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Hinterland Ruf nach völliger Integration "ist absurd"
Landkreis Hinterland Ruf nach völliger Integration "ist absurd"
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19:07 28.03.2012
Der Vorsitzende des Lebenshilfe Ortsvereins Biedenkopf Jakob Müller (von links) mit den Geehrten Hilde Werner, Sigrun Werner, Elke Metzger, Thomas Debus, Werner Schäfer und Uwe Schneekluth  sowie dem Vorstandsmitglied des Lebenshilfewerks Marburg-Biedenkopf Roland Wagner. Quelle: Klaus Peter
Dautphe

Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des Lebenshilfe Ortsvereins Biedenkopf, die in den Hinterländer Werkstätten in Dautphe stattfand, stand ein Referat des Vorsitzenden Jakob Müller zum Thema "Inklusion" und damit Weiterentwicklung der Behindertenhilfe in Hessen. Der Begriff "Inklusion" bedeute Einschluss und meine dabei die vollständige Aufnahme beziehungsweise Integration von Menschen mit Behinderung in unsere Gesellschaft. Ziel dabei sei es, dass sich die Gesellschaft mit ihren Menschen so entwickelt, dass keine Sonderunterstützungen mehr für behinderte Menschen nötig sind.

Sorgen bereiten Müller einige Politiker-Aussagen zur Inklusion. So habe der Landtagsabgeordnete Dr. Andreas Jürgens (Die Grünen) die Werkstätten als notwendiges Übel bezeichnet, weil diese ein Sondersystem darstellen und damit die Ausgrenzung behinderter Menschen symbolisieren. Auch Staatsminister Stefan Grüttner (CDU) habe betont, dass die Werkstätten in die Lage versetzt werden müssten, den Weg der Qualifizierung hin in den ersten Arbeitsmarkt zu gehen.

Die Aussagen dieser Politiker, so Müller, könne er nicht kommentarlos hinnehmen. Richtig sei vielmehr, dass das Lebenshilfewerk seit mehr als 50 Jahren geistig behinderte Menschen professionell qualifiziere und dies selbstverständlich mit dem Ziel der Integration auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Wenn es solche Einrichtungen wie die Lebenshilfe nicht mehr geben soll, sei die Gefahr groß, dass die geistig behinderten Menschen nicht mehr als solche anerkannt werden. Dann würde es auch keinen Hilfebedarf und somit auch keine Finanzmittel mehr für diese Menschen geben. Das Lebenshilfewerk sei mit seinen Werk- und Wohnstätten kein Übel, sondern nachweislich ein Segen, die den geistig Behinderten eine sinnvolle Beschäftigung bieten.

Lebenshilfewerk betreut 900 Menschen

Die Werkstätten seien moderne Agenturen für angepasste Arbeit mit differenzierten, qualifizierten Beschäftigungsangeboten. "Wir sind Teil der heimischen Wirtschaft mit allen Vor- und Nachteilen eines Wirtschaftsunternehmens, wobei unser Motto lautet ,Wohnen heißt, bei uns zu Hause sein‘."

Es sei absurd, die totale Integration von geistig Behinderten zu verlangen. Die tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnisse würden nicht dem Idealbild der UN-Konvention entsprechen. Den Ausführungen von Jakob Müller, der im Auftrag des Vorstandes sprach, schlossen sich die Mitglieder mit Diskussionsbeiträgen an. Anschließend ehrte Müller zahlreiche langjährige Mitglieder.

Wolfgang Zöller, Vorstandssprecher des Lebenshilfewerks Marburg-Biedenkopf, stellte die Strukturen mit den Werkstätten und Wohnstätten des Lebenshilfewerks vor und berichtete, dass etwa 900 Menschen in den Einrichtungen betreut werden. Vorstandsmitglied Roland Wagner teilte mit, dass in diesem Jahr ein Wohnhausneubau für sieben Behinderte und eine Tagesförderstätte in Dautphe geplant seien. Außerdem werden in Gladenbach Arbeitsplätze für 30 psychisch Kranke entstehen.

von Klaus Peter