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Schwarze Farbe bringt Glück

Bellmänner Schwarze Farbe bringt Glück

Sie gehören zum Silvestertag in Buchenau wie das Feuerwerk zur Jahreswende: schaurige Gestalten, die mit Gebrüll umherziehen.

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Im Sauseschritt durch Buchenaus Straßen und Gassen. Buchenaus Burschen jagten an Silvester Passanten hinterher.

Quelle: Carolin Acker

Buchenau. Um 9.30 Uhr ertönten die ersten Böllerschüsse, und rund 50 Mitglieder der Burschenschaften Damm und Muth trafen sich und machten sich bereit für den Silvestertag. Knapp eine halbe Stunde später waren einige unter den Perücken, schaurigen Masken und mit zerlumpten Kleidern nicht mehr wiederzuerkennen.

So zogen die „Bellmänner“ in Buchenau von Haus zu Haus, baten um kleine Spenden und wünschten den Bewohnern einen guten Start ins neue Jahr. Die Burschenschaft Damm startete von der Gaststätte „Zum Alten Rathaus“ aus, die Mitglieder der Burschenschaft Muth von der Schutzhütte „Borg“ aus. So ist es schon seit Jahrhunderten Brauch in Buchenau am Silvestertag.

Mit lautem Geschrei und Böllerschüssen zogen die Burschen als „Beallmänner“ verkleidet durch die Straßen des Dorfs. Der lautstarke Streifzug der Burschenschaften Damm und Muth durch Buchenau hat bereits seit mehr als 200 Jahren am Silvestertag Tradition.

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Auf den Straßen im Ort und besonders auf der Bundesstraße 62 war in diesem Jahr nicht viel los. „Das liegt wohl daran, dass Sonntag ist“, vermutet der Vorsitzende der Burschenschaft Muth, Lukas Prior.

Dafür waren viele Buchenauer zu Hause und öffneten den Bellmännern bereitwillig die Haustür. Während einige die Schuhcreme verwehrten, hielten andere freundlich die Wange hin und ließen sich einen schwarzen Klecks ins Gesicht malen. „Das gehört eben zum Brauch dazu, und die schwarze Farbe bringt Glück für das neue Jahr“, erklärte Lucas Pracht, Vorsitzender der Damm-Burschen. Und dann gab es natürlich noch einen Schnaps dazu, als Dank für die Spenden wie Eier, Wurst, Neujahrskräppel oder kleine Geldbeträge.

600 Eier und Speck

In der Gaststätte „Nassauer Hof“ machten die Bellmänner der Burschenschaft Muth gegen Mittag einen kurzen Stopp. Dort trafen sich auch einige Buchenauer und saßen gesellig beisammen. Besonders die Jüngsten zeigten sich sehr interessiert an den vermummten Gestalten. Nachdem sich einige Mädchen zuerst schüchtern hinter ihren Vätern versteckten, gingen sie kurze Zeit später zutraulich auf die „Bellmänner“ zu und freuten sich über die bunte Schuhcreme im Gesicht. So sehr, dass die Kinder selbst zur Tube griffen und sich gleich gegenseitig anmalten.

Bis zum Einbruch der Dämmerung waren die „Bellmänner“ unterwegs und legten einige Kilometer zu Fuß durch den Ort zurück. „Wir versuchen so viele Häuser wie möglich zu erreichen und teilen uns dafür auf“, erklärte Lucas Pracht. Seit vielen Jahren gehen die zwei Burschenschaften daher auf zwei unterschiedlichen Routen durch Buchenau.

„In diesem Jahr haben wir an vielen Haustüren Geld bekommen“, resümierte die Burschenschaft Muth. Trotzdem waren die Körbe reichlich gefüllt, mehr als 600 Eier und Speck. Diese wurden nach dem Beutezug dann direkt beim Eierbacken verarbeitet – so ist es eben Tradition in Buchenau. Am Abend legten die „Bellmänner“ die Lumpen, alten Kleider und Kostüme ab, dann feierten die beiden Burschenschaften gemeinsam im Bürgerhaus in das neue Jahr.

von Carolin Acker

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