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SPD: Geld gibt‘s nur gegen mehr Rechte

Reaktionen auf McKinsey SPD: Geld gibt‘s nur gegen mehr Rechte

Einen Schulterschluss, den die Geschäftsführung am Uniklinikum anstrebt, wird es so schnell nicht geben. Sowohl Betriebsrat als auch Politik knüpfen Bedingungen an die Vorschläge McKinseys.

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Blickpunkt Uniklinik: Die Unternehmensberatung McKinsey schlägt vor, die Produktivität mit der aktuellen Personaldecke zu steigern. Der Betriebsrat befürchtet dass die Überlastung der Mitarbeiter dadurch zunimmt.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. UKGM-Chef Martin Menger bevorzugt auf Anraten der Unternehmensberater den Schulterschluss von Land, Träger, Klinikdirektoren und Arbeitnehmern, um die „Erfolgsgeschichte“ des Uniklinikums Gießen-Marburg fortzuschreiben. Klingt in der Theorie gut, aber lässt sich das in der Praxis umsetzen? „Jetzt von Erfolgsgeschichte zu sprechen, ist reiner Sarkasmus“, sagt Betriebsrätin Bettina Böttcher. In Zeiten von kaltem Stellenabbau, ungeklärten Rückkehrrechtsfragen ein Konsensmodell ins Spiel zu bringen, klinge eher nach Hohn.

McKinsey regt an, auf Personalabbau zu verzichten, in das Uniklinikum 200 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 zu investieren und die Produktivität zu steigern. „Wachstum steigern bei gleichem Personal ist nichts anderes als Stellenabbau“, sagt Böttcher.

Diese Investitionssumme, so sagt das „Zwischenergebnis von McKinsey“ könne nur mit Unterstützung des Landes Hessen gestemmt werden. Dabei hat die Rhön AG während der Privatisierungsverhandlungen genau auf diese Zuschüsse verzichtet. Und so sagt Thomas Spies, Landtagsabgeordneter der SPD: „Investitionen sind durch die Rhön AG zu leisten. Wer jetzt mit Forderungen über 200 Millionen an das Land herantritt, hat das Maß verloren.“ Was sich der gesundheitspolitische Sprecher aber vorstellen könnte, Landesmittel gegen Gesellschaftsanteile - das Land hält bisher nur fünf Prozent am UKGM -, Gemeinnützigkeit, fest vereinbarte Personalstandards und weitergehende Mitsprache des Landes zur Verfügung zu stellen. Kurzum: Geld gegen Rechte.

Für den Betriebsrat stellen sich hingegen ganz andere Fragen. Zum Beispiel, was es bedeutet, wenn Verwaltungsfunktionen optimiert werden sollen. „Es ist ja nicht so, dass die Mitarbeiter bisher nichts getan hätten“, sagt Böttcher, die einzig und allein hinter der Aufforderung nach Konsens zwischen den Beteiligten die Motivation vermutet, vom Land Geld einzustreichen.

Es könne doch nicht sein, dass sich eine Aktiengesellschaft eine Unternehmensberatung ins Haus holen muss, die erklärt, wie alles funktioniert. „Darüber macht man sich doch vorher Gedanken.“ Den Vorhaben versperren, will sich Bettina Böttcher nicht. Sie fordert aber Gespräche auf Augenhöhe, um auch eine Vertrauensbasis zu schaffen. „Sollte sich das Verhalten des Arbeitgebers nicht änder, sehe ich große Schwierigkeiten.“ Ihre Botschaft an die Mitarbeiter: „Bloß nicht aufgeben und verschaukeln lassen. Wir müssen weiter gegen den Stellenabbau kämpfen.“

Eine Beruhigung, gar ein Befreiungsschlag im Arbeitskampf am Uniklinikum sei durch das Papier von McKinsey nicht aufgekommen. „Im Gegenteil: Es ist die Rede von betriebsbedingten Kündigungen, die vermieden werden sollen“, zitiert Böttcher aus der Presseerklärung der Geschäftsführung. „Warum wird sie nicht ausgeschlossen. Das wäre ein Zeichen an die Belegschaft.“

Am kommenden Mittwoch will der Betriebsrat bei einer Versammlung am Klinikum die Mitarbeiter informieren.

Das McKinsey-Papier wird auch Thema beim Montagsgebet in der Elisabethkirche sein. „An der Situation hat sich gar nichts verändert“, sagt Böttcher. „Wir haben einen Vorschlag einer Unternehmensberatung, der sehr viele Fragen aufwirft.“

von Carsten Bergmann

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