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Hinterland Rund um die Uhr im Dienst für den Chef
Landkreis Hinterland Rund um die Uhr im Dienst für den Chef
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06:16 16.06.2012
Ein Ärgernis für viele Arbeitnehmer, die während ihrer Freizeit lieber nicht an ihren Chef denken wollen.Foto: Nadine Weigel Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Vielen Berufstätigen fällt es schwer, nach der Arbeit abzuschalten. Das ist aber wichtig, um den Stress aus dem Berufsleben loszuwerden. Nach dem Willen von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sollen Arbeitnehmer künftig besser vor Stress durch Computer und Smartphones geschützt werden. Klare Regeln sollten vorgeben, wie lange Beschäftigte erreichbar sein müssten und wann sie dafür einen Ruheausgleich bekämen.

Um den Kopf nach der Arbeit freizubekommen, sollten Berufstätige erst einmal eine halbe Stunde etwas ganz anderes machen, rät der Psychologe Professor Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Sicherlich führe die heutige Zeit auch moderne Kommunikationswege mit sich, die die Arbeitswelt immer weiter beeinflussen, sagt Dr. Markus Morr. Als Fachdienstleiter für die Presse- und Kulturarbeit in der heimischen Kreisverwaltung hat er das Phänomen aber als ein gesamtgesellschaftliches ausgemacht. „Wir haben keine einheitliche Regelung zu der von Frau von der Leyen angeregten Diskussion“, sagt Morr. Die dienstliche Erreichbarkeit beschränke sich auf einen kleinen Personenkreis in der oberen Führungsebene. Zu einer modernen Verwaltung gehöre es eben, auf besondere Ereignisse möglichst schnell zu reagieren.

Erreichbar zu sein wenn es brennt, sei keine Neuerung, erklärt Morr, der bei seiner täglichen Arbeit auch einen Termindruck spürt, diesen aber nicht überbewertet wissen will: „Noch hält sich die Flut an Nachrichten in Grenzen“.

Einen sehr offenen Umgang in Bezug auf die Arbeitszeit pflegt die Marburger IT-Firma Inosoft, die ihren Mitarbeitern anheim stellt, ob sie die Möglichkeit des Home-Office nutzen möchten, oder eben nicht. Dennoch achte die Firmenführung darauf, dass die Freizeit auch als Freizeit genutzt würde, erklärt Dr. Ellen Paulus. Die Vertriebsmitarbeiterin berichtet von einer äußerst familienfreundlichen Atmosphäre innerhalb der Firma, die auch dadurch begünstigt werde, dass den Mitarbeitern der nötige Freiraum gelassen werde. Positive Auswirkungen sind, laut Paulus, eine gesteigerte Arbeitsmoral und eine Minimierung des Erwartungsdrucks, der oftmals zu Stress führe. Ob das Handy auch während des Feierabends für berufliche Zwecke genutzt werde, bleibe aber weiterhin den Mitarbeitern selbst überlassen, so Paulus.

Auch die in Marburg ansässige Firma Novartis äußerte sich zu der von Arbeitsministerin von der Leyen ausgehenden Diskussion über die Vermischung von Arbeits- und Freizeit. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es von der Konzernführung vielsagend: „Moderne Kommunikationsmittel bergen immer die Gefahr, dass der Feierabend auch dienstlich am Smart-phone verbracht wird oder man jederzeit telefonisch erreichbar ist. Das ist bei Novartis Vaccines nicht anders als bei anderen Arbeitgebern. Allerdings bemühen wir uns verstärkt, mit verschiedenen Maßnahmen dieser Entwicklung entgegenzuwirken“.

von Dennis Siepmann

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