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Schmerzensgeld für Züchtigung

Amtsgericht Schmerzensgeld für Züchtigung

Vater schlägt Tochter mit der Faust ins Gesicht: Wegen der Züchtigung der 15-Jährigen wurde ein 42-Jähriger zur Zahlung von 150 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung auf zwei Jahre ausgesetzt.

Biedenkopf. Vor dem Amtsgericht in Biedenkopf musste sich am Dienstag ein 42-Jähriger verantworten, dem Oberamtsanwalt Jürgen Noll vorwarf, im Januar dieses Jahres seiner Tochter einen Faustschlag in das Gesicht versetzt zu haben. Die Tochter erlitt eine Platzwunde an der Lippe.

Des Weiteren soll der Mann am 5. Juni, nachdem er Marihuana in der Tasche seiner Tochter entdeckt hatte, diese geohrfeigt und am Hals gewürgt haben, sodass die 15-Jährige Atemnot und Schmerzen erlitt.

Zu Beginn der Verhandlung befragte Richter Mirko Schulte den Angeklagten zu den vorgeworfenen Taten. Der Verteidiger gab an, dass sein Mandant zunächst keine Angaben machen wolle. Vielmehr solle eine konstruktive Lösung gesucht werden - in Form eines Rechtsgesprächs. Die Verhandlung wurde für etwa eine halbe Stunde zur Beratung unterbrochen.

Danach hörte Richter Schulte die 15-Jährige zum Tathergang. Sie verweigerte aber dazu die Aussage. Oberamtsanwalt Noll wollte daraufhin wissen, wie das Verhältnis zum Vater mittlerweile sei. Die 15-Jährige will wieder den Kontakt zum Vater suchen. Der Anwalt versicherte, vermitteln zu wollen.

Dieses Bemühen unterstützte auch Richter Schulte, der von einem Sonderfall sprach: der Vater sitzt auf der Anklagebank, die Tochter im Zeugenstand.

Der Vater habe sich dafür eingesetzt und sei stolz darauf, dass seine Tochter das Gymnasium besucht und sei über den Fund des Rauschgiftes entsetzt gewesen. Jedoch sei der Erziehungsstil mit Schlägen nicht richtig. Es müsse eine vermittelnde Lösung gefunden werden, eventuell in einer professionellen Beratung, um gemeinsam das Problem anzugehen.

„Die Tochter kifft, möglicherweise, weil sie vor etwas fliehen will und der Vater schlägt, weil er überfordert ist“, sagte Schulte. In Betracht käme eine Geldbuße an eine gemeinnützige Einrichtung oder ein Schmerzensgeld an die Tochter sowie eine Geldstrafe auf Bewährung.

Der Rechtsanwalt fand diesen Vorschlag als Lösung für die erste Tat gut, jedoch habe sich die zweite Tat nicht wie angeklagt zugetragen.

Zu der ersten Tat berichtete der Angeklagte, dass er wegen einiger Vorfälle erbost gewesen sei. Deshalb habe er seiner Tochter mit der flachen Hand ins Gesicht schlagen wollen, dabei habe er jedoch mit dem festen Handballen ihre Lippe getroffen.

Richter Schulte zeigte dem Angeklagten ein Foto, worauf dieser sagte: „Ich schlage nicht mit der Faust ins Gesicht.“ Im Einvernehmen mit dem Staatsanwalt wurde die zweite Tat aufgrund fehlender Beweismittel eingestellt. Die Tochter gab dazu ihre Einwilligung.

Der Vater äußerte den Wunsch, dass beide zukünftig wieder zueinanderfinden und es zu einem ordentlichen Neuanfang kommen könne.

Richter Schulte sprach von einem Denkzettel und verurteilte den Angeklagten wegen Körperverletzung zu 40 Tagessätzen zu je 12 Euro (ausgesetzt zur Bewährung auf zwei Jahre) und zur Zahlung eines Schmerzensgeldes an die Tochter von 150 Euro in monatlichen Raten zu je 50 Euro sowie die Inanspruchnahme einer Familientherapie.

von Helga Peter

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