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Rohstoffe von morgen sind heute Thema

IHK-Veranstaltung Rohstoffe von morgen sind heute Thema

Eine gesicherte Rohstoffversorgung ist eine der zentralen Herausforderungen für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung. Das wissen nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Industrie- und Handelskammer. Der erste Rohstoffdialog fand gestern in Marburg statt.

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Sprach beim gestrigen Rohstoffdialog der Industrie- und Handelskammer Kassel in Marburg über die Themen Rohstoffversorgung, Rohstoffsicherung und Ressourceneffizienz: Dr. Bettina Rechenberg vom Umweltbundesamt.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. Für 67 Prozent der in einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel befragten heimischen Unternehmen stellen steigende Preise bei Energie und Rohstoffen ein Zukunftsrisiko dar. Und weil das Thema Energie und Rohstoffversorgung aktuell nicht nur in der Wirtschaft eine große Rolle spielt, sondern auch in Politik und Wissenschaft, hat die IHK Kassel das Thema in ihrem ersten „Rohstoffdialog“ aufgegriffen. Referenten aus Landes- und Bundespolitik informierten gestern über aktuelle Entwicklungen und Strategien, Unternehmer aus der Region berichteten, wie sie ihre Rohstoffversorgung künftig sichern wollen.

Die Bedeutung der Rohstoffsicherung für die hessische Wirtschaft beleuchtete Hans Weigandt vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung. „In Hessen werden zwar rund 80 Prozent des Bruttoinlandprodukts von Dienstleistern erwirtschaftet, aber die restlichen 20 Prozent sind dennoch wichtig. Denn: Ein Großteil der Dienstleister ist abhängig von der Industrie“, erläuterte Weigandt. In erster Linie müsse die Wirtschaft selbst die Initiative zur Rohstoffsicherung ergreifen, Land und Bund würden dabei aber aktiv helfen. Effizienzsteigerung und Wiederverwertung der Rohstoffe, Abbau eigener Rohstoffe sowie Außenhandelsverträge seien dabei vonnöten.

Wie dies von Seiten der Politik aussehen kann, erklärte anschließend Dr. Bettina Rechenberg vom Umweltbundesamt: „Die Unsicherheit der Rohstoffversorgung führt zu neuen politischen Handlungsansätzen“, berichtete sie und schilderte schließlich welche das seien: Rohstoffpartnerschaften der Bundesregierung mit rohstoffreichen Ländern, Steigerung der Rohstoffproduktivität über besondere Programme, das Ressourceneffizienzprogramm, das das Kabinett im Februar beschlossen hat, und Recycling. „Die Rohstoffpolitik in Deutschland muss die Rohstoffversorgung sichern und die Effizienz sowohl bei der Gewinnung, als auch beim Einsatz und der Wiederverwertung steigern“, lautete Rechenbergs Fazit.

Auf die Theorie folgte die Praxis: Drei Unternehmer schilderten anhand ihrer Betriebe, wie sie mit Rohstoffen umgehen, welche Taktiken sie in Zukunft verfolgen und was für Voraussetzungen die Politik noch schaffen sollte. „Rund 50 Prozent unserer Produktionskosten entfallen auf Rohstoffe und Energie“, berichtete Ullrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter der Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain. Dennoch habe er es geschafft, dass die Abfälle aus der Produktion zu 100 Prozent recycelt werden. Darüber hinaus hat das Kirchhainer Unternehmen eine eigene Kläranlage.

„Die Infrastruktur ist ein wichtiger Standortfaktor für uns“, sagte Dr. Bernhard Rau von der Stadtallendorfer Eisengießerei Fritz Winter und erklärte auch gleich wieso: „Das Thema Rohstoffe kann nicht ohne das Thema Infrastruktur diskutiert werden, denn allein der Sand, den wir entsorgen müssen summiert sich auf rund 450000 Tonnen im Jahr, dazu kommen Hunderte Lastwagen Stahlschrott.“ Insgesamt würden die beiden Stadtallendorfer Werke zwischen 300 und 600 Lkw-Ladungen am Tag bewegen. „Wir brauchen die A 49 auf jeden Fall, das können sie mit ins Ministerium nehmen“, gab er Hans Weigandt mit auf den Weg. Auch Eitel hatte dies zuvor angesprochen.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde das Thema in einer Podiumsdiskussion, an der auch Guido Schwab von den Viessmann Werken beteiligt war, noch einmal eingehend beleuchtet.

von Katharina Kaufmann

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