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Hinterland Schülern über die Schulter geschaut
Landkreis Hinterland Schülern über die Schulter geschaut
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21:35 01.03.2012
Thorsten Schäfer-Gümbel (kleines Foto) lässt sich von André Dolge seine Arbeit erklären. Quelle: Schwalm, Klein

Marburg. Der Vorsitzende der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, erachtete es als wichtig, während seiner Kreisbereisung, neben der Blindenstudienanstalt und dem Mehrgenerationshaus in Marburg auch die Produktionsschule (MPS) zu besuchen.

Der Partei sei es ein wichtiges Anliegen, dass bis zum Jahr 2020 jeder einen Schulabschluss besitzt, weil dies die Berufschancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich erhöht. „Die Produktionsschulen nehmen eine wichtige Rolle dabei ein, dieses Ziel zu erreichen“, sagte Schäfer-Gümbel.

Im Gespräch mit Vertretern der Kooperationspartner der MPS, der stellvertretenden Geschäftsleiterin von Arbeit und Bildung e.V., Angelika Funk, und dem Schulleiter der Adolf-Reichwein-Schule (ARS), Norbert Herlein, sowie weiteren Mitarbeitern erkundigte sich der hessische SPD-Vorsitzende nach den notwendigen Bedingungen zur Finanzierung der Produktionsschule, der Schülerauswahl und den Arbeitsabläufen.

Alle waren sich darüber einig, dass das Angebot von Produktionsschulen als fester Bestandteil in das Hessische Bildungsgesetz gehöre, sodass jede Stadt und jeder Schulträger solch einen außerschulischen, produktorientierten und berufsvorbereitenden Lernort bieten könne. Der SPD-Politiker will sich für die Gewährleistung der künftigen Finanzierung der Produktionsschulen einsetzen.

Während des Rundgangs durch die MPS unterhielt sich Schäfer-Gümbel mit Schülern und Mitarbeitern. Er interessierte sich auch für die Meinung und Lebenshintergründe der Jugendlichen. Diese dankten ihm sein Interesse, indem sie ihm bereitwillig von ihren Aufgaben und Erfahrungen in der MPS berichteten. „Das ist schon aufregend, dass so ein hoher Politiker hier bei uns ist“, sagte der 18-jährige André Dolge aus Rauschenberg. Bereits vergangene Woche herrschte am Tag der offenen Tür in den Räumen der MPS reger Betrieb. Zahlreiche Interessierte nutzten die Möglichkeit, um sich ein Bild von dem Angebot der Einrichtung zu machen. Dieses richtetet sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren, die keinen Hauptschulabschluss haben und Leistungsschwächen, Lernbeeinträchtigungen, Sprachprobleme oder Verhaltensauffälligkeiten aufweisen.

Die Produktionsschule, ein Kooperationsprojekt des Vereins „Arbeit und Bildung“ und der ARS, begreift sich als außerschulische und realitätsbezogene Bildungsarbeitsstätte. 24 junge Menschen nehmen das Angebot der MPS derzeit wahr, um handwerkliche Praxis zu sammeln und ihre Ausbildungschancen zu erhöhen – gegebenenfalls auch durch das Nachholen eines Hauptschulabschlusses. Die Chancen auf eine Lehrstelle seien erfahrungsgemäß hoch, sagte Berufsschullehrer Rainer Hoffarth: „Einmal betrug die Quote sogar 100 Prozent.“

Der fachtheoretische und allgemeinbildende Unterricht erfolgt unter einer fortwährenden sozialpädagogischen Begleitung. Bewerbungstraining und Betriebspraktika gehören zum Programm – schließlich zählt die Verzahnung von Theorie und Praxis zu den wesentlichen Zielen der MPS, die unter anderem durch den Europäischen Sozialfonds, die Agentur für Arbeit und die Stadt Marburg gefördert wird.

von Simone Schwalm und Björn-Uwe Klein