Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -7 ° heiter

Navigation:
Renaissance des Festtagsklassikers

Frankfurter Kranz ist wieder in Renaissance des Festtagsklassikers

Den ersten Frankfurter Kranz soll 1735 ein Zuckerbäcker kreiert haben. Weil die Herstellung nicht einfach ist, tauchte die einstige Festtagstorte lange Zeit auf Kuchenbüfetts immer seltener auf.

Voriger Artikel
„Synkershusin“ bereitet sich auf 2021 vor
Nächster Artikel
Kirschenmarkt-Urteile stehen noch aus

Einfach zum Reinbeißen: So wie ihn die Gladenbacherin Sandra Bamberger backt, kommt der Großmutterkuchen auch bei jungen Leuten an.

Quelle: Hartmut Berge

Gladenbach. Profi- und Laienbäcker haben im Laufe der Jahre viel experimentiert und reichlich individuelle Rezepte entwickelt. Es gibt Varianten mit Eierlikör oder mit in Wein getränktem Teig, mit Mandel, Mokka, Schoko oder Vanille aromatisierte Buttercreme, Pflaumenmus-, Himbeergrütze- oder Schokoladenfüllung, Verzierungen mit verschiedenen Früchten wie Erdbeeren oder Aprikosen. Es gibt den Frankfurter Kranz in Form von Cupcakes oder als ­Tiramisu.

Der totgesagte Großmutterkuchen feiert sein Comeback. Ihn zu backen sei kein Hexenwerk, sagt die Gladenbacher Hobbybäckerin Sandra Bamberger.

Zur Bildergalerie

Konditoreien, die etwas auf sich halten, haben selbst an warmen Tagen den Frankfurter Kranz im Angebot. Und für figurbewusste ­Kuchenfreunde werden Light-Varianten mit weniger Fett gebacken. Gleichwohl: Der Frankfurter Kranz schmeckt besonders gut, wenn er ein bis zwei Tage durchgezogen ist. Aber so alt wird er selten.

Er verliert – bei kühler Aufbewahrung – selbst nach zwei Tagen nicht an Festigkeit und Geschmack. Bei Kühlschranktemperatur hält er vier bis fünf, ohne Kühlung ein bis zwei Tage. Steht der Kuchen zu warm, bekommt die Creme einen Stich und ist ungenießbar.

Ein Stück hat so viel Kalorien wie eine Tafel Schokolade

Ein Stück original Frankfurter Kranz hat fast 500 Kalorien, so viel wie eine Tafel gute Vollmilchschokolade. Das ist Fakt. Dass die Torte tranig oder fettig schmeckt und schwer im Magen liegt, sei hingegen ein Vorurteil, versichert die Gladenbacher Hobbybäckerin Sandra Bamberger.

Wenn sie zu allerlei Anlässen gebeten wird: „Backe bitte einen deiner leckeren Kuchen“, dann wird sehr oft der Frankfurter Kranz verlangt. Der Klassiker unter den Großmutter­kuchen gewinnt nach ihren Erfahrungen wieder an Beliebtheit. Und weil er gut schmeckt, sind 
Torten-Platten mit Frankfurter Kranz recht schnell geputzt.

Ein wenig Zeit und Geduld sollte man mitbringen, will man eine Kronentorte kreieren. Das erfahren wir, als uns die Bahnangestellte und passionierte Volkstänzerin zum Backtermin in ihre Küche einlädt. Und wie sollte es anders sein: Eine Torte hat sie schon weitgehend vorbereitet, eine zweite gestaltet sie vor unseren Augen von Grund auf.

Auch für das zweite Exemplar hat sie das „Fundament“ schon gebacken und abkühlen lassen. „Wie schon meine Mutter, ­verwende ich einen lockeren Rührteig“, sagt sie, weist aber darauf hin, dass der Biskuit für viele erste Wahl sei.

Für den Rührteig schlägt sie weiche Butter und Zucker mit dem Handrührgerät oder der Küchenmaschine etwa zehn Minuten lang weiß-
cremig auf, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Nun werden die Eier einzeln untergerührt.

Für den klassischen Kranz gibt es spezielle Formen

Mehl und Backpulver werden gemischt und abwechselnd mit der Milch zum Rührteig gegeben. Das Ganze wird nur kurz untergerührt, damit der Kuchen nicht zäh wird. Der Rührteig ist perfekt, wenn er sich schwer reißend vom Schneebesen löst. Dann den Rührteig in eine vorbereitete Backform geben und im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad etwa 40 Minuten backen.

