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Hinterland Sachbeschädigung statt Brandstiftung
Landkreis Hinterland Sachbeschädigung statt Brandstiftung
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21:14 08.12.2010

Marburg. Das Gutachten eines Sachverständigen für Brandursachen und die Aussage des Angeklagten standen sich in der Verhandlung am Mittwoch vor dem Marburger Schöffengericht gegenüber. Staatsanwalt Sebastian Brieden und auch das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Nadine Bernshausen waren am Ende davon überzeugt, dass der 35-Jährige der Brandstifter war. Eine Verurteilung wegen versuchter schwerer Brandstiftung blieb aber aus.

Brieden warf dem Angeklagten vor, am 14. August 2009 in einem Kellerraum eines Mietshauses am Marktplatz in Biedenkopf an fünf Stellen versucht zu haben, einen Brand zu legen. Der Angeklagte soll dazu Benzin aus einem Kanister gegossen und entzündet haben. Ein brennender Autoreifen soll einen Stützbalken in Brand gesetzt haben, auch mehrere Rohre deformierten sich. Der Eigentümer des Hauses bezifferte den Schaden auf etwa 40.000 Euro, wobei Brieden von einem geringeren Schaden ausging.

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe: „Ich saß auf einer Bank vor dem Haus und habe Rauch aus der offenen Eingangstür kommen sehen. Ich bin ins Haus gegangen und verfolgte den Rauch, der aus dem Keller kam“, berichtete er. Auf der Kellertreppe sei er gestolpert, ohnmächtig geworden und auf ein brennendes Holzbrett gefallen. Der Experte für Brandursachen glaubte dieser Schilderung nicht. „Rauchgas steigt immer erst nach oben. Das ganze Treppenhaus hätte erst mit dichten Rauch gefüllt gewesen sein müssen, bevor der Rauch zur Haustür rausgezogen wäre. Der Angeklagte hätte bei solch einer starken Rauchentwicklung nicht in den Keller gelangen können.“ Die Brandverletzungen ersten und zweiten Grades des Angeklagten stufte der Gutachter als „typische Brandstifterverletzungen“ ein.Allerdings sagten der Eigentümer und ein Mieter des Hauses aus, dass die Eingangstür und auch die Hintertür defekt waren und somit jeder Zugang zum Keller hatte. Außerdem hätten sich öfters Jugendliche im Hausflur aufgehalten. Trotzdem sah das Schöffengericht den Tatvorwurf als erwiesen an. Der Verteidiger plädierte für Freispruch.

„Obwohl das Motiv im Dunklen geblieben ist, sprechen die objektiven Umstände dafür, dass der Angeklagte der Brandstifter war“, sagte Bernshausen in der Urteilsverkündung. Da er aber die Feuerwehr alarmierte und einen gehbehinderten Mieter aus seiner Wohnung rettete, nahm das Gericht einen Rücktritt von der versuchten schweren Brandstiftung an, sodass der Angeklagte wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt wurde.

von Adrianna Michel

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