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Hinterland Schausteller Ahlendorf steigt aus
Landkreis Hinterland Schausteller Ahlendorf steigt aus
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00:18 12.10.2018
Die Resonanz beim Stadtfest 2018 hat gestimmt. Beim Auftritt der Band „Side of Soul“ war der Marktplatz gut besucht. Veranstalter Adi Ahlendorf will dennoch aussteigen. Quelle: Christian Röder
Biedenkopf

„Für die Bürger und die Vereine war das Stadtfest eine gute Veranstaltung. Für uns als Veranstalter war das Ergebnis aber bitter.“ Diese Bilanz zieht Adi Ahlendorf, Chef des Schaustellerbetriebs Ahlendorf & Söhne. Und auch Katharina Deppe vom mitveranstaltenden Marbuch-Verlag sagt: „Alles in allem war es ein sehr schönes Fest; aber finanziell war es schwierig.“

Dabei war es von Anfang an mühsam gewesen, im Sommer 2018 überhaupt ein Stadtfest auf die Beine zu stellen. Erst im Januar hatten die Firma Ahlendorf & Söhne und der Marbuch-Verlag sich kurzfristig bereiterklärt, das Fest auszurichten. Adi Ahlendorf erklärte damals, dass er nur deshalb mitmache, weil der Marbuch-Verlag mit im Boot ist. Beide Unternehmen arbeiten seit Jahren beim Marburger Stadtfest „3TM“ zusammen.

Für Ahlendorf war auch das Biedenkopfer Stadtfest nicht neu. Nachdem die Biedenkopfer Gesellschaften und Vereine, die das Fest vor Jahren organisiert hatten, die Veranstaltung nicht mehr stemmen konnten, war Ahlendorf für einige Jahre als Veranstalter eingesprungen. Damit war nach dem Stadtfest 2016 aber Schluss. Ahlendorf erklärte damals, dass Aufwand und Einnahmen für sein Unternehmen nicht im Verhältnis stünden.

2018 wenig Vorlauf für die Planung

Ohne einen städtischen Zuschuss – dem Vernehmen nach ging es um 3000 Euro – könne er das Fest nicht mehr veranstalten. Der Magistrat der Stadt lehnte das ab. Da sich auch kein anderer Veranstalter fand, fiel das Biedenkopfer Stadtfest 2017 komplett aus.

Und es sah lange so aus, als würde es auch 2018 kein Stadtfest geben. Im Januar erschienen dann aber eben doch noch Ahlendorf und der Marbuch-Verlag als Stadtfest-Retter im Biedenkopfer Rathaus. Viel Zeit blieb den beiden Unternehmen nicht für die Organisation. Um Schausteller und Bands für ein solches Fest zu bekommen, brauchen Veranstalter normalerweise viel mehr Vorlauf.

Viele positive Rückmeldungen von Bürgern

Das Stadtfest-Programm, das die beiden Ausrichter – auch in Zusammenarbeit mit der Stadt – dann in nur wenigen Monaten aus dem Boden stampften, konnte sich aber trotzdem ­sehen lassen. Vom 27. bis 29. Juli gab es viel Musik und Aktionen auf dem Biedenkopfer Marktplatz. Bekannte Bands aus der Region wie Silent Seven, Side of Soul und London Ahead traten ebenso auf wie das Blasorchester der Feuerwehr Marburg. Auch heimische Gruppen und Talente bekamen Gelegenheit, sich auf der Bühne am Markt zu präsentieren.

Es gab Kostproben aus den Musicals „Ritter Rost“ und „Die Hatzfeldt“, einen ökumenischen Gottesdienst, die schon traditionelle Vereinsstraße und den verkaufsoffenen Sonntag. Fassbier­anstich, Speisen und Getränke­ gehörten natürlich ebenfalls zum Fest. Das alles habe hervorragend funktioniert, sagt Adi Ahlendorf im Rückblick. „Die Bands waren gut; es war voll – trotz der Hitze; und die Vereine haben sich richtig angestrengt.“

Ähnliches berichtet Marbuch-Verlagsleiterin Katharina Deppe: „Wir haben viele positive Rückmeldungen von Vereinen und Gewerbetreibenden bekommen.“ Und viele Bürger seien froh gewesen, dass das Stadtfest überhaupt wieder stattfand. Die Vereinsgasse sei voll gewesen; einige Vereine wie das THW hätten richtig groß aufgefahren.

