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Schule lebt Adolf Reichweins Werte

Namensjubiläum Schule lebt Adolf Reichweins Werte

Mit einem Festkommers und einer Podiumsdiskussion hat die Adolf-Reichwein-Schule in Marburg ihr 50-jähriges Namensjubiläum gefeiert.

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Gut gelaunt verfolgten die Gäste im Festzelt den Festkommers aus Anlass des 50-jährigen Namensjubiläums der Adolf-Reichwein-Schule.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Seit 1962 trägt die vorherige gewerbliche Berufsfachschule der Stadt den Namen des Reformpädagogen und Widerstandskämpfers im Dritten Reich.

Schulleiter Norbert Herlein erinnerte daran, dass damals auch die Witwe Reichweins, Rosemarie, zu den Gästen der Feierlichkeiten gezählt habe. Herlein freute sich, dass zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Handwerk das eigens auf dem Schulhof errichtete Festzelt so gut füllten. Das zeige die Wertschätzung und die gute Zusammenarbeit.

Als „naturwissenschaftliches, informationstechnisches, gewerbliches Kompetenzzentrum der Universitätsstadt Marburg“ versteht sich die Schule heute. Aber immer noch, so Herlein, halte man es mit dem Motto des Namensgebers: „Was die Hand geschaffen hat, das begreift der Kopf umso mehr“. Die Werte Adolf Reichweins, der als Reformpädagoge für Eigenständigkeit und Individualität gestanden habe, seien im Schulprogramm verankert.

Der 1898 geborene Pädagoge habe immer nach vorne geschaut und neue Ideen erprobt. Politisch sei er als Sozialdemokrat ebenfalls für seine Werte eingetreten. Er habe sich nach 1933 nicht dem Unrecht gebeugt, sondern sein Leben für Rechtsgedanken und Freiheit eingesetzt. Nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Adolf Hitler wurde er 1944 hingerichtet. Dass die Schule seinen Namen trage, dieser Ehre sei man sich noch sehr bewusst schloss Herlein.

Oberbürgermeister Egon Vaupel überreichte der Schulleiter einen Bauplan aus dem Jahr 1958. Dieser beinhaltete eine Turnhalle und eine Aula.

Vor allem Ersteres ist eine lange gestellte Forderung der Schulgemeinde. Vaupel hob hervor, dass sie in seiner Amtszeit sicher nicht mehr kommen werde. Aber so lange, wie es nach Schulgründung 1818 als Handwerksschule bis zum jetzigen Bau am Standort in der Weintrautstraße mit der Grundsteinlegung 1961 gedauert habe, werde es sicher nicht mehr dauern.

Vaupel verwies darauf, dass der Stadt die Schulen sehr am Herzen lägen. Es werde immer versucht, gute Infrastruktur bereitzustellen. Die Schule habe sich in all den Jahren immer zum Besten weiterentwickelt, lobte das Stadtoberhaupt. Ab 1922 habe sie sich bereits als gewerbliche Berufsschule etabliert. Seit den 1950er Jahren seien Vollzeitschulformen hinzugekommen, Ende der 1960er Jahre die Fachoberschule und 1974 das technische Gymnasium. „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ sei das Motto.

Zu beobachten sei verstärkt, dass Rückgänge im Dualen System zu verzeichnen seien, sagte Vaupel. Die Zunahme an Vollzeitschülern könne auch darauf hindeuten, dass die Industrie aus Kostengründen nicht mehr bereit sei auszubilden. Aber das Handwerk, schloss der Oberbürgermeister, müsse ausdrücklich ausgenommen werden.

Denn dieses, so sagte er in Blickrichtung auf Kreishandwerksmeister Helmut Henkel, der wie der stellvertretende Schulamtsleiter Bernhard Drude ein Grußwort sprach, sei sich der Verantwortung für junge Menschen bewusst.

Aufgelockert wurde die Veranstaltung von den Auszubildenden des Friseurhandwerks im dritten Lehrjahr, die eine Frisurenschau von Adolf Reichwein bis in unsere Zeit auf die Beine gestellt hatten.

Und am Abend waren Schüler, Lehrer und Gäste eingeladen, zur Musik eines Discjockeys ausgelassen das Jubiläum zu feiern.

von Heiko Krause

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