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Rindfleisch kostete einst 85 Pfennig

Jubiläum Rindfleisch kostete einst 85 Pfennig

Vor 100 Jahren wurde die Fleischer-Innung Biedenkopf gegründet. Am Samstag feierten Mitglieder und Gäste diesen Geburtstag mit wenigen Reden, einigen Ehrungen und viel Zeit für gute Gespräche untereinander.

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Die Geehrten und Offiziellen stellten sich nach der Ehrung zum gemeinsamen Foto auf: Björn Schmidt (von links), Obermeister Georg Meissner, Ulrich Schneider, Karl Velte, Friedrich Schmidt, Georg Febel, Eckhardt Krötz, Frank Interthal und Eckhart Neun.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Biedenkopf. Auf der Bühne untermalen die Musiker von „Memory Cats“ mit sanften Klängen den Festakt. An den Tischen sorgt ein Unterhalter in Kellner-Uniform mit Komik und Kleinkunst für Kurzweil. Mehr als 100 Menschen sind der Einladung der Biedenkopfer Fleischer-Innung gefolgt: Meister, Beschäftigte aus den Betrieben, Angehörige und zahlreiche Ehrengäste. „Es macht mich stolz einem Gewerk, ja einer Innung anzugehören, die schon 100 Jahre Bestand hat“, sagt Obermeister Georg Meissner zur Begrüßung.

Im Lauf der Geschichte ist ein Jahrhundert nur ein Wimpernschlag. Doch gerade das letzte brachte viele Veränderungen: Dass die Fleischerinnung daher bis heute als diese junggebliebene Gemeinschaft bestehe, sei umso bedeutender, erklärt Meissner. Ob in der Vergangenheit oder der Zukunft: „Es ist wichtig Vertrauen zu vermitteln und Produkte von hoher Qualität anzubieten“, betont er.

Ehrenobermeister Erich Schneider unternimmt mit den Gästen eine kurze Reise durch die Geschichte der Fleischer-Innung im Hinterland. Bei den regelmäßigen Versammlungen behandelten die Metzger aktuelle Themen ihrer Zeit - die „Knochenfrage“ damals, die BSE-Krise später und die EU-Zulassungen für Betriebe heute. Immer spielten auch Preisregelungen eine Rolle: So legte die Innung schon im Jahr 1915 den Preis für Rindfleisch auf 85 Pfennige je Pfund fest.

Im Ersten Weltkrieg verloren die Betriebe durch staatlich angeordnete Fleischrationierung faktisch ihre Selbstständigkeit. Unter den Nationalsozialisten wurden die Innungen gleichgeschaltet und unter neue Führung gestellt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges kam das Innungsleben zum Erliegen und blühte später in den Wirtschaftswunderjahren voll auf. 72 Mitgliedsbetriebe gehörten der Innung im Altkreis Biedenkopf 1960 an. Seither nimmt die Zahl ab. Heute gehören noch 24 von 27 Betrieben im Hinterland der Innung an. Die Zahl der Mitarbeiter und Filialen sei aber seit 20 Jahren konstant: Mehr als 250 Menschen arbeiten im Handwerk mit - als Fleischer oder im Verkauf.

Schneider weist noch auf eine „Einmaligkeit in Deutschland“ hin: „Nämlich, dass in unserer Innung bis zum heutigen Tage mehr als die Hälfte der Betriebe selbst schlachtet.“

An Stelle des Landrats Robert Fischbach folgte der Einladung der Kreisbeigeordneten Volker Drohtler und würdigt den runden Geburtstag als „herausragendes Ereignis“. In den heimischen Fleischern sieht Drohtler kompetente Fachleute, ohne die der Verbraucher ein gutes Stück Lebensqualität verliere. Auch durch die Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre brach die Kundennachfrage in den heimischen Betrieben nicht ein. „Da haben Sie mit Transparenz und handwerklicher Kunst gegen gehalten“, unterstreicht der Kreisbeigeordnete.

Biedenkopfs Kreishandwerksmeister Karl-Heinz Koch überbringt neben einem „Flachgeschenk“ auch die Glückwünsche der zwölf anderen Innungen des Altkreises. Geburtstage seien etwas Besonderes, sagt er. Doch im Unterschied zum Menschen sei die Zeit von Innungen, wenn sie gut gepflegt würden, nicht endlich. „Sie müssen mit Ideen und Idealen ernährt werden“, erklärt Koch, der der ältesten Innung Biedenkopfs bescheinigt, noch immer „putzmunter“ zu sein. Um die erfolgreiche Geschichte fortzuschreiben, komme es auch künftig auf das Mitmachen und Sich-Einbringen an, betont er.

Eckhart Neun, Landesinnungsmeister des Hessischen Fleischverbandes, bangt nicht um die Zukunft seines Handwerks: Das sei eines der ältesten und wichtigsten Gewerke und biete bis in die heutige Zeit noch immer zahlreiche Aus- und Weiterbildungsplätze an.

Den feierlichen Rahmen nutzen Obermeister Meissner und Frank Interthal, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, auch zur Auszeichnungen von Mitgliedern der Innung. Eine besondere Ehrung erhält Eckhard Krötz aus Gönnern. Sein Familienbetrieb in dritter Generation feiert in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen. Seit 25 Jahren besteht der Betrieb von Georg Febel in Mornshausen. Für Oskar Etzler spenden die Gäste: Seit 50 Jahren ist der Biedenkopfer Fleischermeister. Friedrich Schmidt aus Gönnern legte vor 40 Jahren seine Meisterprüfung ab, Karl Velte aus Wallau und Ulrich Schmidt aus Buchenau vor 25 Jahren. Der Bad Endbacher Björn Schmidt erhielt seinen Meisterbrief und ist damit das jüngste Mitglied.

von Benedikt Bernshausen

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