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Hinterland Rathaussaal ist eine Theaterbühne
Landkreis Hinterland Rathaussaal ist eine Theaterbühne
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20:10 29.08.2012
Das deutsch-französische Ensemble und die Organisatoren des Projektes trafen sich am Montag im Biedenkopfer Ratssaal, den die Gruppe als Probenraum nutzt. Quelle: Benedikt Bernshausen
Biedenkopf

Die Außentüren sind abgeschlossen. Der einzi­ge Weg hinein führt durch die Tiefgarage. Drinnen ist es still, die Flure sind dunkel und menschenleer - Mittagspause im Rathaus. Der Schritt über die Türschwelle in den Ratssaal ist in diesen Tagen auch der Schritt in eine andere Welt. Junge Menschen, leger gekleidet und teils barfuß, bilden einen starken Kontrast zur sonst üblichen Sitzungs-Atmosphäre.

Für zehn Tage gastiert ein deutsch-französisches Theaterensemble in der Lahnstadt und verwandelt den Sitzungs- kurzerhand in seinen Probensaal. Während ihres Aufenthaltes im Hinterland wohnt die Gruppe in der Jugendherberge. „Der Ort ist einfach perfekt“, findet Bärbel Kandziora, Schauspielerin aus Eifa. Gemeinsam mit Ferenc Kréti leitet sie das Theaterlabor Artproductions, kurz „T-LAP“. Beide sind neben dem französischen Theatre T.A.C.A. um Regisseur Francois Dragon, den Kopf des Projektes aus der hessischen Partnerregion Aqui­taine, der deutsche Kooperationspartner.

Die zehn Akteure sind Profis. Nur ausgebildete Schauspieler beider Länder durften sich auf die freien Plätze des Partnerprojektes bewerben. In Biedenkopf trafen sie letzte Woche zum ersten Mal aufeinander und harmonierten von Beginn an. „Das geht weit über einen normalen Austausch hinaus“, schwärmt Adrien Daquin aus Frankreich.

Bei Verständigungsproblemen hilft Christiane Goeke. Die Dolmetscherin ist wichtiger Teil der Gruppe und versucht auch mit Sprachanimation spielerisch Deutsche und Franzosen an die jeweilige Fremdsprache heranzuführen. Insgesamt 20 Tage wird die Gruppe zusammenarbeiten. Die erste Hälfte der Zeit verbringt sie in Biedenkopf, die zweite Ende September in Perigueux in Frankreich. Dort wird das Stück „Rund um den Kongress“ von Ödön von Horváth fertiggestellt und zum Ende der Projektzeit aufgeführt.

Finanziert wird der Austausch vom Hessischen Ministerium (HMWK) für Wissenschaft und Kunst, dem Regionalrat von Aquitaine und dem deutsch-französischen Jugendwerk. Die Stadt Biedenkopf stellt ihrerseits den Probenraum kostenlos zur Verfügung. „Es ist eine große Ehre für uns, dass wir Gastgeber sein dürfen“, sagt Joachim Thiemig. In den Augen von Regisseur Dragon besteht in dieser Art der „künstlerischen Hilfeleistung“ auch der eigentliche Austausch.

Bereits im vergangenen Jahr machte Bärbel Kandziora mit dem EU-Projekt „Masks on Stage“ in Biedenkopf Station. „Damit zeigen wir, dass wir das kulturelle Zentrum der Region sind und bleiben“, bekräftigt Thiemig stolz. Auch Vertreterinnen von Ministerium und Regionalrat besuchten die Schauspieler-Gruppe am Montag. Aus der Partnerschaft zwischen Hessen und Aquitaine seien schon zahlreiche Projekte erwachsen, erklärt Angela Kiesow vom „HMWK“. Erst Anfang dieses Jahres wurde ein neuer Vertrag abgeschlossen, der die binationale Förderung von Projekten mit hohem Niveau und besonderer Bedeutung, auch zu Förderung von Berufsanfängern, regelt. „Und wir halten dieses Projekt für sehr interessant und unterstützen es gerne.“

Alice Pirlo vom Regionalrat erläutert die Grundidee, die von zwei Säulen getragen werde: Zum einen dem künstlerischen Teil, hauptsächlich jedoch dem informellen Austausch auf Regie-Ebene. Während diesmal ein Franzose das Projekt leite, sei im nächsten Jahr ein Deutscher beauftragt.

Die Teilnehmer bewarben sich aus unterschiedlichen Motiven: Sammy Blum aus Köln will neue Leute kennenlernen. Er hofft auch, sich schauspielerisch zu verbessern - „und nach Frankreich zu kommen!“. Dominic Betz sammelte in einem deutsch-polnischen Projekt erste Erfahrungen dieser Art. Internationalität sei im Tanz- und Musiktheater selbstver­ständlich, komme im Schauspiel aber kaum vor. Er will sehen, wo zwischen deutschen und französischen Künstlern Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen. Dazu kommt, dass der gebürtige Frankfurter kein Französisch spricht. „Das gibt mir dann noch einmal einen ganz anderen Blick auf das Ganze“, sagt er begeistert.

Einzelne, sich fremde Schauspieler sind in kürzester Zeit zu einer festen, fast familiären Einheit herangewachsen. Adrien empfindet seine Teilnahme auch deshalb als große Bereicherung. Regisseur Dragon betreute bereits mehrere Projekte und kennt die Gefühle beim Auseinandergehen: „Nach den ersten zehn Tagen fällst du in ein Loch und nach der Aufführung fühlst du dich wie ein Waisenkind!“ Davon wollen Dominic, Sammy und Adrien noch nichts wissen. „Wenn ich an die Vorführung in Frankreich denke, dann freue ich mich unheimlich darauf“, sagt Adrien. Und damit die ein Erfolg wird, machen sich die jungen Frauen und Männer auch sofort wieder ans Werk.

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