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Rhön-Aktie unter schwerem Druck

UKGM Rhön-Aktie unter schwerem Druck

Dr. Dr. Martin Siebert, seit Anfang Oktober Vorstandsmitglied bei der Rhön-AG, löst zum Jahreswechsel erwartungsgemäß Wolfgang Pföhler als Vorstandschef ab.

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Quelle: Andrea Warnecke

Die Personalie war seit gut einer Woche schon durchgesickert. Die Bestimmung des Vorstandschefs durch den Aufsichtsrat war notwendig geworden, weil Wolfgang Pföhler das Unternehmen „auf eigenen Wunsch“, wie es in solchen Fällen gerne heißt, verlässt. Hintergrund der Trennung von Münch sollen tiefgreifende Differenzen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Ankeraktionär Eugen Münch wegen der Turbulenzen im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme des Konzerns durch Fresenius sein. Siebert gilt als ein enger Vertrauter des Rhön-Gründers.
Mit Pföhler gehen unter anderem auch Finanzvorstand Erik Hamann und Pressechef Max Müller, der erst im Frühjahr zu Rhön gewechselt war.
Erst am Dienstag hatte Rhön in einer verpflichtenden ad-hoc-Mitteilung eine Gewinnwarnung herausgeben müssen. Hauptsächlich wegen Problemen bei dem Universitätsklinikum Gießen/Marburg musste die Prognose für das operative Jahresergebnis um 20 Millionen Euro nach unten korrigiert werden (die OP berichtete). 2012 erwartet das Unternehmen nun einen Konzerngewinn von 95 Millionen Euro. Nach dem ersten Halbjahr hatte die Klinik­kette ihre Gewinnerwartung schon einmal zurücknehmen müssen – auf damals noch 117 Millionen Euro. Die Rhön-Aktie brach nach der Gewinn­warnung massiv ein und verlor gestern fast fünf Prozent. Analysten sahen weitere Probleme auf die Aktie zukommen.
Heute gibt der Rhön-Konzern sein Ergebnis für das dritte Quartal bekannt. Nach einer Vorabinformation von Rhön wird sich der Konzerngewinn der ersten neun Monate auf rund 70 Millionen Euro belaufen.
Der Konzern wiederholte seine Angaben, nach denen die Probleme am Universitätsklinikum Gießen und Marburg den Konzern mit etwa 15 Millionen Euro belasten. Hinzu kommen laut Rhön fünf weitere Millionen Euro an Sonderbelastungen, unter anderem durch Wechsel im Vorstand – andernorts nennt man solche „Sonderbelastungen“ gelegentlich auch „Goldenen Handschlag“.

Warnung vor zu großen Erwartungen

Am UKGM wird aber vor allem darüber gerätselt, was der Rhön-Vorstand mit dem „Maßnahmepaket“ meint, das zur Sanierung des UKGM im Nachgang zu der McKinsey-Analyse beschlossen worden sei. Sowohl Rhön-Sprecher als auch UKGM-Pressechef Frank Steibli verweigerten gestern Einzelheiten. Die soll es erst in der kommenden Woche geben.
Versprochen haben die Rhön-Manager eine „Weiterentwicklung der überregionalen Medizinstrategie des UKGM“. Dazu soll unter anderem der „Wissensaustausch und die Position des UKGM innerhalb des Konzernnetzwerks fortentwickelt werden“. Diese Formulierung könnte bedeuten, dass Rhön die Bedeutung des UKGM im Gesamtkonzern inzwischen anders einschätzt als zuvor und anerkennt, dass ein Universitätsklinikum nicht wie ein normales Kreiskrankenhaus zu führen ist. Seit Monaten warnen nicht nur Arbeitnehmervertreter, sondern auch viele andere Spezialisten davor, an das UKGM dieselben Renditeerwartungen zu richten wie an andere Krankenhäuser. Ob das UKGM, das immer als „Flaggschiff“ bezeichnet wurde, tatsächlich einen anderen Stellenwert im Rhön-Konzern erhält, wollte gestern aber keiner kommentieren.
In seiner Pressemitteilung von gestern bezeichnete der Rhön-Aufsichtsrat den neuen Vorstandschef Dr. Siebert als „branchenerfahrenen und bestens ausgebildeten Experten“ und als „Führungspersönlichkeit, die das Unternehmen wieder verstärkt an den medizinischen Spitzenleistungen ausrichten wird“.

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