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Hinterland Rund um die Städte steigen die Preise
Landkreis Hinterland Rund um die Städte steigen die Preise
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18:56 12.06.2017
Präsentierten den Immobilienmarktbericht im Amt für Bodenmanagement: Amtsleiterin Stefanie Flecke, Lothar Dude-Georg (links) und Peter Moos. Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

Knapp 10.000 Kaufverträge werteten die regionalen Gutachterausschüsse des Amts für Bodenmanagement in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Gießen und im Lahn-Dill-Kreis aus – jeweils ohne die Städte Marburg und Gießen. Sowohl die Kaufpreise als auch die Zahl der Verträge zeigten demnach ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr 2015: Ein Einfamilienhaus kostete mit durchschnittlich 207.000 Euro rund sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Und für eine mittlere gebrauchte Eigentumswohnung wurden im Schnitt gut 1400 Euro je Quadratmeter fällig – im Vorjahr waren es noch durchschnittlich 1316 Euro. „Die Schaffung von Transparenz auf dem Immobilienmarkt ist die große Aufgabe, die wir hier haben – zu diesem Zweck erstellen wir den Immobilienmarktbericht“, erklärte Stefanie Flecke als Leiterin des Amts für Bodenmanagement. Mit ihm ließen sich die Umsatz- und Preisentwicklungen dokumentieren.

Gleichzeitig stellte sie fest: „Es gibt nicht den einen Immobilienmarkt.“ Vielmehr sei die Preisentwicklung von Region zu Region stark unterschiedlich. Prinzipiell folge die Region jedoch dem Trend: „Auch bei uns ist eine deutliche Preissteigerung zu erkennen“, sagte Flecke, zudem seien die Fallzahlen und Umsätze gestiegen. So hätten beispielsweise die Grundstücksgeschäfte um 2,3 Prozent zugenommen. „Das ist nicht ganz so stark wie in den beiden Vorjahren, dennoch ist ein Trend zu erkennen.“

Im Hinterland ist das Bauland am günstigsten

Für mehr als 942 Millionen Euro wechselten Immobilien demnach in der Region ihre Besitzer – eine Steigerung von 5,5 Prozent zum Vorjahr. „Wenn das so weitergeht, werden wir bald die Milliarde knacken“, sagte die Amtsleiterin. Und sie stellte fest: Auch wenn die Preise in der Region stiegen, sei es „zum Glück noch nicht ganz so intensiv wie in der Region rund um Frankfurt.“

Jedoch explodierten die Preise in den Regionen rund um Wetzlar und Gießen geradezu – „das ist vor allem dem mangelnden Angebot geschuldet“, verdeutlichte Lothar Dude-Georg. Für den Landkreis bedeutet das: Je näher man an Marburg kommt, desto teurer wird es. So kostete das Bauland im vergangenen Jahr in Weimar im Mittelwert über drei Jahre 107 Euro je Quadratmeter – Spitzenreiter war

Niederweimar, wo je Quadratmeter am Weinberg 150 Euro fällig wurden. Noch nicht eingepreist ist das Neubaugebiet „Am Roten Weg 2“, das derzeit erschlossen wird: Dort liegt der Quadratmeterpreis bei 165 Euro.

Kirchhain kam auf einen Mittelwert von 110 Euro, in Lahntal kostete Bauland 2016 je Quadratmeter 104 Euro, gefolgt von Amöneburg (92 Euro), Ebsdorfergrund (89 Euro) und Cölbe sowie Fronhausen (je 83 Euro).

Preiswerter geht es indes im Hinterland zu: Am günstigsten war es mit 31 Euro in Steffenberg, gefolgt von Angelburg (34 Euro). Es folgen Bad Endbach (43 Euro), Dautphetal (44 Euro), Breidenbach (46 Euro), Lohra (54 Euro), Biedenkopf (58 Euro) und Gladenbach (62 Euro).



Dude-Georg verdeutlichte, dass die Preise im Landkreis Marburg-Biedenkopf noch vergleichsweise günstig seien. So würden im „Speckgürtel“ rund um Gießen und Wetzlar Quadratmeterpreise von jenseits der 175 Euro aufgerufen. In Lich würden beispielsweise pro Quadratmeter bis zu 240 Euro gezahlt. „Der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist sehr ländlich geprägt“, erläutert er. Der Ostkreis zeige schon ein höheres Preisniveau, „das aber auch nie auf Spitzenwerte kommt, um Marburg gibt es kaum einen Speckgürtel“, sagt er.

Immobilienverkauf zieht 
im Landkreis kräftig an

Insgesamt gingen im Landkreis die Grundstücksverkäufe binnen Jahresfrist jedoch zurück: 163 Verkäufe registrierte das Amt für Bodenmanagement – 8,4 Prozent weniger als im Vorjahr. 12,4 Hektar wurden verkauft, was einem Minus von 10,1 Prozent entspricht – der Geldumsatz sank um 15,7 Prozent auf 9,1 Millionen Euro, der mittlere Bodenpreis ging um 3,8 Prozent auf 76 Euro je Quadratmeter zurück. „Die Änderungen können aber sowohl an einem kleineren Angebot als auch an einer geringeren Nachfrage liegen“, verdeutlichte Dude-
­Georg. So ließe sich erklären , dass der Quadratmeterpreis in Cölbe beispielsweise von 74 auf knapp 100 Euro angestiegen sei: „Dort gibt es wenig Angebot.“

Beim Verkauf von Ein- und Zweifamilienhäusern gab es indes im Landkreis ein kräftiges Plus: 415 Objekte wurden verkauft – 8,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Flächenumsatz stieg um 7,1 Prozent auf 33,4 Hektar, und der Geldumsatz stieg um 13,6 Prozent auf 65,3 Millionen Euro. Zudem zog auch der mittlere Kaufpreis an: Er stieg um 4,8 Prozent auf 154.000 Euro. Gefragt seien vor allem Immobilien mit einem mittleren oder einem guten Wohnwert. „Die hochwertigen Immobilien, wo die Preise sowieso schon hoch sind, sind sehr gefragt – der Druck ist groß“, resümierte der Gutachter.

Wo Bauland fehlt, steigt die Nachfrage nach gebrauchten Immobilien, so die Erkenntnis der Gutachterausschüsse. Die rechnen damit, dass der Markt weiter anzieht. „Die attraktiven Wohngebiete werden im Preis weiter steigen, aber auch im ländlichen Raum haben die Preise angezogen. Solange die Zinsen so niedrig sind, wird diese Entwicklung bestimmt anhalten – danach muss man sehen“, ist sich Dude-­Georg sicher. Aufgrund eines geringen Angebots würden die Käufer auch in diese Regionen ausweichen.

von Andreas Schmidt

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