Die Backzeiten seien Erfahrungswerte und richteten sich nach den verwendeten Backformen und den Öfen, sagt die Gladenbacherin. Mancher Kuchenbäcker sticht kurz vor Ende der Backzeit mit einem Holzstäbchen in den Rührteig.

Bleibt kein Teig am Stäbchen kleben, ist der Kuchen fertig. Wer den klassischen Kranz haben möchte, der brauche eine spezielle Kuchenform. Sandra Bamberger nutzt Backringe aus Edelstahl. Sie bevorzugt das Backen ohne Böden mit einer Dauer-Backunterlage. Platziert wird das Ganze auf einem engen Gitterrost.

„Den Vanillepudding koche ich ganz langweilig“ sagt sie, verwendet dafür Pulver aus der Tüte. „Früher haben wir den Pudding mit Stärke und Vanille gekocht.“ Der schmecke zwar besser, aber dazu fehle ihr in der Regel die Zeit. Das Puddingpulver wird mit Zucker in einem Schälchen vermischt, dann das Ganze mit etwas kalter Milch angerührt. Die übrige Milch sprudelnd aufkochen lassen und vom Herd nehmen.

Viele Bäckereien verwenden Pulvermischungen

Dann das angerührte Puddingpulver einrühren. Unter kräftigem Rühren lässt sie die Mischung aufkochen. Um Hautbildung zu vermeiden rät die Gladenbacherin, den Pudding während des Erkaltens regelmäßig umzurühren. Zur Weiter­verarbeitung muss der Pudding auf Zimmertemperatur abkühlen. Zimmertemperatur hat bereits die gute Butter.

Bevorzugt verwende sie Butter von regionalen Molkereien, sagt Sandra Bamberger. Nach ihrer Ansicht ist Buttercreme nicht mehr ganz so beliebt wie früher, weil sie in vielen Bäckereien inzwischen mit Pulvermischungen anstatt mit guter Butter hergestellt werde.

Das sei ein großer Geschmacks­unterschied, betont sie. Für guten Geschmack und richtige Konsistenz der Buttercreme müsse die Butter so lange gerührt werden, bis sie ihren gelblichen Schimmer verliere und die Creme regelrecht weiß sei, sagt sie.

Inzwischen ist der Pudding abgekühlt und hat in etwa die gleiche Temperatur wie die cremige Butter, die durch das Rühren etwas wärmer geworden ist. Vorsichtig gibt sie den Pudding zu der Butter und rührt langsam. Arbeitet man den Pudding zu heiß unter, dann wird die Butter flüssig und die Zutaten verbinden sich nicht richtig.

Andere Früchte tun's auch

Die Buttercreme stellt sie zum Abkühlen in den Kühlschrank. Derweil schneidet sie den abgekühlten Kranz horizontal in drei etwa gleich große Teile und markiert sie mit Zahnstochern, damit sie später wieder passgenau aufeinander gesetzt werden können. Auf den untersten Kranz streicht sie Pflaumenmarmelade. Darauf kommt eine fingerdicke Schicht Butter­creme.

Sie setzt den Boden auf, verteilt wieder Buttercreme, setzt nun die oberste Lage auf. Die komplette Torte wird mit einer Buttercremehülle versehen. Sie lässt 
die Torte nun etwa zwei Stunden kühlen.

Dann gibt die Hobbybäckerin Krokant auf die Außenhülle. Der haftet nun prima an der Buttercreme. Sie füllt den Rest Creme in eine Spritztüte und verziert den Kuchen. Zur Krönung setzt sie zuweilen noch ein paar Kirschen auf. „Andere Früchte tun’s auch“, sagt sie. Diesmal verzichtet sie darauf.
Sandra Bamberger berichtet von verschiedenen Frankfurter-
 Kranz-Kreationen.

Sie habe ihn auch schon zweifarbig zusammengestellt, die eine Hälfte der Buttercreme mit Vanille-, die andere mit Schokoladenpudding angerührt. Auch eine Erdbeercreme-Variante sei bei den Kuchenessern gut angekommen, versichert sie. Aber für das nächste Kuchen-Büfett wird sie wohl wieder den Vanille-Klassiker backen. Denn auch der schmeckt lecker – garantiert.

von Hartmut Berge

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr