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Hinterland Rhön-Aktionäre sollen verkaufen
Landkreis Hinterland Rhön-Aktionäre sollen verkaufen
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06:16 16.06.2012
Der Schriftzug der Rhön-Klinikum AG vor der Konzernzentrale in Bad Neustadt an der Saale. Gestern fand die vielleicht letzte Aktionärsversammlung des Klinikkonzerns statt.Archivfoto Quelle: Karl-Josef Hildenbrand
Marburg

Fresenius-Chef Ulf M. Schneider erlebte am Mittwoch einen historischen Moment: Als Gast auf der Aktionärsversammlung des bisherigen Konkurrenten Rhön-Klinikum AG erlebte er, wie der Rhön-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Pföhler den Aktionären empfahl, ihre Aktien an den Konkurrenten Fresenius zu verkaufen.

Bis zum 27. Juni hat Fresenius Zeit, 90 Prozent plus eine Aktie von Rhön zu erwerben - und nur dann kommt das Geschäft zustande. Der Grund: Der Rhön-Gründer und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Eugen Münch hatte 2005 eine Satzungsänderung initiiert, nach der für alle Grundsatzfragen einschließlich einem Eignerwechsel 90 Prozent des Kapitals zustimmen müssen. Vollständige Bewegungsfreiheit hat Fresenius also nur, wenn der Konzern tatsächlich 90 Prozent einsammelt.

Münch selbst und seine Familie besitzen 12,45 Prozent der Aktien, Fresenius kam gestern auf etwa 1,5 Prozent. Macht zusammen weniger als 14 Prozent.

Das allein ist für Fresenius eigentlich kein Grund zur Sorge: Die Aktien bei Rhön befinden sich zum ganz überwiegenden Teil im Streubesitz, und Kleinaktionäre, das spekulieren Börsianer, verkaufen immer erst kurz vor Toresschluss.

Dass aber der amerikanische Hedgefonds-Manager John Paulson mit mehr als drei Prozent eingestiegen ist, ist schon eher ein Grund zur Unruhe. Möglicherweise spekuliert er auf einen höheren Kaufpreis als die von Fresenius angebotenen 22,50 Euro pro Aktie. Und der schwedische Pensionsfonds Alecta, der knapp zehn Prozent der Rhön-Aktien hält, hat sich noch nicht offiziell geräuspert, wie er sich verhalten wird.

Fresenius jedenfalls hat in den vergangenen Tagen seine Muskeln gezeigt: Man werde das Angebot nicht erhöhen, hieß es aus der Konzernzentrale in Bad Homburg. Schneider und seine Vorstandskollegen haben allen Grund zum Selbstbewusstsein: Die Fresenius-Aktie notierte gestern Vormittag auf einem Allzeithoch von 82,23 Euro - und das bei einem schwächelnden Umfeld, will heißen: einem im Sinkflug begriffenen Dax. Auch wenn die Aktie im Lauf des Tages wieder unter 80 Euro sank: Der Medizinkonzern gilt als starker Titel. Analysten sehen die Aktie mittelfristig bei 84 bis zum Teil 92 Euro und sprechen überwiegend die Empfehlung aus: kaufen!

Kleinaktionär: Wenn nicht Fresenius, dann ein anderer

Auf der Aktionärsversammlung konnte gestern dennoch keiner ausschließen, dass die Übernahme durch Fresenius noch scheitert. Wolfgang Pföhler nicht, der Vorstandsvorsitzende, der in seiner Rede von einer „hohen Hürde“ sprach und vorsichtshalber schon einmal sagte, dass der Rhön-Vorstand wie bisher mit vollem Engagement die Fortentwicklung der Gesellschaft vorantreiben werde, wenn die Übernahme scheitere. „Rhön-Klinikum ist ein kerngesundes erfolgreiches Unternehmen und hervorragend am Markt positioniert“, sagte Pföhler. Aktionär Andreas Schmidt auch nicht, der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Er prophezeite: „Wenn es nicht Fresenius ist, wird es in irgendeiner Form einen anderen Zusammenschluss, Kooperation oder Ähnliches geben“. Es sei aber fraglich, ob eine andere Konstellation eine bessere Lösung sei.

Dass die derzeitige Situation auch am Uniklinikum Marburg und Gießen (UKGM), dessen Eigentümer die Rhön-AG noch ist, auch den Aktionären nicht egal ist, machte die Rede von Rudolf Schwab deutlich: Der Arzt, bis 2011 Aufsichtsratsmitglied der Rhön-AG, trat gestern als Aktionär auf und sagte, es sei den Anteilseignern nicht egal, was am UKGM passiere.

von Till Conrad

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