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Rasante Fahrweise und weichgespülte Aussagen

Amtsgericht Rasante Fahrweise und weichgespülte Aussagen

Die rasante Fahrweise eines 18-Jährigen mit Unfallfolgen wurde mit einer Geldbuße von 400 Euro und dem Entzug des Führerscheins für weitere sieben Monate geahndet.

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Biedenkopf. Vor dem Amtsgericht musste sich gestern ein 18-Jähriger wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten, dem die Staatsanwaltschaft Marburg vorwarf, am 18. März gegen 0.55 Uhr aus Übermut und Leichtsinn trotz der Bitten seiner Freunde in Biedenkopfs Straßen mit einer Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern unterwegs gewesen zu sein. Als Folge „brach“ das Heck seines Autos aus und der Wagen schleuderte gegen zwei Begrenzungspfosten sowie eine Mauer. Die Insassen trugen Verletzungen und Prellungen an den Oberkörpern davon.

Gegenüber Richter Mirko Schulte berichtete der Angeklagte, dass er sich mit seinen Freunden am Marktplatz traf, um dann noch einen „Sprint“ zu McDonalds zu unternehmen. Während der Fahrt sei sein Auto am Kreisel schon ein „bisschen weggerutscht“ und in einer Kurve dann hinten ausgebrochen.

Als Schulte dem jungen Mann vorhielt, dass das Auto doch ziemlich „zermatscht“ ausgesehen habe, erklärte dieser, dass er das Auto seines Onkels gefahren habe und an diesen nun monatlich 200 Euro zahle, um den Wert von 4000 Euro zu begleichen. Der 18-Jährige bezeichnete sich selbst als eher vorausschauenden Fahrer. Schulte hielt ihm dagegen vor, dass seine Freunde ihn dagegen sogar als aggressiven Fahrer darstellten. Auch seien in einer Urinprobe minimale Rückstände von THC festgestellt worden.

Ein 18-jähriger Beifahrer, wollte sich nicht mehr so recht erinnern und sprach von einer doch ein „bisschen temporeichen“ Fahrt. Die Staatsanwältin hielt ihm vor, dass dieser gegenüber der Polizei klare und detaillierte Angaben gemacht habe und nun versuche alles „ein bisschen“ glatt zu ziehen. Sie zitierte aus dem Protokoll: „Der 18-Jährige habe gleich den Dicken machen wollen und sei durch den Kreisel geschossen.“

„Sprint“ zum Imbiss endet an einer Mauer

Auch Schulte sprach von „weichgespülten Aussagen“ und ermahnte den Zeugen zur Wahrheit. Der Zeuge gab noch an, Verletzungen in Form von Scherben in der Kopfhaut sowie Kopf- und Rückenschmerzen davongetragen zu haben.

Ein weiterer 18-jähriger Zeuge belastete den Angeklagten und gab an, dass er Panik bekommen habe, weil dieser immer schneller gefahren sei. Auf seine Einwände habe der 18-Jährige lediglich gegrinst. Der nicht angeschnallte Zeuge erlitt Wirbelprellungen und eine leichte Gehirnerschütterung sowie Prellungen am Bein.

Ein anderer Mitfahrer berichtete, dass er bei dem Unfall eine leichte Schultersprengung davon getragen habe. Auch er habe seinen Freund gebeten, langsamer zu fahren und ihm deutlich gemacht, aussteigen zu wollen.

Die Staatsanwältin erklärte, dass der Angeklagte sich der fahrlässigen Körperverletzung an drei Personen strafbar gemacht habe. Auch habe dieser versucht, den Vorfall durch seine Aussagen „weichzuspülen“. Der junge Mann sei seiner Fehleinschätzung erlegen und habe zudem nicht auf seine Mitfahrer gehört. 500 Euro als Geldbuße, die Teilnahme an einem Verkehrsseminar sowie den Führerscheinentzug für weitere neun Monate, lautete ihr Antrag.

Richter Schulte verurteilte den Angeklagten wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldbuße von 400 Euro an die SIT Suchthilfe (Taunus), zahlbar in monatlichen Raten zu 50 Euro, einen Führerscheinentzug für weitere sieben Monate und die Teilnahme an einem Verkehrsseminar.

Die Tat bewege sich in einem Grenzbereich von grob fahrlässig bis zu vorsätzlich und entstamme aus einem jugendtümlichen Verhalten mit Angeberei und Kraftmeierei, führte der Richter aus. Auch sei der junge Mann aufgrund seines Verhaltens nicht zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet.

von Helga Peter

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