Veranstalter: Alles nicht kostendeckend

Dennoch sei das Ergebnis für ihn als Veranstalter am Ende „noch ein bisschen schlechter als vor zwei Jahren“ gewesen, zieht Ahlendorf schließlich die betriebswirtschaftliche Bilanz. Ein Grund sei gewesen, dass er in der Kürze der Zeit nicht mehr genügend gute Schausteller verpflichten konnte.

Zehn Schausteller seien letztlich vor Ort gewesen, darunter ein kleines Kinderkarussell, Bungee Jumping, eine Schießbude und Süßigkeiten-Stände. Das seien aber zu wenige­ Schausteller, um die Kosten zu decken und Gewinn zu machen. Zumal es keine großen Karussells gab. „Ohne große ­
Attraktion läuft es nicht“, sagt Ahlendorf. Zwar habe ein 
Sponsor finanziell für Entlastung gesorgt. Das Gesamtergebnis sei dadurch aber nicht besser geworden, da gleichzeitig andere Sponsoren abgesprungen seien. Der Marbuch-Verlag ist womöglich 2020 beim Stadtfest dabei – „aber nicht unter den jetzigen Bedingungen“.

2019 Grenzgang
 statt Stadtfest

Doch selbst wenn er für das nächste Biedenkopfer Stadtfest mehr zeitlichen Vorlauf hätte, wäre Ahlendorf als Veranstalter nicht mehr dabei. Für einen professionellen Betrieb, der Gewinn erwirtschaften muss und Personal zu bezahlen hat, sei beim Biedenkopfer Stadtfest einfach nicht genug zu verdienen, sagt der Unternehmer. Die Fläche am Marktplatz sei zu begrenzt, um große Fahrgeschäfte anzulocken. „Platzmäßig ist nicht mehr viel zu machen“, sagt Ahlendorf. Hinzu komme, dass der Ruf des Biedenkopfer Stadtfestes in den vergangenen Jahren bei den Schaustellern gelitten habe. „Wenn das Fest nicht lukrativ ist, kommt auch keiner“, sagt Ahlendorf.

Ob der Marbuch-Verlag beim nächsten Stadtfest wieder dabei ist, lässt Verlagsleiterin Deppe derzeit offen. Komplett ausgeschlossen sei eine Beteiligung nicht. „Aber nicht unter den jetzigen Bedingungen“, stellt Deppe klar, „so wie es war, funktioniert es nicht.“

Ahlendorf: Stadt könnte Vereine ins Boot nehmen

Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) schließlich bestätigt, dass die Suche nach einem Stadtfest-Veranstalter nun erneut beginnt – allerdings erst für 2020. Von Anfang an sei klar gewesen, dass es wegen des Grenzgangs 2019 kein Stadtfest geben wird, sagt Thiemig. Danach müssten sich die Akteure zusammensetzen und sehen, ob das Stadtfest eine ­Zukunft hat.

Dass sich noch einmal ein professioneller Stadtfest-Veranstalter findet, glaubt Adi Ahlendorf indes nicht. „Da müsste die Stadt mehr Geld reingeben“, ist der Unternehmer überzeugt. Er rät den Biedenkopfern, es doch noch mal auf der Vereinsebene zu probieren. „Ideal wäre es, wenn ein Verein ehrenamtlich das Stadtfest ausrichtet“, sagt Ahlendorf.

Bei der diesjährigen Vereins­straße hätten die Vereine schließlich gezeigt, was sie können. Das Engagement und die Stimmung seien gut gewesen. Ahlendorf schlägt vor, das Fest vielleicht von drei auf zwei Tage zu verkürzen, um die Kosten überschaubarer zu gestalten.

von Susan Abbe