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Rastlos im Einsatz für Mitmenschen

Verdienstordenverleihung Rastlos im Einsatz für Mitmenschen

Langeweile kennt Hubert Nassauer nicht. Der 72-jährige Rentner könnte nach 26 Jahren als Ortsvorsteher in seinem neuen Garten in Eckelshausen sitzen und die Beine hochlegen. Doch das wäre gegen seine Natur. Am heutigen Freitag wird ihm der Bundesverdienstorden verliehen.

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Hubert Nassauer genießt die Ruhe in seinem neu angelegten Garten. Der Eckelshäuser hält aber nichts vom Faulenzen.

Quelle: Conny Schneider

Eckelshausen. „So viel mache ich jetzt gar nicht mehr“, sagt Hubert Nassauer. „Ich bin nur noch Stadtverordneter in Biedenkopf und Mitglied der Verbandsversammlungen des Abwasserverbands Dautphetal und des Müllabfuhr-Zweckverbands.“„Aber du bist doch auch noch im Kindergartenausschuss in Kombach tätig“, fügt seine Frau Ingrid hinzu. „Und Jagdvorsteher. Und du singst im Männergesangverein.“

Nichtstun ist für Hubert Nassauer undenkbar. So war es schon immer. Es gibt keinen Verein in Eckelshausen, den der gelernte Maschinenbaukonstrukteur nicht unterstützte - ob als langjähriges Oberhaupt des Spielvereins, als stellvertretender Vorsitzender beim Obst- und Gartenbauverein oder als Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr. Ebenfalls war er Oberst der Burschenschaft „Fischbach“, Mitglied in der Forstbetriebsgemeinschaft Eckelshausen/Katzenbach und im Förderverein „Eckelshausener Musiktage“.

Nebenher hat er Theater gespielt, in der Position des Liberos Fußball gspielt und manchmal über Nacht spontan Büttenreden auf die Beine gestellt. Bei den Dorffesten war er die treibende Kraft. „Ob ich ein Lokalpatriot bin, weiß ich nicht“, sagt er. „Aber eins war mir immer klar: dass ich niemals aus Eckelshausen wegziehen werde.“

Seine politische Karriere begann im Alter von 28 Jahren als Gemeindevertreter - als Hospitant auf der Liste der SPD.

Nur Ortsumgehung steht noch auf der Wunschliste

In die Partei eintreten wollte er aber nicht. Vier Jahre später gehörte er zum Ortsbeirat. 1984 entschloss er sich, auf der Liste des Bürgerblocks Biedenkopf für das Amt des Ortsvorstehers zu kandidieren. „Das war schon irgendwie ein mulmiges Gefühl“, erinnert er sich. Doch seine Bedenken waren unbegründet. Er erhielt auf Anhieb die absolute Mehrheit - und bekleidete das Amt 26 Jahre lang. Viel ist passiert in dieser Zeit. Vor allem Dinge, an die Hubert Nassauer gern zurückdenkt - wie zum Beispiel an den Neubau der Lahnbrücke, die Sanierung des Bürgerhauses oder die Erschließung von Neubaugebieten. Ein Ziel hat er jedoch in seiner Amtszeit in Eckelshausen nicht durchsetzen können: die Ortsumgehung. 18000 Fahrzeuge rollen noch immer täglich durch Eckelshausen. „Das ärgert und frustriert mich“, gesteht er. Was ihn hingegen sehr freut, ist die kollektive Einigkeit während seiner Ära.

Wandschrank ist mit Auszeichnungen gefüllt

„Wir haben alle Beschlüsse einstimmig gefasst“, erzählt er. „Das war mir wichtig.“ Hubert Nassauer war stets ein Freund von klaren Meinungen. Dennoch durften diese Meinungen nicht zu festgefahren sein. Offen sein für andere Ansichten, nicht lange um den heißen Brei reden, sondern auf den Punkt kommen - Tugenden, die den Ortsvorsteher auszeichneten. Vielleicht ein Grund dafür, dass er „nie mit jemandem mal so richtigen Zoff“ hatte.

Dass der Tausendsassa all seine Tätigkeiten unter einen Hut bringen konnte, verdankt er zum einen seinem Organisationstalent. „Es kam schon oft vor, dass ich abends erst spät ins Bett kam, aber ich musste mir die Zeit eben gut einteilen“, erklärt er. Zum anderen erhielt er die nötige Unterstützung. Nicht nur von seinem damaligen Arbeitgeber, dem Ingenieurbüro Müller in Marburg, sondern vor allem von seiner Frau Ingrid, mit der er in drei Jahren goldene Hochzeit feiert.

„Meine Frau hat mir immer den Rücken freigehalten und sich um die Kinder gekümmert“, sagt er. Zwei seiner drei Kinder und seine beiden Enkelinnen leben in seiner direkten Umgebung - im eigenen Obergeschoss und im Haus direkt nebenan. Dieses Miteinander genießt Hubert Nassauer. Seine gesamte Familie begleitet ihn heute auch zur Verleihung des Bundesverdienstorden. Die Auszeichnung überreicht ihm Finanzminister Thomas Schäfer, der gemeinsam mit Nassauers ältestem Sohn die Schulbank gedrückt hat. Welchen Platz das Bundesverdienstkreuz in seinem Haus bekommen wird? Das Ehepaar blickt sich im Wohnzimmer um.

Im Wandschrank stapeln sich bereits Pokale und Ehrennadeln, ein dicker Ordner ist prall gefüllt mit Urkunden.

Für die Feierstunde hat sich Hubert Nassauer extra eine neue Krawatte und ein neues Hemd besorgt. Entgegen vieler Klischees ist er nämlich ein Mann, der gern einkaufen geht. „Er begleitet mich sogar gern zum Schuhekauf“, sagt Ingrid Nassauer lachend. Eine Tätigkeit, für die ihr Mann auch noch Zeit findet.

von Conny Schneider

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