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Hinterland Retter üben an der langen Leine
Landkreis Hinterland Retter üben an der langen Leine
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17:12 18.05.2017
Aus einer Luke an der Unterseite der Gondel seilt sich der Retter ab. Dabei sorgen Windböen immer wieder dafür, dass der Mann gegen den Turm des Windenergieanlage gedrückt wird. Quelle: Sascha Valentin
Dautphetal

Ein gutes halbes Jahr ist der Windpark am Netz. Beim Tag der offenen Tür konnten sich Besucher ein Bild von den Anlagen machen. Höhepunkt war die Vorführung der Höhenretter, die zeigten, wie man eine verletzte Person aus der Gondel holt.

Als sich die Luke an der Unterseite der Gondel öffnete, legten die Besucher die Köpfe in den Nacken, um zu verfolgen, was sich in luftiger Höhe abspielte. Schon das Abseilen einer einzigen Person mutete spektakulär an. Der frei am Seil schwebende Retter hatte mit dem Wind zu kämpfen, der ihn immer wieder gegen den Turm drückte. Wie schwierig es ist, ­einen Verletzten festgeschnallt auf einer Trage aus 150 Metern Höhe zu retten, sahen die Zuschauer ebenfalls.

Neben den Vorführungen boten die Betreiber der Windpark Weißenberg GmbH ihren Besuchern Informationen rund um technische Details oder Ausgleichsmaßnahmen, die für den Bau der Windräder umgesetzt wurden. Demnach wurden knapp sieben Hektar Wald neu aufgeforstet sowie 18 Totholzburgen für Wildkatzen angelegt. Zudem ist ein Teil der breiten Wege zum Windpark schon wieder zurückgebaut. Die aufgeschütteten Böschungen und Erdflächen sollen im Herbst bepflanzt werden, teilte Bürgermeister Bernd Schmidt (FW) mit. Er erklärte den Besuchern auch, dass einige Windräder zeitweise stillstehen, obwohl Wind weht, weil das zu den umfangreichen Auflagen für den Windparkbau gehört. Dies solle dem Schutz von Kranichen und Fledermäusen dienen.

Energie-Erlebnispfad 
ist in Planung

Die Unterbrechungen seien einkalkuliert, widersprach Schmidt Kritikern, die anführten, der Windpark arbeite nicht wirtschaftlich. Das sei nicht wahr, so der Bürgermeister: „Wir liegen schon jetzt über dem prognostizierten Soll.“ Um Behauptungen wie die der angeblichen Unwirtschaftlichkeit zu widerlegen, seien Veranstaltungen wie der Tag der offenen Tür wichtig, sagte Schmidt.

Mehrfach kam auch die Frage nach der Möglichkeit der Beteiligung der Dautphetaler Bürger am Windpark auf. Das sei derzeit noch nicht möglich, aber für die Zukunft geplant, erklärt Michael Koch, Geschäftsführer der Hermann-Hofmann-Gruppe 
als Investor des Parks. Die dafür gegründete Energiegenossenschaft biete zunächst nur Anteile an einem anderen Windpark an, der schon längere Zeit am Netz und dessen Wirtschaftlichkeit dadurch belegt sei. Der Windpark Weißenberg soll neben dem Park Lahn-Dill-Bergland-Mitte als Nächstes folgen. Durch den Kauf von Anteilen werden die Bürger am Gewinn aus dem Stromverkauf beteiligt.

Vorgestellt wurde am Tag der offenen Tür auch die hohe Bank, die die Hermann-Hofmann-Gruppe am Fuß eines der Windräder aufgestellt hat und die von den Besuchern rege genutzt wurde. Vom Plateau aus bietet sich bei schönem Wetter ein Rundumblick. Darüber hinaus ist ein Energie-Erlebnispfad geplant, der die beiden Windparks Schwarzenberg und Weißenberg verbinden und Info-Stellen sowie interaktive Stationen zum Thema Energiewende bieten soll.

von Sascha Valentin

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