd Feige, Leiter des Bildungszentrums. Während ältere Mitarbeiter, die das normale Schweißen gewohnt seien, eine gewisse Zeit brauchten, um sich auf den Simulator einzustellen, falle den Jugendlichen das sehr viel leichter. Das hänge wohl auch damit zusammen, dass sie auch in ihrer Freizeit mit virtuellen Realitäten in Berührung kommen – etwa über Computer oder Handys.

Hersteller nutzt Daten für Produktverbesserung

Dabei helfen die Simulatoren den Jugendlichen, sich mit der Schweißtechnik vertraut zu machen. Denn am Simulator läuft alles genau so ab, wie es auch beim echten Schweißen der Fall wäre.

Darüber hinaus erfüllen solche Schweißsimulatoren aber noch einen wichtigen Zweck, auf den Axel Schumann hinwies. Er arbeitet für einen Schweiß­technikhersteller, der die Daten aus den Simulatoren nutzt, um seine Schweißbrenner zu verbessern.

Denn die Simulatoren messen und dokumentieren den gesamten Prozess des Schweißens und offenbaren damit auch Schwachstellen und Optimierungspotenzial. So trügen die daraus gewonnen Daten etwa dazu bei, die Schweißbrenner leichter und besser bedienbar zu gestalten.

Außerdem verwies Schumann auf eine Studie der Uni Gießen, die herausgefunden hat, dass sich gezieltes Training der beim Schweißen besonders beanspruchten Muskelpartien positiv auf die körperliche Verfassung der Schweißer auswirkt.

von Sascha Valentin

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